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10. April 2007, 13:46 Uhr

Online-Musikverkauf

Auch Microsoft will auf Kopierschutz verzichten

Auch der Windows-Hersteller will künftig digitale Musik ohne Digitales Rechtemanagement (DRM) online anbieten. Damit zieht der Konzern mit seinem wichtigsten Konkurrenten, Apple, gleich. Der hatte ein ähnliches Angebot bereits vor einer Woche angekündigt.

Als die Plattenfirma EMI und der iPod-Hersteller Apple vor knapp einer Woche ankündigten, man werde Musik künftig auch ohne lästigen Kopierschutz in Apples Online-Shop erwerben können, ist ein feines Detail in der allgemeinen Aufregung oft übersehen, selten erwähnt und wenn doch, dann meist überlesen worden: EMIs Angebot gilt keineswegs für Apple allein. Darauf, dass dem so ist, weist nun, knapp ein Woche später, ein Microsoft-Sprecher gegenüber "WindowsITPro" hin. "EMIs Ankündigung bezieht sich nicht exklusiv auf Apple," stellte der Microsoft-Mann klar.

Microsoft MP3-Player Zune: Bald auch mit Musik ohne DRM zu beladen
Getty Images

Microsoft MP3-Player Zune: Bald auch mit Musik ohne DRM zu beladen

Überhaupt, so heißt es in der Meldung, habe man bei Microsoft schon lange mit EMI und anderen Labels über die Einführung DRM-freier Musik gesprochen. "Die Anwender haben klar gemacht, dass sie Musik ohne Kopierschutz kaufen wollen," sagte der Micosoft-Manager. Deshalb, so erläutert er weiter werde man "diesen Wunsch erfüllen, sobald unsere Partner bei den Plattenfirmen dazu bereit sind."

Darüber, wann genau, oder auch nur in etwa, es soweit sein könnte, schweigt sich das Unternehmen allerdings aus. Nur soviel ist sicher, dass der Verkauf über den Zune-Marketplace, Microsofts auf den MP3-Player Zune zugeschnittenes Gegenstück zum iTunes Store, erfolgen soll.

Alles außer MP3

Darüber, in welchem Format Microsoft die derart von ihren digitalen Fesseln befreite Musik anbieten will, gibt es bisher noch keine Angaben. EMI lässt seinen Vertriebspartnern grundsätzlich die freie Wahl, welches Dateiformat sie verwenden wollen. Apple hat sich in seinem Shop für AAC entschieden, dessen kopierschutzbewerte Variante seit Jahren die enge Bindung zwischen iPod-MP3-Player und iTunes Store ermöglicht. Es steht nun zu befürchten, dass Microsoft sich für das hauseigene WMA entscheidet, das wiederum in einer Version mit Kopierschutz den Microsoft-Player Zune an den Zune-Marketplace bindet.

Die naheliegende Möglichkeit, einfach das weit verbreitete MP3-Format zu nutzen, scheint bisher noch keiner der großen Anbieter in Betracht gezogen zu haben. Offenbar versucht man hier auf indirektem Weg, Anwender der jeweils eigenen Hardware auch künftig zum Einkauf im dazu passenden Online-Shop zu treiben. Ein eigentlich vollkommen überflüssiges Unterfangen. Schließlich kann der Zune, ebenso wie viele andere MP3-Player, problemlos das von Apple favorisierte AAC-Format wiedergeben - solange die Dateien nicht mit einem Kopierschutz versehen sind. Dasselbe gilt umgekehrt für Microsofts WMA, das ebenfalls von etlichen Playern abgespielt werden kann, sofern die Musikdateien nicht per DRM verschlüsselt wurden.

Aber auch wenn die beiden Kontrahenten versuchen, ihre Kunden auf diese Weise weiterhin an sich zu binden, darf man Microsofts Ankündigung als weiteres positives Signal werten. Wenn sich zwei Dickschiffe wie Microsoft und Apple gleichzeitig für den Musikverkauf ohne DRM ins Zeug legen, dürften sich bald weitere Plattenfirmen dem Beispiel von EMI anschließen.

mak

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