Neue Kameraelektronik Lächel-Automatik und Elektro-Make-Up

Von Markus Linden

2. Teil: Schön auf Knopfdruck


Natürlich hilft das alles nur bedingt: Das harte Blitzlicht lässt Pickel und andere Hautunreinheiten hervortreten. Auch Falten werfen tiefe Schatten, wirken gleich doppelt so tief. Aber auch dagegen lassen die Hersteller ein elektronisches Kraut wachsen. Samsung nennt das den "Beauty-shot-Modus", Casio den "Make-up-Shot". Beide Funktionen sollen Hautunreinheiten, Falten und auch Sommersprossen per interner Bildbearbeitung wegbügeln. Ergebnis ist ein glatter Teint bis hin zur Babyhaut – je nachdem, welche der zwölf Stufen man wählt.

Eine Abhilfe für all diejenigen, die sich auf Fotos immer zu dick finden, hat Pentax im Angebot: Deren neue Spiegelreflexkamera hat einen "Slim-Modus": Per Wählrad kann der Fotograf sein Model damit nachträglich dünner machen – aber auch dicker, womit sich die Diskussion um magersüchtige Models erledigt haben dürfte. Da die Funktion aber nicht gezielt auf Bäuche oder Beine anwenden lässt, sondern nur auf das ganze Bild, entstehen Kopfformen, wie man sie sonst nur von Ernie und Bert aus der Sesamstrasse kennt.

Die Kamera erkennt Dich wieder

Wenn jetzt das Modell erschreckt flüchtet, kann vielleicht Canons neue Motion-Detection-Technologie das Schlimmste verhüten. Mit Hilfe des Bildstabilisators und einer Analyse des Bildszene wird die Bewegung im Bild analysiert und die Kamera darauf eingestellt: Die Empfindlichkeit geht nach oben, damit die Verschlusszeiten kürzer werden und eine Bewegungsunschärfe vermieden wird.

Bewegt sich jedoch der Fotograf, so könnte das Bild verwackeln. Auf dieses Problem bietet nun wieder Casio eine Antwort: Wackelt die Kamera zu sehr, wird nicht ausgelöst. Erst wenn der Fotograf sich beruhigt hat und die Kamera ohne zu Zittern ausrichten kann, lösen die neuen Exilim-Kameras aus. Auto-Shutter nennt sich das und ist natürlich abschaltbar, damit nervöse Zeitgenossen überhaupt zu ihrem Foto kommen.

Überhaupt zeigt sich Casio sehr ambitioniert: Die neue Exilim EX Z85 soll Gesichter wiedererkennen können. Damit erkennt sie nicht nur, dass ein Gesicht anvisiert wird, sondern auch welches. Dazu muss der Fotograf allerdings vorher Fotos von seinen bevorzugten Modelle speichern. Bis zu sechs Personen kann die Kompaktkamera erkennen. Sie fokussiert dann bevorzugt die bekannten Gesichter an und stimmt auch die Belichtung auf sie ab. Das kann, in Einzelfällen, tatsächlich Sinn machen – Eltern, die ihre Sprösslinge beim Toben oder Fußball fotografieren, werden dankbar sein.

Und wann kommt die "Motivklingel"?

Die erwähnten Motivprogramme muss ein Fotograf natürlich nicht mehr selbst einstellen. Kameras wie die neue Panasonic LX3 erkennen selbsttätig, ob gerade ein Mensch, eine Landschaft oder Makromotive fotografiert werden sollen und wählen alle Einstellungen ohne Zutun des Fotografen aus. Im Grunde genommen kann man tatsächlich die Augen schließen und auslösen – die Kamera weiß schon, was sie tut.

Und die "Motivklingel"? Gibt es auf dieser Photokina noch nicht. Aber sie rückt näher: Einen Reiseführer mit 4500 Zielen in 30 Ländern hat Samsung bereits in die Kameras LV74W und i7 integriert. Zusammen mit einem GPS-Modul zur Ortsbestimmung, wie es die neue Nikon P-6000 bietet, könnte es demnächst heißen: "Klingling, rechts neben ihnen befindet sich der Eifelturm. Drehen Sie sich um und neigen Sie die Kamera nach oben, ich erledige den Rest."

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