Professionelles E-Sport-Training Brillant spielen reicht nicht

E-Sport wird immer professioneller. Dazu gehört auch, dass die Spieler beim Üben nicht einfach nur rumdaddeln, sondern richtig trainieren. Wir sprachen mit Peter "Chucky" Schlosser (24). Er ist der Trainer vom Clan "Alternate aTTaX", dem heißesten Anwärter auf die deutsche "Counter-Strike"-Krone.


Frage: Was fällt als E-Sport-Trainer alles in deinen Aufgabenbereich?

E-Sport-Trainer Peter Schlosser: Bis vor einem Jahr war er selbst noch Spieler, heute trainiert er zwei "Counter-Strike"-Teams

E-Sport-Trainer Peter Schlosser: Bis vor einem Jahr war er selbst noch Spieler, heute trainiert er zwei "Counter-Strike"-Teams

Peter Schlosser: Ich begutachte die Spieler im Training und in Wettbewerben und offenbare ihnen ihre Schwächen. Viele Spieler denken nämlich, dass immer nur die anderen Fehler machen. Außerdem achte ich darauf, dass das Training über das eigentliche Spiel hinausgeht. Und dass die mentale Einstellung beim Wettkampf zum Beispiel nicht zu kurz kommt. Denn bei "Counter-Strike" gibt es derart viele gute Spieler, dass fast jedes Turnier von jemand anderem gewonnen wird. In Zukunft wird es also nicht reichen, einfach "nur" brillant zu spielen.

Frage:Was genau bedeutet das? Müssen E-Sportler jetzt auch echten Sport betreiben?

Peter Schlosser: Auf jeden Fall, denn die großen Turniere dauern von Donnerstag bis Sonntag. Die Spieler müssen also sehr lange extrem konzentriert spielen. Unser Clan ist der erste, der deshalb ein eigenes Trainingshaus samt Küche und Betten besitzt. Auf dem Gelände besteht auch die Möglichkeit, Hallenfußball oder Badminton zu spielen. Ich muss die Spieler aber gar nicht animieren, Sport zu machen: Viele E-Sportler treiben freiwillig Ausgleichssport. Nur 10 Prozent aller Spieler der ESL Pro Series sind übergewichtig.

Frage: Musst du deine Jungs auch manchmal davon abhalten, sich auf einem Turnier so richtig zu betrinken?

Peter Schlosser: Da achten die Spieler schon selbst drauf. Meistens trinken sie sogar nur Wasser und noch nicht einmal Cola: Denn Zucker macht lahm. Wir verbieten aber nichts. Sie sollten es allerdings vermeiden, betrunken auf irgendwelchen Events rumzutorkeln, denn das schadet unserem Image.

Frage: Hast du Spieler schon mal ausgetauscht, weil sie keine Leistung gebracht haben?

Peter Schlosser: Nein, denn es geht uns nicht um Erfolg um jeden Preis. Ich baue als Trainer auch keinen Leistungsdruck auf. Der kommt automatisch, Schließlich sind wir eine der ersten Adressen in Deutschland, und dementsprechend wollen viele für uns spielen. Außerdem haben wir mit den Spielern feste Verträge. Und die halten wir auch ein. Es sei denn, es wird eine Ablösesumme gezahlt. Die Fluktuation im Team ist trotzdem hoch, weil viele zum Beispiel aus schulischen Gründen aussteigen. Deshalb schaue ich mich stets nach neuen Talenten um und gucke, ob ein guter Spieler in einem schlechten Team spielt.

Frage: Musstest du schon mal irgendwelche Disziplinarmaßnahmen ergreifen?

Peter Schlosser: Nee, damit drohen musste ich schon einige Male. Meist weil Spieler nicht zu Medienterminen erschienen sind oder bei Turnieren eine eigene Jacke tragen, die die Sponsorenlogos auf dem Team-Shirt verdeckt.



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