SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Juli 2007, 10:09 Uhr

Virtuelle Casinos

"Second Life"-Betreiber verbietet Glücksspiel

Die virtuelle Welt "Second Life" ist an vielen Stellen ein gesetzloser Ort. Neben Cybersex war auch virtuelles Glücksspiel mit echten Einsätzen dort stets populär. Nun kommen die Betreiber rechtlichen Problemen mit einem Zock-Verbot zuvor - bislang ohne rechten Erfolg.

Schon im April hatte der "Second Life"-Betreiber Linden Lab auf wachsende Kritik an den Glücksspielaktivitäten in der virtuellen Welt mit einer Regeländerung reagiert: Werbung für Casinos wurde verboten, etwa innerhalb der SL-internen Suchmaschine oder über die Liste mit "Events", in die man sich gegen eine Gebühr eintragen lassen kann. Nun hat sich offenbar herausgestellt, dass das nicht reicht - ob aber tatsächlich Aktivitäten der US-Bundesbehörden im Zusammenhang mit der Entscheidung stehen, ist unklar. Vor einigen Monaten hatte es Medienberichte über angebliche FBI-Untersuchungen in SL gegeben, die jedoch nie bestätigt wurden.

Ein neuer Abschnitt der Geschäftsbedingungen von SL verfügt nun, dass es nicht mehr gestattet ist, Spiele zu organisieren, die erstens "auf dem Zufall oder der Erzeugung von Zufallszahlen oder auf dem Ergebnis realer Sportereignisse basieren" und die zweitens eine Auszahlung in Form der SL-Währung Linden Dollars oder "irgendeiner anderen Währung oder anderer Wertgegenstände" beinhalten.

Der neuen Regelung folgt eine explizite Liste von Casinospielen, die bislang in SL gang und gäbe waren, darunter Black Jack, Roulette, Poker und die nicht zuletzt bei asiatischen Nutzern beliebten Pachinko-Maschinen. Man werde auf entsprechende Hinweise mit Überprüfungen reagieren und "Objekte oder Spiele, auf die diese Regelung zutrifft, aus 'Second Life' entfernen". Unter Umständen werde man zu diesem Zweck auch zusätzliches Personal einstellen.

Bis jetzt greifen die neuen Regeln allerdings noch nicht - zwar findet man mit dem Suchwort "Casino" in der Tat keine der Glücksspielangebote mehr, mit anderen Suchbegriffen wie "Jackpot" ist es jedoch ein leichtes, eins der immer noch zahlreichen Glücksspieletablissements zu entdecken. Ein Rundgang von SPIEGEL-ONLINE-Avatarin "Sponto" förderte heute Morgen innerhalb von fünf Minuten virtuelle Black-Jack-Spiele, einen Roulettetisch und zahllose virtuelle Geldspielautomaten zutage.

cis

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung