500 Milliarden Gigabyte Das Daten-Universum expandiert

Krise, welche Krise? Die Wirtschaft stöhnt, die Verbraucher jammern, Konjunkturprognosen zeigen nach unten. Dem Wachstum digitaler Daten jedoch kann die Wirtschaftslage nicht anhaben, ihr Umfang nimmt immer schneller zu.

Der Datenberg, auf dem wir sitzen, wird immer höher. Allein im vergangenen Jahr sind zu den bestehenden Info-Halden weitere 487 Milliarden Gigabyte hinzugekommen. Ganz genau ausgedrückt: Die Menschheit hat 2008 insgesamt 3.892.179.868.480.350.000.000 Bits erzeugt. So lautet zumindest das Ergebnis der im Auftrag der EMC Corporation durchgeführten IDG-Studie "As the Economy Contracts, the Digital Universe Expands".

Dass EMC mit solchen Riesen-Zahlen an die Öffentlichkeit geht, ist natürlich Eigennutz. Das Unternehmen verkauft große Speichersysteme. EMC-Speicherschränke stehen in den Rechenzentren - dort, wo viel Speicherplatz gebraucht wird.

Und sehr viel Speicherplatz wird man in Zukunft brauchen, das erklärte EMC schon vor zwei Jahren mit einer ganz ähnlich gelagerten Studie. Bis 2006, so das Unternehmen damals, hatte die Menschheit 161 Milliarden Gigabyte Daten zusammengetragen, lege nun aber kräftig zu. Die Kernaussage damals: Bis 2010 wird die Menschheit 988 Milliarden Gigabyte digitaler Informationen zusammentragen.

Die Datenmenge nimmt immer schneller zu

Ein gutes Stück auf diesem Weg haben wir nun offenbar zurückgelegt, die oben erwähnten fast 500 Exabyte (ein Exabyte sind eine Milliarde Gigabyte) angehäuft. Das, so EMC, seien drei Prozent mehr als ursprünglich prognostiziert. In den kommenden Jahren soll sich die Datenhalde immer schneller vergrößern. Alle 18 Monate, so die Prognose, werde sich die Menge der erzeugten Daten verdoppeln. Das erinnert - Zufall oder nicht - an Moores Gesetz, welches seit Jahrzehnten korrekt vorhersagt, dass sich die Zahl der Transistoren auf einem Chip alle 18 Monate verdoppelt. Schon 2012 wird die Menschheit deshalb fünfmal mehr Daten produzieren als heutzutage, fast 2500 Milliarden Gigabyte.

Der Grund für das rasante Anschwellen der Datenströme: In den kommenden vier Jahren werden sich zu der Milliarde jetzt schon vernetzter Menschen weitere 600 Millionen hinzugesellen, die aktiv das Netz nutzen. Und zwei Drittel der Netzbevölkerung, so die Studie, wird das nicht nur stationär, sondern auch mobil tun, via Handy kommunizieren, unterwegs im Web surfen.

Aber Kommunikation ist es nicht wirklich, was die Datenleitungen dick macht. Es sind Bilder und vor allem Videos. Digitale Kameras, vor allem in Handys, tragen viel zum Wachstum des Datenbergs bei.

Den Löwenanteil aber produzieren Überwachungskameras.

Insgesamt machen Bilder und Videos 88 Prozent der Daten aus. Angesichts von Projekten wie etwa der flächendeckenden Videoüberwachung der Innenstadt von London mag man es glauben.

Eine Zahl mit 15 Nullen

Computerdaten, Textnachrichten und Daten, die von Sensoren, etwa beim Auslesen von RFID-Chips, erzeugt werden, machen dagegen nur einen geringen Anteil an der Gesamtmenge aus. Die winzigen Datenpakete machen sich dagegen zahlenmäßig in der Statistik bemerkbar. Gut 98 Prozent der drei Billiarden (ausgeschrieben 3.000.000.000.000.000) Datensätze aus 2008 sind solche Mini-Datenpakete.

Glücklicherweise werden nicht alle dieser Datenpakete gespeichert, schon gar nicht permanent. Da aber mehr als zwei Drittel aller Daten der Studie zufolge von Privatpersonen erzeugt werden, stellt sich die Frage, wo all das bleiben soll. Vieles davon ist sicher verzichtbar. Seit es Digitalkameras gibt, wird aufs Geratewohl fotografiert, was vor die Linse kommt. Weil gleichzeitig die Preise für Speichermedien ebenso schnell fallen wie die Datenmengen zunehmen, wird auch nichts mehr gelöscht - zumindest nicht absichtlich.

Daten ohne Haltbarkeitsdatum

Trotzdem ist die Frage, wie lange diese Daten überdauern werden, immer noch ungeklärt. Magnetische wie optische Speichermedien haben eben nur eine begrenzte Lebensdauer. Wer schon im ausgehenden 20. Jahrhundert selbst CDs gebrannt hat, weiß, was das heißt. Aber was bedeutet das für die gigantischen Datenmengen, die derzeit offenbar aufgehäuft werden?

Eine schlüssige Antwort auf diese eigentlich sehr drängende Frage hat heute niemand parat, auch EMC, als Auftraggeber der Studie nicht. Vielmehr stellt das Unternehmen selbst klar, dass die Herausforderung lautet, Wege zu finden, die Datenberge zu bewältigen, das digitale Erbe der Menschheit haltbar zu machen. Bei privat gebrannten CDs kann man sich ja noch damit behelfen, sie alle paar Jahre auf neue Medien umzukopieren. Aber wie geht es danach weiter? Und was wird aus den Schätzen, die in öffentlichen Archiven, in Firmen und Rechenzentren lagern?

Bis Entwickler und Wissenschaftler darauf eine Antwort gefunden haben, dürfte die Datenflut Unternehmen wie EMC immer mehr Aufträge einbringen. Denn so lange es keine massenfähigen Langzeitarchive für digitale Daten gibt, hilft nur eines: ausbauen, aufstocken, vergrößern - den Speicherplatz natürlich.

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