Mini-Computer Asus macht die Eee Box kleiner als sie ist

Der Eee PC war der Coup des Jahres. Das kleine, billige Notebook verkaufte sich nicht nur prächtig, es diente als Vorlage für eine ganz Generation neuer Mobilrechner, der Netbooks. Mit der Eee Box legt das Unternehmen jetzt einen Desktop-PC nach demselben Prinzip auf.


Asus geizt nicht mit Superlativen. Die Eee Box sei der "weltweit kleinste PC", protzt das Unternehmen über seinen jüngsten Spross. Als Ein-Liter-Computer wird der kleine Rechner bezeichnet, der ausreichend Leistung für alle alltäglichen Anwendungen bieten, dabei aber weitaus kleiner und billiger als Standard-PCs sein soll. Doch damit schießt Asus ein Stück weit übers Ziel hinaus.

Denn die Eee Box ist, wenngleich ausgesprochen klein und zierlich, mitnichten der "kleinste PC", schon gar nicht der Welt. Einen bedeutend kleineren Rechner konnten beispielsweise die Besucher der Internationalen Funkausstellung in Berlin dieses Jahr begutachten. Und zwar den Via Artigo, ein kleines Rechnerkästchen für Hobbybastler, das man nur noch um eine Festplatte ergänzen muss, um daraus einen vollständigen PC zu machen. Der Artigo jedenfalls bringt es nicht einmal auf ein Volumen von einem Liter, so wie die Eee Box. Stattdessen beträgt der Rauminhalt des Artigo nicht mal einen dreiviertel Liter - und ist damit deutlich kleiner.

Im Inneren des Artigo allerdings geht es genügsam zu. Vias Stromsparchip C7 werkelt dort mit 1,0 Gigahertz Taktfrequenz. In der Eee Box hingegen werkelt Intels Atom-Prozessor, der auch in vielen Netbooks verbaut wird, als Antrieb. Die Taktfrequenz von 1,6 Gigahertz soll ausreichen, um mit der PC-Box nicht nur Mails zu versenden, im Web zu surfen und Briefe zu schreiben. Auch als Multimedia-Geselle bietet sich der Asus-Winzling an, soll laut Hersteller auch Videos wiedergeben können. In Kombination mit dem integrierten DVI-Ausgang würde das Kästchen so zum veritablen TV-Gespielen. Das umso mehr, als die 160-GB-Festplatte genug Platz für viele Filme bietet.

Lange Wartezeiten soll man dabei nicht in Kauf nehmen müssen. Wie bei seinen aktuellen Motherboards auch hat Asus in die Eee Box die sogenannte Expressgate-Technologie eingebaut. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein abgespecktes Mini-Linux, dass auf Knopfdruck binnen sieben Sekunden startet und die wichtigsten Funktionen etwa zum Musik hören und für die Filmwiedergabe bereitstellt. Um die Technik-Ausstattung zu komplettieren, ist ein Modul für drahtlose Netzwerke nach den neusten Standards integriert.

Pizzabox der Neuzeit

Wie schon einige Eee PCs bietet Asus auch die Eee Box wahlweise mit Linux oder Windows XP als Betriebssystem an. Wer sich für die Linux-Variante entscheidet, wird dafür vom Hersteller nicht nur mit einem günstigeren Preis belohnt, sondern bekommt zusätzlich auch noch doppelt so viel Arbeitsspeicher (RAM) als die Windows-Fraktion eingebaut. Windows-User hingegen müssen sich mit einem Gigabyte RAM begnügen und zehn Euro Aufpreis zahlen.

Und der Preis kann sich sehen lassen. 259 Euro kostet die Linux-Box, 269 Euro die Windows-Version. Damit sind die neuen Asus-Rechner auf demselben Niveau wie etwa der Wind-PC von MSI. Schön anzusehen sind sie allemal, erinnern mit ihrem flachen Gehäuse an das Pizzabox-Design der LC-Macs, mit denen Apple einst versuchte, neue Käuferschichten zu erschließen. Und einen praktischen Nutzen hat das auch noch: Man kann die Abwärme der CPU tatsächlich benutzen, um auf dem horizontal abgestellten Rechner eine Pizza zumindest warm zu halten (sollte man natürlich nicht - auch wenn das Ding warm genug dafür wäre).

Allerdings erst ab Oktober. Denn wie schon den Eee PC hat Asus den Neuling auch dieses Mal angekündigt, lange bevor er in den Händlerregalen steht.

mak

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