Playstation 3 Weltgrößter Videospielhersteller droht Sony mit Boykott

Der Chef des Videospielgiganten Activision droht dem langjährigen Konsolen-Marktführer Sony offen. Wenn sich Sonys aktuelle Konsole nicht bald besser verkaufe, werde man keine Spiele mehr für das Gerät herstellen.

"Ich fange an, mir um Sony Sorgen zu machen", sagte Bobby Kotick, Chef von Activision, der Londoner "Times". Die Playstation 3, Sonys aktuelle High-End-Konsole, "verliert ein bisschen an Schwung", so Kotick weiter, außerdem werde es unabhängigen Herstellern wie Activision schwer gemacht, "die Plattform zu unterstützen": "Es ist teuer, für die Konsole zu entwickeln, und Wii und Xbox (360) verkaufen sich einfach besser." Es lohne sich deshalb schlicht mehr, Spiele für die Konsolen von Sonys Konkurrenten zu vermarkten.

Laut der "Times" hat Sonys Spielesparte im vergangenen Jahr 597 Millionen Dollar Verlust eingefahren. Kotick sagte der Zeitung, allein Activision habe an Sony 500 Millionen Dollar abgeführt, unter anderem an Lizenzgebühren, die Hersteller von Konsolensoftware stets an die Hersteller der Konsolen bezahlen müssen.

Activision ist seit dem vergangenen Sommer der größte Videospielhersteller der Welt: Damals verschmolz das Unternehmen mit der Spielesparte von Vivendi, was unter anderem den "World of Warcraft"-Entwickler Blizzard Entertainment unter das Activision-Dach brachte. Zuvor war Electronic Arts die Nummer eins unter den Spieleherstellern gewesen.

Kotick nutzt die neue Marktmacht nun offenkundig, um Sony massiv unter Druck zu setzen. Der Hersteller müsse den Preis für die Playstation 3 senken, sagte er der "Times". Nur wenn sich die PS3 künftig besser verkaufe, sei es weiterhin sinnvoll, Spiele für die Konsole zu entwickeln. Man werde "2010 oder 2011" erneut darüber nachdenken, ob man Sony weiterhin unterstützen wolle - und das gelte für die Wohnzimmerkonsole PS3 ebenso wie für die Mobilkonsole PSP.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation

Inzwischen hat Sony Computer Entertainment of America mit einer Stellungnahme auf Koticks Worte reagiert. Die Marke Playstation sei nach der Videospielmesse E3 in Los Angeles vor einigen Wochen "mit gewaltigem Schwung" ausgestattet, man sehe "positives Wachstum". 350 Titel seien für "alle unsere Plattformen" (also auch die Playstation 2 und die Mobilkonsole PSP) angekündigt, darunter auch viele von unabhängigen Partnern. Mit diesen Partnern unterhalte man "gesunde Geschäftsbeziehungen".

Laut dem Branchendienst Gamesindustry.biz plant Sony allerdings tatsächlich eine Preissenkung - die US-Elektronikkette GameStop ließ demnach kürzlich verlauten, man erwarte einen um etwa 100 Dollar reduzierten Preis.

In Deutschland kostet eine PS3 mit 80 Gigabyte Festplatte und etwas Zubehör derzeit etwa 370 Euro, Nintendos Wii mitsamt einem Spiel etwa 235 Euro und Microsofts Xbox 360 in einer Variante mit 60-GB-Festplatte knapp 240 Euro.

cis

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