Programmierhilfe Spielend Spiele entwickeln

Ein paar Mausklicks, ein wenig Logik und etwas Malerei: Mit diesen Zutaten und einer Spielkonsole soll man künftig Videospiele entwickeln können. Microsofts Spiele-Baukasten "Boku" ist Teil eines Trends - Spieler sollen zu Spiele-Entwicklern gemacht werden.


Wer eigene Spiele für Microsofts Xbox-360-Spielkonsole entwickeln will, muss künftig nicht einmal mehr schreiben können. Etwas Phantasie und ein Gamecontroller sollen ausreichen, um Games auf professionellem Niveau zu erstellen. Sogar Schulkinder will das Unternehmen auf diese Weise zu Game-Entwicklern machen.

Spiele mit eingebauten Editoren gibt es schon seit den Achtzigern - vom Rennspiel "Racing Destruction Set", 1985 für den Commodore 64 veröffentlicht, bis hin zum Taktik-Shooter "Counter-Strike", der Spielern das Erschaffen neuer "Maps", also neuer Spielfelder erlaubt.

Ganz neu ist die Idee also nicht, Endanwendern Software-Werkzeuge anzubieten mit denen sie selbst zu Spieleprogrammierern werden können. Auch Microsoft selbst bietet schon seit einiger Zeit die Software XNA Game Studio Express als kostenlosen Download an. Einmal installiert, ermöglicht sie ambitionierten Anwendern, Xbox-Spiele auf ihrem Heim-PC zu erstellen. Ein wenig Programmieren muss man dabei allerdings schon.

Spieler zu Entwicklern machen will auch Sony: Im neuen, aufgrund einer Kontroverse verspätet ausgelieferten Plattform-Hopser " Little Big Planet" (LBP) ist ein aufwendiger Editor eingebaut, mit dem sich, im Rahmen der "Little Big Planet"-Möglichkeiten, eigene Spiel-Levels erstellen lassen. Die Freiheiten sind dabei deutlich weniger groß als bei XNA - dafür sehen die Ergebnisse zumindest immer gut aus, weil die LBP-Welt an sich schon sehr hübsch gestaltet ist und man aus ihren Grundbausteinen echte kleine Kunstwerke schaffen kann - die aber eben nur seitwärts durchwanderbar sind.

Auch Electronic Arts, 1985 schon fürs "Racing Destruction Set" verantwortlich, macht mit "Spore" Spieler zu Entwicklern, wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen. Die Kreaturen, die in der Evolutions-Simulation entstehen, gehen als Gegner oder Kooperationspartner in die Spielwelten anderer "Spore"-Besitzer ein. "Sims"-Schöpfer Will Wright nutzt damit die Kreativität der Spielergemeinde, gibt ihnen allerdings deutlich weniger Gestaltungsspielraum als das in den anderen Entwickler-Spielen der Fall ist.

Microsofts Projekt Boku soll deutlich mehr ermöglichen - aber einfacher zu bedienen sein als das Entwicklungswerkzeug XNA. Statt nur auf dem PC kann man Boku auch auf der Xbox 360 benutzen. Statt per Tastatur und Maus wird die Software mittels Gamecontroller gesteuert, der Programmcode einfach zusammengeklickt. Der Aufbau des jeweiligen Spiels, was darin passiert und wie sich die Spielfiguren verhalten, wird ausschließlich festgelegt, indem Symbole angeklickt, verschoben und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Insgesamt 20 unterschiedliche Spielfiguren stehen zur Auswahl. Die Welten in denen die eigenen Spiele ablaufen, kann man mit einem Terrain-Editor selbst gestalten.

Für Boku-Mitentwickler Mark Finch liegt der besondere Reiz der Entwicklungssoftware darin, Programmierunkundigen den kreativen Reiz der Spieleentwicklung nahezubringen. Zudem hofft er, Boku werde Schülern die Grundlagen des Programmierens beibringen, ohne sie mit Programmiersprachen zu überfordern. Und ganz nebenbei glaubt er, mit Boku das mathematisch-wissenschaftliche Verständnis der jugendlichen Anwender stärken zu können.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation
Wii
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .
Playstation 3 und 2
Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.

Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.

Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Xbox 360
Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.

Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Sony PSP
Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier .
Nintendo DS
Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie "Nintendogs" und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS finden Sie hier , einen Bericht über den aktuellen DSi finden Sie hier . Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt. Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.
Noch aber ist Boku ein Forschungsprojekt und beschäftigt eine kleine Schar von Entwicklern. Wann die knuffige Software freigegeben werden soll, und ob man sie dann wird bezahlen müssen oder als kostenlosen Download bekommt, hat Microsoft bisher noch nicht bekanntgegeben. Fest eingeplant haben die Entwickler aber schon jetzt, für Boku eine eigene Online-Community einzurichten.

Vorerst aber versuchen sie das kindgerechte Programmiertool noch weiter zu vereinfachen. Ihr Ziel: Auch Fünfjährige sollen damit eigene Minispielchen basteln können. Damit das klappt, müsste allerdings jeglicher Text aus der Software entfernt werden. Schließlich, so Microsoft-Entwickler Matthew MacLaurin, könne höchstens die Hälfte dieser Zielgruppe überhaupt lesen.

mak/cis



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