Video-on-demand Vudu-Zauber für Web-TV

Zwei Jahre tüftelten die Ingenieure von Vudu am Wunsch-TV aus dem Internet. Jetzt sind sie fast fertig - und versprechen das Fernsehen der Zukunft. Auf Knopfdruck soll die Vudu-Box Blockbuster auf den TV-Bildschirm liefern - schneller und billiger als jedes Konkurrenzangebot.

"Wir haben das Produkt gebaut, das jeder will, das Produkt das viele zu bauen versucht haben - und an dem bisher alle gescheitert sind," so selbstbewusst gibt sich Vudu-Gründer Tony Miranz gegenüber der "New York Times." Wenn es stimmt, was er für das Produkt verspricht, an dem seine Firma seit zwei Jahren unter strenger Geheimhaltung arbeitet, könnte er am Ende Recht behalten.

Die Vudu-Box soll das Internet-Fernsehen endgültig wohnzimmertauglich machen. Ein Knopfdruck auf der Fernbedienung soll genügen, so heißt es in der Ankündigung, um jeden Film aus der umfangreichen Vudu-Bibliothek sofort und ohne Verzögerung zu starten, auch in HD. Die Preise für diesen Dienst sollen, wenngleich noch nicht festgelegt, so günstig sein, dass sie andere Download-Angebote und vor allem DVD-Verleihdienste lässig Paroli bieten können.

Nachholbedarf bei Video-on-demand

So etwas hat es bisher noch nicht gegeben. Bei den meisten Video-Download-Portalen zahlt man für einen Film mindestens genauso viel wie in einer Videothek. Download-to-own-Dienste, bei denen man den Film auf DVD brennen kann, sind oft sogar teurer als die Kauf-DVD. Zudem muss man oft stundenlange Wartenzeiten in Kauf nehmen, bevor man den Film sehen kann.

Kein Wunder also, dass Firmen wie Movielink und CinemaNow, die in den USA seit Jahren Video-Downloads bieten, bisher wenig erfolgreich agieren. Hierzulande sieht es nicht viel besser aus. Einige Anbieter, wie beispielsweise T-Online, bieten Filme ausschließlich zum Ausleihen, meist für einen Zeitraum von 24 Stunden. Beim Anbieter In2Movies erhält man mit dem Download zwar das Recht, den Film auf DVD zu brennen, die wiederum lässt sich aber nur am PC abspielen. Wohnzimmer-kompatibel ist das nicht. Vergleichsweise Couch-tauglich sind bestenfalls Angebote wie Maxdome von ProSieben, das über eine Settop-Box direkt am Fernseher funktioniert und ohne zusätzlichen PC auskommt.

Hollywood steht dahinter

Ganz ähnlich soll auch die Vudu-Box arbeiten. Zwar ähnelt sie optisch und technisch der Apple TV-Box, bezieht Filme aber im Gegensatz zum Apple-Modell ohne Umweg über einen Computer direkt aus dem Netz. Das sehen die Entwickler als enormen Vorteil - und nicht nur die.

Auch die Hollywood-Bosse sind von der Idee begeistert, bei der Anlieferung digitaler Videos den PC zu umgehen. Schließlich gilt der PC als ärgster Feind den Filmproduzenten, die - teilweise mit Recht - fürchten, man könnte ihr geistiges Eigentum kopieren, sobald es auf einem Computer landet. Damit nicht genug, sollen die Filme zusätzlich mit einem Kopierschutz verschlüsselt werden, wie er auch beim Bezahlfernsehen zum Einsatz kommt. Zu solchen Systemen hat die Filmindustrie großes Vertrauen. Ron Lamprecht, Vize-Chef des Digital-Vertriebs bei NBC Universal, drückt es gegenüber der "New York Times" so aus: "Von dem Moment, in dem wir die Inhalte anliefern, bis zu dem Augenblick, in dem sie auf der Box landen, ist die Plattform sicher."

5000 Filme

5000 Filme

Dieser Vertrauensvorschuss der Filmbrachen führt dazu, dass Vudu ein außerordentlich beachtliches Filmpaket vorweisen kann. Während in Apples US-amerikanischem iTunes Store derzeit rund 400 Spielfilme von Walt Disney Pictures, Pixar, Touchstone Pictures und Miramax digital gekauft werden können, verspricht Vudu zum kommerziellen Start des Systems 5000 Filme bereitstellen zu können. Mit sieben großen Hollywood-Studios sind bereits Verträge über den digitalen Filmverleih geschlossen worden. Mit weiteren 15 internationalen Filmvertrieben sollen abkommen bereits unter Dach und Fach sein. Nur Sony Pictures ziert sich noch.

