Schlafphasen-Wecker Axbo Der Besserwecker

Er verspricht weniger Härte am Morgen: Ein Armband verrät dem Wecker die beste Zeit für das Ende der Träume. So soll der Schlafphasen-Wecker Axbo das Aufwachen angenehmer machen - ein hübsches, teures Gerät für Menschen mit Bettfluchthemmungen.

Von Stefan Schmitt


Quadratisch, weiß, mit einem neckischen halbtransparenten Display - das schmückt den Nachttisch. Ich kann durch die angezeigte Uhrzeit hindurch in die Weiten meines Schlafzimmers starren. Aber Wecker - von allen Geräten wohl die garstigsten - sind ja nicht zum Angucken da. Die nimmt man nur wahr, wenn man aus dem Schlaf gerissen wird. Man könnte vermuten, dass Axbo deswegen seine runden Ecken hat: Damit sich die Nutzer nicht verletzen, wenn sie morgens unwirsch nach dem Ding langen - schlaftrunken und ebenso kräftig wie unkoordiniert.

Aber bei Axbo soll das ja ganz anders sein. Der österreichische Hersteller Infactory verspricht nicht weniger als die "Revolution des Guten Morgen". Der stylische Wecker soll mich just dann aus dem Lummerland locken, wenn mir das am wenigsten Unbill bereitet. Denn vom Timing hänge es ab, wie erschlagen man sich beim Aufstehen fühle, wirbt der Hersteller. Gebe man dem Mikrochip im weißen Gehäuse etwas Spielraum, finde er den sanftesten Moment. Der Axbo als Besserwecker? Ich bin skeptisch.

Die Digitaluhr ist in einer quaderförmigen Pappschachtel eingepackt, so wie es früher auch die iPods waren. Ins schlichte Weiß mischt sich hellwaches Knallorange, und ein hellgraues Frotteeband liegt bei. Zwar sehe ich damit aus wie der junge Björn Borg im Pyjama, doch ich spüre es schon in der zweiten Nacht kaum noch. Im Armband steckt ein Sensor, der in der Nacht meine Bewegungen misst und per Funk an den Wecker berichtet. Stelle ich am Abend sieben Uhr als Weckzeit ein, überwacht das Ding morgens in der halben Stunden ab sechs Uhr dreißig, wie stark ich mich bewege - und piepst, sobald mein Schlaf besonders leicht ist.

Wecker lauscht auf Rumoren des Schläfers

Der Mensch rumort - das ist wissenschaftlicher Kenntnisstand - beim Übergang zwischen ziemlich leichtem und sehr tiefem Schlaf viel stärker im Bett als sonst. Rund anderthalb Stunden dauert ein Schlafzyklus, und wie ich mich beim Gewecktwerden fühle, hängt davon ab, wo im Zyklus es mich erwischt: Im traumlosen Tiefschlaf und in den Phasen heftiger Träume (die ein Beobachter anhand schneller Augenbewegungen erkennen kann) ist es ungünstig aufzuwachen.

An den Übergängen zwischen Traum und Tiefe gibt es Wachphasen - die Schläfer meist gar nicht als solche bemerken. Wissenschaftler, die mit Elektroden Hirnströme und Körperbewegungen aufzeichnen, können diese Zeitfenster fürs sanfte Wecken hingegen ganz präzise registrieren. Dem Axbo genügt die Bewegung meines linken Handgelenks (Linkshänder müssen den Sensor rechts tragen). Hielte ein Schläfer dennoch durchweg still, würde der Besserwecker spätestens zur eingestellten Weckzeit ganz rücksichtslos Krach schlagen. So wie jeder andere Wecker.

Mich erwischt das Gerät hingegen stets vor der Zeit, und ich brauche tatsächlich einige Minuten, um aus dem Traumland hinüberzugleiten. Vielleicht hätte ich nicht unbedingt Vogelgezwitscher als Weckgeräusch wählen sollen. Bis ich mir den Schlaf aus den Augen gerieben hatte, war auch meine Liebste hellwach. Dabei wirbt Infactory damit, dass der Besserwecker gleich zwei Schlafende überwachen könne - und getrennt voneinander wachträllern soll: "Aufgrund der niedrigen Reizschwelle in der optimalen Schlaf- bzw. Weckphase wird beim Wecken der einen Person die andere nicht gestört." Leider enthielt das Testgerät, dass an SPIEGEL ONLINE verschickt wurde, kein zweites Sensorarmband. Mit oder ohne, mir scheint der Axbo für einen Singlehaushalt geeigneter zu sein - oder für Paare mit getrennten Schlafzimmern.

Teures sanftes Erwachen

Seit Mitte November ist das schicke österreichische Gerät auch auf dem deutschen Markt. Der Wecker kostet rund 200 Euro - und zur Einführung ist auch das Sensorband für den Partner inbegriffen. Später wird es 30 Euro extra kosten. Das sind stolze Preise, die Axbo auch im Vergleich zu durchschnittlichen Designweckern teuer erscheinen lassen. Die "Revolution des Guten Morgen" sei eine "Neuheit", der "erste Schlafphasenwecker der Welt", wirbt der Hersteller, wohl auch um den hohen Preis zu rechtfertigen.

So warben indessen schon andere: Vor anderthalb Jahren hatte das Magazin "New Scientist" von US-Studenten mit Plänen für einen ähnlichen Wecker berichtet. In ihrem Fall muss der Schläfer ein Stirnband tragen, welches Informationen über die Schlaftiefe sammelt. Mittlerweile trägt dieser Besserwecker den Namen SleepSmart - und existiert bisher nur als Vorbestell-Phantom. Noch gebe es kein Erscheinungsdatum und keine Preisempfehlung für SleepSmart, verrät die Website des Herstellers Axon. Hier kann man sich für den Verkauf der ersten 1000 Einheiten vormerken. "Wir schätzen, dass diese Geräte einen Einzelhandelspreis irgendwo zwischen 299 und 399 US-Dollar haben werden", kündigt Axon an. "Wir sind uns dessen bewusst, dass in dieser Preisklasse SpleepSmart nicht für jedermann das Richtige sein wird." Das kann man getrost über die Besserwecker als Geräteklasse insgesamt sagen.

Schon seit vergangenem Jahr wird unter dem Namen Sleeptracker ein Gerät ähnlichen Prinzips angeboten. Es wirkt wie eine digitale Armbanduhr aus den achtziger oder ein Jogging-Pulsmesser aus den neunziger Jahren. Doch nach Angaben des Herstellers erkennt es ebenfalls den Übergang der Schlafphasen und weckt innerhalb eines definierten Zeitfensters just dann, wenn es am wenigsten schmerzt. In Deutschland wird es unter dem Namen Schlaftracker für knapp 150 Euro inklusive Versand verkauft. Anders als Axbo bietet diese Weckuhr aber keinen Zweipersonenmodus und auch keine Übertragung der Messdaten per USB-Kabel zum PC. Die Axbo-Research-Software stellt dann die Messungen der vergangenen Nächte in bunten Kurven dar.

Ich persönlich will gar nicht so viel über meinen Nachtschlaf erfahren. Und statt des einfühlsamen synthetisierten Vogelgezwitschers bleibe ich bei der harten Tour: Wecker an, Augen auf - und mich mit dem Gedanken an einen frischen Kaffee motivieren.

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