Musikdownloads Kostenlos und doch legal

Gute Nachrichten für iPod-Nutzer: Apples MP3-Player, bisher bei Kaufmusik größtenteils auf Apples Download-Shop iTunes angewiesen, bekommt in diesem Jahr mehr Auswahl - und die ist zum Teil sogar kostenlos.

Der Gegenwind aus der Musikindustrie frischt auf. Apple, seit Jahren dominant im Online-Musikbusiness, bekommt neue Konkurrenz. Nach ersten Erfolgen in den USA hat Amazon am Sonntag angekündigt, sein kopierschutzfreies MP3-Musikangebot in diesem Jahr auch international anzubieten. Zeitgleich startet der alternative Musik-Downloaddienst Qtrax , bei dem man Titel von Stars wie Lenny Kravitz, Alicia Keys und den Foo Fighters kostenlos herunterladen kann - mit dem Segen der Plattenlabels.

Ursprünglich als Napster-Nachahmer gestartet, musste die Peer-To-Peer-Tauschbörse (P2P) Qtrax 2002 bereits wenige Monate nach ihre Start wieder eingestellt werden, um möglichen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Seit einigen Jahren versuchen die Macher des Dienstes nun, ihr ursprüngliches Angebot auf ein legales Fundament zu stellen.

Dieser Kunstgriff scheint jetzt gelungen zu sein. Ab Montag will Qtrax eine Beta-Version seiner Software für Windows-PCs anbieten. Ab März soll auch eine Macintosh-Variante bereitstehen. Im Oktober dann, so der Plan, soll das neue Angebot in den Regelbetrieb übergehen. Das hört sich gut an, ist aber eigentlich eine Verspätung um zwei Jahre. Schon 2006 gab es Pläne, für ein werbefinanziertes Download-Portal. Woran es lag, dass sich der Start so lange hinzog, bleibt offen.

Alles kostenlos

Möglicherweise musste einfach der Leidensdruck der Labels noch ein wenig steigen, um sie für das neue Konzept begeistern zu können. Denn das hat es in sich. Alle bei Qtrax angebotenen Titel soll es kostenlos geben. Und das dürften nicht wenige sein. Schließlich haben sich die vier größten Plattenfirmen, Universal Music, Warner Music, Sony BMG und EMI, zu dem neuen Downloaddienst bekannt.

Dass Qtrax mit seiner Idee offene Türen einrennt, zeigt sich schon kurz nach der offiziellen Vorstellung am Sonntag. Kaum war der Startschuss gegeben, brach die Seite unter der Vielzahl neugieriger Surfer zusammen, reagierte nur noch schleppend.

Zusätzlich zu den von den Labels lizensierten Titeln sollen Aufnahmen der Nutzer ins Angebot aufgenommen werden. Zur Verteilung der Daten soll der P2P-Ansatz genutzt werden. So werden die Musiksammlungen der Nutzer in das Angebot integriert. Auf diese Weise will man schon schnell nach dem Start auf eine Auswahl von 20 bis 30 Millionen Titeln kommen - die alle kostenlos geladen werden können. Zum Vergleich: Im iTunes Store werden etwas mehr als fünf Millionen Titel angeboten.

Nur CDs sind verboten

Über Anzeigenwerbung soll bei Qtrax genug Geld eingenommen werden, um für jeden Download einen Obolus an die Plattenfirmen zu zahlen. Dafür soll die hauseigene Mozilla-basierte Download- und Abspielsoftware registrieren, welche Songs die Anwender herunterladen. Anders als Amazon werden die Songs dafür mit einem Kopierschutz versehen. Dessen einzige Einschränkung besteht darin, das Brennen der Musik auf CDs zu unterbinden. Auf dem PC und auf mobilen Abspielgeräten dürfen die Songs dagegen nach Lust und Laune genutzt werden, sofern sich der Nutzer wenigstens einmal pro Monat bei Qtrax anmeldet.

Und dabei soll auch der iPod nicht außen vor bleiben. Zwar ist es auch Qtrax nicht gelungen, Apple davon zu überzeugen, das Fairplay-System zu öffnen. Doch hätten es die Entwickler geschafft, einen eigenen iPod-kompatiblen Kopierschutz zu programmieren. Wie der funktioniert, mag das Unternehmen freilich nicht verraten. Der iPod-Hersteller hat dabei aber offensichtlich nicht geholfen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press sagte Qtrax-Chef Allan Klepfisz: "Apple hatte damit nichts zu tun." Das war auch nicht zu erwarten.