Der Nutzer zahlt mit

Diese enorme Geschwindigkeit wollen die Vudu-Macher erreichen, indem sie nicht nur ihre eigene Server-Infrastruktur, sondern zusätzlich die Internetleitungen ihrer Kunden ausnutzen. Wie in einem Peer-to-Peer-Netzwerk à la Napster oder BitTorrent tauschen die Vudu-Boxen auch untereinander Daten aus. Fordert also beispielsweise jemand den Film "King Kong" an, werden die benötigten Daten nicht, wie bei anderen kommerziellen Video-Download-Diensten, ausschließlich vom Server des Anbieters gesendet. Stattdessen erkundet das System blitzschnell, ob der gewünschte Film bereits auf Vudu-Boxen in der Nähe des Bestellers gespeichert ist, und fordert diese auf, ebenfalls Teile des Films an den Besteller zu senden. Wie bei einem Planschbecken, das man mit mehreren Gartenschläuchen befüllt, erreicht man auf diese Weise schneller den benötigten Füllstand.

Positiver Nebeneffekt für Vudu: Da die Leitungen der Anwender genutzt werden, entstehen auf Seiten des Anbieters nur relativ geringe Kosten.

Festplatte mit Appetithäppchen

Doch durch Ausnutzung des Peer-to-Peer-Prinzips allein wäre es noch nicht zu schaffen, einen Filmstart auf Knopfdruck zu garantieren. Deshalb planen die Vudu-Ingenieure, zusätzlich einen reservierten Bereich auf der Festplatte des Geräts zu nutzen, um darauf die ersten Minuten der angebotenen Filme abzulegen. Auf diese Weise wird etwas Zeit gewonnen, in der weitere Teile des Films aus dem Netz nachgeladen werden können.

Bei einem Angebot von 5000 und mehr Titeln wäre der Speicherplatz der internen Festplatte allerdings schnell aufgebraucht, würden von allen Filmen beispielsweise die ersten zehn Minuten auf der Platte vorgehalten. Deshalb hat Vudu ein System entwickelt, dass einschätzen soll, welche Filme besonders häufig abgefragt werden, etwa, weil sie gerade erst veröffentlicht wurden. Von diesen Filmen werden dann besonders lange Teile vorab gespeichert, um das Netzwerk zu entlasten.

Überlast für das Internet?

Nicht ent-, sondern belastet werden könnte durch den Vudu-Videodienst allerdings die Leistung des Internet selbst - zumindest, wenn der Service ein Erfolg wird. Verschiedene Studien legen nahe, dass der Anteil von Peer-to-Peer-Verbindungen an gesamten Datenaufkommen des Internet bereits jetzt bei 30 bis 80 Prozent liegt. Sollte nun noch ein relevanter Anteil der US-Bevölkerung ihre digitalen Videorekorder gegen Vudu-Boxen austauschen, die das Netz zusätzlich belasten, könnte es, zumindest theoretisch, zu Staus auf der Datenautobahn kommen.

Nicht auszuschließen ist auch, dass einzelne Internet-Provider die Nutzung solcher Peer-to-Peer-Netze, und damit auch der Vudu-Box, technisch unterbinden. Hierzulande hatte sich bereits vor Jahren Tiscali daran versucht, Power-Downloader durch Sperrung der für Peer-to-Peer nötigen Anschlüsse in Zaum zu halten.

Vudus Probleme: Kein Händlernetz, wenig Kapital

Ob es allerdings je so weit kommen wird, ist derzeit noch vollkommen unklar. Schließlich, so merken Kritiker an, handele es sich bei Vudu um ein vergleichsweise kleines Unternehmen, das weder enorme Marketing-Budgets noch ein dichtes Händlernetz vorweisen kann.

Von solchen Einwänden lassen sich die 41 Vudu-Mitarbeiter aber nicht bremsen. Ihnen genügt zumindest vorerst auch ein moderater Erfolg, um kostendeckend oder sogar profitabel arbeiten zu können. Schließlich müssen sie sich nicht mit hohen laufenden Kosten, etwa für riesige Serverparks oder überdimensionierte Breitbandanbindungen, plagen. Ob das den Geldgebern des Projekts, zwei Venture Capital-Firmen aus dem Silicon Valley, allerdings ausreichen wird, ist fraglich. Die drängen schon jetzt auf einen baldigen Vermarktungsstart.

Der wird allerdings ausschließlich in den USA stattfinden. Eine Ausweitung des Angebots nach Europa ist derzeit nicht abzusehen.

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