Spieleklassiker-Kunst "Feuer und Flamme"

Donkey Kong als Jesus, Melancholie bei Super Mario, Pacman als Pong-Spieler: Die Ausstellung "I am 8-Bit" macht Computerspiele-Klassiker zu Kunst. Co-Kurator Jensen Karp von der Gallery1988 in Los Angeles erklärt im Interview die Faszination der goldenen Videospiel-Ära.


Frage: Wer hatte überhaupt die Idee zu " I am 8-Bit"?

Karp: 2004 habe ich zusammen mit Katie Cromwell die Gallery1988 eröffnet, um Künstlern aus der Region die Möglichkeit zu geben, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eines Tages stand der Journalist Jon Gibson bei uns vor der Tür. Er hatte die Idee, eine Ausstellung mit Werken zu organisieren, die allesamt von Computerspielklassikern der achtziger Jahre inspiriert sind – wir waren sofort Feuer und Flamme.

Frage: Was findest du so aufregend an der 8-Bit-Ära?

Karp: Besonders gefällt mir die Unschuld, die ich mit dieser Zeit verbinde. Als mein Cousin mir zum ersten Mal eine Intellivision-Konsole zeigte, war ich sofort verzaubert. Ich konnte es kaum abwarten, bis endlich Ferien waren und ich ihn besuchen konnte. Wir haben ganze Tage mit nichts als Videospielen verbracht. Kurz darauf kam dann Nintendo mit dem NES auf den Markt – einfach unglaublich! Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass es je ein besseres Videospiel als "Super Mario Bros." geben könnte.

Frage: Teilen die bei euch ausstellenden Künstler diese Faszination?

Gallerist Karp: Stellt in Los Angeles von Computerspielen inspirierte Kunstwerke aus
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Gallerist Karp: Stellt in Los Angeles von Computerspielen inspirierte Kunstwerke aus

Karp: Ja, durchaus. Die Mehrheit von ihnen beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit Computerspielen. Sie sehen die künstlerischen Qualitäten, die den Spielen jener Zeit innewohnen und sie in ihrer kreativen Entwicklung entscheidend geprägt haben. Durch unsere Ausstellung können sie in die Zeit ihrer Kindheit zurückkehren und sich auf Spurensuche begeben.

Frage: Besteht auch euer Publikum vorwiegend aus Gamern?

Karp: Tatsächlich sind fast allen unseren Besuchern Namen wie Mario, Donkey Kong oder "Joust" geläufig. Die meisten von ihnen kennen sogar die obskureren Titel. Das Schöne ist aber, dass man kein kompletter Videospiel-Nerd sein muss, um Spaß an der Ausstellung zu haben.

Frage: Zeigen sich die Kritiker gegenüber den bei euch ausgestellten Exponaten auch so aufgeschlossen?

Karp: Wir haben uns bei der Eröffnung der Galerie vorgenommen, dass wir uns nicht darum kümmern wollen, was Kritiker über uns denken. Wenn man anfängt, auf die Meinung anderer anstatt auf die eigenen Instinkte zu hören, hat man schon verloren. Wir würden niemals ein Bild ausstellen oder verkaufen, das wir nicht auch bei uns zu Hause an die Wand hängen würden. Die Gallery1988 ist sicherlich kein Guggenheim-Museum. Aber wir präsentieren etwas, das frisch ist und jung.

Frage: Könnte "I am 8-Bit" auch dazu beitragen, dass Computerspiele in der Gesellschaft mehr Akzeptanz erfahren?

Karp: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich weiß aber, dass eine Ausstellung wie diese unsere Erinnerungen an Zeiten weckt, in denen die Spiele einfach besser waren. Viele unserer Besucher haben seit NES-Zeiten keinen Controller mehr in die Hand genommen. Nachdem sie bei uns die Bilder mit Motiven von Mario und Co gesehen haben, kriegen sie aber wieder Lust, ihre verstaubte Konsole vom Dachboden zu holen.

Frage: A propos Mario: Der sieht ja auf einigen Bildern ziemlich mitgenommen aus.

Karp: Ja, das stimmt. Ich denke, Künstler inspiriert der ewige Kampf, den Mario tagein, tagaus auszufechten hat. Schon als Kind fand ich das irgendwie beunruhigend. Für mich ist Mario ein ganz normaler italienischer Klempner, der nur seinen Job zu machen versucht. Dummerweise findet er sich aber ständig in irgendwelchen bekloppten Abenteuern wieder, in denen er mit Rüben schmeißen und Sterne einsammeln muss. Warum lässt man ihn nicht einfach in Ruhe Toiletten reparieren?

Interview: Oliver Klatt

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