Mini-Laptop Bald könnte Apples Netbook kommen

Auch Apple wird sich dem Netbook-Lager anschließen. Allerdings nicht mit einem Allerwelts-Lowcost-PC, sondern mit einem Gerät, in dem viel neuentwickelte Technik steckt. Das zumindest legen Gerüchte nahe. Die Produktion soll in Kürze anlaufen.


Die Chinesen sind schuld. Hätte nicht die " China Times" darüber geschrieben, hätte sich wohl vorläufig niemand mehr Gedanken über ein solches Projekt gemacht. Jetzt aber geht der ganze Affentanz wieder los: Apple plant doch, ein Netbook auf den Markt zu bringen. Im Oktober soll es vorgestellt werden und 800 Dollar kosten. Sogar die Größe des Bildschirms wollen die Köche der chinesischen Gerüchteküche kennen, auf den Zentimeter genau. Demnach wird das Gerät mit einem 9,7 Zoll großen Touchscreen ausgestattet sein. Nicht nur das wäre einmalig.

Apple-Logo (im Apple Store in München): Angeblich stellt das Unternehmen bald seine Antwort auf die Netbooks vor
DPA

Apple-Logo (im Apple Store in München): Angeblich stellt das Unternehmen bald seine Antwort auf die Netbooks vor

Aber, dass ein Apple-Netbook irgendwie anders sein müsste als die anderen, hat Apples Interims-Geschäftsführer Tim Cook längst klargestellt. Wenn Apple sich in den Bereich "klein und leicht und doch ein richtiger Computer" vorwagen würde, müsste das schon etwas vollkommen Neues sein, erklärte der Manager vor Monaten. Jene Geräte, die sich derzeit in der Kategorie Netbooks wie geschnitten Brot verkaufen, seien aus seiner Sicht bloß "ramschige Hardware". Und uniform sind sie sowieso: Das typische Netbook hat heute einen 10-Zoll-Bildschirm, wird von einem 1,6 GHz schnellen Atom-Prozessor angetrieben, ist mit 1 GB RAM und einer 160 GB Festplatte ausgerüstet.

Ein Apple-Netbook müsste anders ausgestattet sein, anders aussehen, da sind sich Beobachter einig. Einigkeit herrscht vor allem darin, dass Apple nicht etwa den Atom, sondern einen eigenen Chip in ein solches Gerät einpflanzen wird. Die naheliegende Begründung: Im April übernahm Apple die Chip-Schmiede P.A. Semi. Deren Entwickler sollen an zwei geheimen Projekten arbeiten, einem ARM-Chip für künftige iPhones und einem Netbook-Chip.

Ob man das Gerät, an dem Apple da angeblich werkelt und dessen Fortschritte der gerade erst vom Krankenbett zurückgekehrte Steve Jobs angeblich persönlich überwacht, aber tatsächlich als Netbook bezeichnen kann, ist mehr als fraglich. Das liegt schon daran, dass sich die "China Times" in ihrem Bericht in unklaren Begrifflichkeiten verliert. Zumindest in der Web-Übersetzung des chinesischen Textes wird von "Apples Netbook (oder 'Tablet', wie manche es bezeichnen)" gesprochen.

Was ist es also, an dem Apple da so geheimniskrämerisch werkelt? Ein iNetbook? Oder doch eher ein iTablet? Egal wie es am Ende heißen wird, die Produktionsaufträge sollen bereits vergeben sein. Mehrere asiatische Zulieferer, darunter Winteck, Dynapack und vor allem Foxconn, sollen bereits ihre Aufträge erhalten haben. Als sicher gilt: Der Bildschirm wird ein Touchscreen sein, Steuerungsbefehle per Finger entgegennehmen. Als Betriebssystem dürfte eine Spezialversion des kommenden Mac OS X 10.6. dienen, der schon nachgesagt wurde, einige Details würden auf einen Tablet-Mac hindeuten. Ob auch eine echte Tastatur dabeisein wird, der Bildschirm womöglich drehbar wäre wie beim Asus EeePC T91, ist vollkommen unklar.

Die Daten passen

Sicher ist hingegen, dass ein solches Gerät nahezu perfekt zu einer Vorhersage der Analystenfirma Piper Jaffray passen würde. Die hatte im Mai prognostiziert, Apple werde einen Tablet-PC entwickeln, um die Lücke zwischen dem iPod touch und den Macbooks zu schließen. Und auch der prognostizierte Vorstellungszeitraum würde passen. Im Oktober 2008 stellte Apple neue Notebooks vor, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Und weil die Kalifornier gleichmäßige Rhythmen lieben, darf man auch für den Oktober 2009 eine ähnliche Ankündigung erwarten - vielleicht garniert mit einem kleinen leichten i-Notebook-iPod-Tablet-Netbook.

Vielleicht aber wird Apple auch einfach neue Notebooks zeigen, verbesserte Einsteiger-iPods vorführen. Schließlich steht das Unternehmen in dem Ruf, derartige Gerüchte quasi als Nebelkerzen zu verwenden, die von den wirklichen Projekten des Konzerns ablenken. Von Apple oder seinen Zulieferern zumindest wird man dazu keine Aussagen bekommen. Apples Geheimhaltung hat fast fehlerlos funktioniert, seit Steve Jobs 1997 den Chefsessel übernommen hat.

mak

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