Nintendo-DS-Synthesizer Kleine Hosentaschenmusik

Synthesizer-Experte Korg baut eigentlich Musikinstrumente für Profi-Musiker. Mit dem Musik-Programm "Korg DS10" für die Handheld-Spielkonsole Nintendo DS können nun Laien herumspielen. Dank einfacher Bedienung kommt dabei sogar akzeptable Musik heraus.

Von Dennis Schirrmacher


Mit der interaktiven Kunst-Installation "Elektroplankton" für den Nintendo DS bewies der japanische Medienkünstler Toshio Iwai, dass der Handheld Potential zur Musikerstellung birgt. In zehn Szenarios erstellt man hier über Touchscreen-Eingaben und das eingebaute Mikrofon kleine Musikstücke. Leider kann man diese nicht abspeichern, was dem Ganzen dann doch wieder einen kurzweiligen Spiel-Charakter verleiht.

Der "Korg DS10" hebt das Ganze nun auf eine professionellere Ebene. Dank Touchscreen erzeugt man intuitiv Rhythmus-Sequenzen und produziert so für den Club taugliche Hits.

Namentlich ist die Anwendung an den Kult-Synthesizer "Korg MS10" angelehnt. Das Handheld-Pendant bringt zwei analoge Synthesizer und einen Drum-Sequenzer der über vier Spuren verfügt mit.

Clubmusik

Die Sounds des Synthesizers umfassen die für das Club- und Dance-Genre typischen Instrumente wie etwa Bässe und Leads. Die Qualität ist sehr gut, entfaltet ihr volles Potential aber erst, wenn man den Nintendo DS per 3,5mm-Klinkenstecker an die heimische Stereoanlage anschließt.

Die beiden Synthesizer sind außerdem patchbar und so kann man über das Umstecken von Kabeln auf dem Touchscreen die Klänge verfremden. Synthesizer typisch kann man das Klangbild auch mit zwei Oszillatoren formen.

Die Drums-Sounds orientieren sich klanglich am Vorbild der Kult-Drum-Maschine Roland TR-808 aus den achtziger Jahren. Leider klingen sie in der DS-Version sehr dünn. Als Effekte stehen Delay, Flanger und Chorus zur Verfügung. Die Qualität ist nicht überragend, aber ausreichend, wenn man berücksichtigt, dass der Hauptprozessor des DS mit nur 33MHz arbeitet.

Der Kreativität freien Lauf lassen

Zum Einspielen der Synthesizer hat man drei Möglichkeiten: Auf einer Klaviatur drückt man einfach die gewünschte Taste, das Programm quantisiert die Sounds automatisch, sodass man immer im Takt ist oder man setzt die Sounds in einer Sequenzer-Matrix in das Takt-Raster. Am meisten Spaß macht das Einspielen aber über die Kaoss-Funktion.

Dies ist eine Software-Nachbildung des beliebten "Kaoss Pads" von Korg. In der DS-Version generiert man Sounds in Echtzeit über Bewegungen auf dem Touchscreen. In einem Koordinatenkreuz beeinflusst man hier etwa die Schnelligkeit einer Tonabfolge (x-Achse) und die Tonhöhe (y-Achse). Das macht nicht nur einen Heidenspaß, sondern hört sich auch noch richtig gut an.

Der Korg DS10 kann aber nur monophone Klänge erzeugen. Mann könnte auch gar keine polyphonen (mehrstimmig) Signale erzeugen, etwa einen Akkord, da der Touchscreen immer nur eine Eingabe zu einem Zeitpunkt erkennen kann. Anders reagiert hier etwa der kapazitive Touchscreen des iPhones.

Dieser kann zu einem Zeitpunkt mehrere Eingaben erkennen, die von Apple so heiß umworbene Gesten-Steuerung wird so erst möglich. Auf 16 Patterns kann man jeweils einen Takt legen und so die verschiedenen Elemente eines Songs wie etwa Intro und Refrain live arrangieren. Auch hier kann man bei Bedarf die Quantisierung nutzen, damit die Elemente immer auf den Takt genau einsetzen.

Intuitiv zum Superhit

Für die Bedienung der Anwendung braucht man keine Tasten, alles läuft über den Touchscreen ab. Das Interface ist dementsprechend angepasst, leider sind einige Schaltflächen sehr klein gehalten, was das Berühren mit dem Eingabestift erschwert.

Auf 18 Speicherplätzen speichert man seine kreativen Ergüsse und kann diese auch an den DS eines Freundes schicken. Es lassen sich bis zu vier Nintendo DS miteinander verbinden, um die Melodien noch weiter aufzupeppen.

Leider ist der Korg DS10 autark und kann nicht mit neuen Sounds gefüttert werden. Auch ist unverständlich, warum die Entwickler das Mikrofon des Handhelds außen vor gelassen haben.

Trotz kleiner Mängel in der Qualität der Drums-Sounds und Effekte kann der kleine Hosentaschenmusiker überzeugen. Der Handheld spielt hier seine Stärken voll aus, denn Korg nutzt die Vorzüge des DS wie den Doppel-Bildschirm und den Touchscreen konsequent aus.



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