Apples rigide Lizenzpolitik ist schuld

Seit Einführung des ersten iPods im Jahr 2001 hält Apple streng am hauseigenen Fairplay-Kopierschutzsystem fest. Die von Apple entwickelte Technologie unterscheidet sich deutlich von allen anderen Kopierschutzsystemen, ist mit nichts anderem als Apple-Produkten kompatibel. Auf diese Weise konnte Apple über Jahre Millionen Nutzer an sich binden.

Denn wer Musik im iTunes Store kaufen will, muss fast zwangsläufig auch einen iPod erwerben. Kopiergeschützte iTunes-Musik lässt sich unterwegs nur mit den Apple-Playern wiedergeben. Wer die Musik auf einem Gerät, das nicht von Apple, stammt anhören möchte, kommt nur auf Umwegen zum Hörgenuss.

Das geht etwa, indem man die gewünschten Songs auf CD brennt und dann als MP3-Dateien wieder einliest. Diese Methode ist allerdings nicht nur zeitintensiv, sondern geht stets mit einer Verschlechterung der Klangqualität einher. Als Alternative führte Apple 2006 die kopierschutzfreien iTunes-Plus-Songs ein, doch konnte sich bisher nur EMI für dieses Konzept begeistern.

Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt

Doch nicht nur iTunes-Liebhaber, auch iPod-Besitzer müssen Musik quasi zwangsläufig bei Apple kaufen. iPod und iPhone unterstützen kein anderes Kopierschutzsystem außer Apples Fairplay. Mit Microsoft-Software verschlüsselte Songs, wie sie etwa von Musicload angeboten werden, funktionieren damit nicht.

Doch bisher war Apples Methode außerordentlich erfolgreich. Weltweit ist der iTunes Store das erfolgreichste kommerzielle Musik-Download-Angebot. Auch in Deutschland hält iTunes mit 42 Prozent Marktanteil die Spitzenposition. Musicload hingegen erreicht nur 32 Prozent. Diese Apple-Dominanz nervt freilich nicht nur viele Anwender, sondern auch die Plattenfirmen, denen das US-Unternehmen Fixpreise diktiert.

Amazon bringt seinen Download-Shop nach Europa

Doch mit der iTunes-Dominanz könnte es bald vorbei sein. In den USA hat sich bereits eine starke Anti-Apple-Allianz gebildet. Wohl kaum zufällig haben sich dort dieselben vier Plattenlabels mit dem weltgrößten Online-Einzelhändler Amazon zusammengetan, die sich auch für Qtrax erwärmen konnten. Unter dem Titel Amazon MP3 bietet dieses Bündnis seit September 2007 in den USA Musikdownloads ohne Kopierschutz an. Immerhin 3,3 Millionen Songs habe man bereits im Angebot, lässt Amazon verlauten.

Deren größter Vorteil: Anders als bei den meisten anderen Download-Shops lassen sich die MP3-Dateien auf jeden mobilen Musikplayer und auch auf MP3-Handys übertragen. Man kann sie auf CD brennen und beliebig archivieren. Diese Vorzüge, so Amazon-Manager Bill Carr, hätten wohl auch viele nicht-amerikanische Musikfans begeistert. "Wir haben tausende E-Mails von Amazon-Kunden auf der ganzen Welt bekommen, die uns fragen, wann wir Amazon MP3 außerhalb der USA verfügbar machen", sagt Carr. Für diese Kunden, habe er gute Nachrichten: Noch in diesem Jahr soll das Angebot international gestartet werden.

Konkurrenzfähiges Preisgefüge

Genauere Angaben darüber, wann und in welchen Ländern Amazon MP3 2008 starten soll, blieb der Amazon-Mann allerdings schuldig. Apple hat es Jahre gekostet, seinen iTunes Store zu internationalisieren. Das könnte bei Amazon, mit Unterstützung der Labels, schneller gehen.

Und auch preislich könnte das Amazon-Angebot eine attraktive Alternative zu den in Deutschland etablierten Shops werden. In den USA verlangt der Online-Händler für die meisten Songs entweder 89 oder 99 US-Cent. Alben sind in der Regel zu Preisen zwischen 5,99 und 9,99 Dollar zu haben. Selbst wenn diese Preise für den europäischen Markt ein wenig nach oben gezogen würden, könnten sie immernoch mit iTunes und Musicload mithalten - und könnten den fehlenden Kopierschutz als zugkräftiges Kaufargument für sich beanspruchen.

Nun ist es an Apple, auf die erstarkende Konkurrenz zu reagieren. Die Zeiten, in denen das Duo iTunes und iPod unschlagbar war, nähern sich ihrem Ende. Aber vielleicht haben die Kalifornier ja schon ein Ass im Ärmel.

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