Streit über Computerspielveranstaltung E-Sports-Turnier in Karlsruhe abgesagt

Es wurde solange gestritten, bis es der einen Seite reichte. Das für den 5. Juni angekündigte Intel Friday Night Game in Karlsruhe findet nicht statt. Veranstalter Turtle Entertainment sagte das Turnier ab, sieht sich als Opfer eines Politiker-Streits im Kommunalwahlkampf.


Karlsruhe erscheint unter anderem immer dann in den Medien, wenn über eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu berichten ist, wenn also die Richter über Freiheitsrechte von Bürgern entscheiden. Nun ist zu vermelden, dass das E-Sports-Turnier Intel Friday Night Game vom Veranstalter Turtle Entertainment abgesagt wurde. Der hat nach eigenen Worten in der vorangegangenen Diskussion wenig vom freiheitlich-tolerantem Geist gespürt.

Intel Friday Night Game (hier ein Bild von einer früheren Veranstaltung in Stuttgart) Die eSport-Veranstaltung wird in der Stadt des Verfassungsgerichts nicht stattfinden
DPA

Intel Friday Night Game (hier ein Bild von einer früheren Veranstaltung in Stuttgart) Die eSport-Veranstaltung wird in der Stadt des Verfassungsgerichts nicht stattfinden

Nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) habe sich Turtle Entertainment entschieden, den für den 5. Juni in Karlsruhe geplanten Termin zu streichen. Zuvor hatte es bis in die lokale Politik hinein eine harsche Diskussion über die Veranstaltung gegeben. Fenrich hatte die Veranstaltung genehmigt.

Aus der Bevölkerung und der Politik hatte es hingegen wiederholt Vorbehalte gegen die Veranstaltung gegeben - auch weil der Amoklauf eines Schülers in Winnenden nicht lange zurückliegt. Turtle Entertainment war von Spielegegnern vorgeworfen worden, bei dem E-Sports-Turnier nicht für die Einhaltung des Jugendschutzes zu sorgen. Das Unternehmen hatte dies zurückgewiesen.

"Wir haben den Eindruck im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden", sagte Ralf Reichert, Geschäftsführer von Turtle Entertainment. Das Unternehmen habe den Dialog mit der örtlichen Politik gesucht. "Jeder konstruktiven Diskussion über den Umgang mit Computerspielen und neuen Medien wird allerdings die Grundlage entzogen, wenn von demokratischen Parteien öffentlich die Kündigung rechtsgültiger Verträge angeregt wird", so Reichert weiter.

Nicht nur das Intel Friday Night Game sondern auch das zeitgleich angesetzte Eltern-Lan fällt nun weg. Mit dieser Informationsveranstaltung wollte Turtle Entertainment in Zusammenarbeit mit Partnern wie der Bundeszentrale für politische Bildung bei Eltern und Lehrern unter pädagogischer Anleitung das Verständnis für die Medienwelt ihrer Kinder und Schüler erleichtern.

Turtle Entertainment ist nach eigenen Angaben europäischer Branchenprimus unter den E-Sport-Veranstaltern. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Electronic Sports League (ESL). Bei seinen Veranstaltungen in Deutschland zählt die Firma jährlich 900.000 aktive Teilnehmer.

tko



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