93 Prozent mehr Speed Doping für das Java-Applet

Mit einem Turbo für den Browser wird dank einer neuen Kompressionstechnik das Warten auf Java-Anwendungen am heimischen PC verkürzt. Auch bei der mobilen Übertragung von Java-Anwendungen via GPRS und UMTS lässt sich diese Technik nun einsetzen.

Von Niels Gründel


SoC2-Komprimierung: Vom Web-Server zum Handy...

SoC2-Komprimierung: Vom Web-Server zum Handy...

Keine Frage: Das Web wird schneller. Doch trotz wachsender Bandbreiten gehört das Warten auf die Daten noch längst nicht immer der Vergangenheit an. Und nicht jeder Nutzer ist bereit, für einen schnelleren Internetzugang mehr Geld zu zahlen. Java-Anwendungen bereichern zwar das Internet, doch sie benötigen besonders viele Ressourcen. So sah sich schon manche Bank und Sparkasse auf Grund zahlreicher Kundenbeschwerden dazu veranlasst, neben ein auf Java basierendes Banking-Applet noch eine schnellere Version zu stellen.

Für eine komprimierte Übertragung erwiesen sich die bekannten Kompressionstechniken allesamt als ungeeignet. Ganz neue Wege beschreitet die Firma Syntion mit der Technologie Jaccelerator und Jampagne.

Jaccelerator sorgt für eine bestmögliche Kompression und beschleunigt so die reine Übertragung. Dazu wurde mit der syntaxorientierten Codierung (SoC) ein Verfahren entwickelt, das in einem Programm nicht mehr nur Text sieht, sondern eine Struktur, die besonderen grammatikalischen Regeln folgt. Nach der Kompression werden lediglich die Entscheidungen des Programmierers übermittelt. Rund 80 Prozent des Datenstroms können allein auf diese Weise eingespart werden.

Jampagne dagegen erlaubt serverseitig eine geschickte Aufteilung einer Anwendung in viele kleine Module. Übertragen werden nur noch die jeweils benötigten Teile. Während der ersten Aktionen lädt der Nutzer mit Jaccelerator bereits weitere Programmteile im Hintergrund nach.

Beide Bausteine zusammen sorgen für eine Minimierung der Wartezeit beim Anwender um bis zu 93 Prozent im Vergleich zu gängigen Verfahren. In gleichem Maße reduzieren sich die Wartezeit und der Bedarf an Bandbreite.

Markus Batscheider

Markus Batscheider

"Für bestehende Java-Applets ändert sich nichts, denn Jaccelerator und Jampagne greifen nicht in den Quellcode ein", bekräftigt Pressesprecher Markus Batscheider den Investitionsschutz vorhandener Java-Anwendungen.

Der Anwender benötigt zwar ein weiteres 170 KB großes Plug-in für seinen Browser, doch wird dies automatisch eingerichtet und steht sofort zur Verfügung. Von nun an kann der Anwender auf alle beschleunigten Angebote zurückgreifen. Die komprimierten Java-Klassen werden während des Downloads in Echtzeit und ohne sein Zutun entpackt.

"Zerhackte" Javas auch für das mobile Web

Mit dem neuen Verfahren sinkt die Wartezeit auf gängige Applets auf nahezu Null. Mit dieser weit verbesserten Verfügbarkeit lässt sich die Attraktivität von Internet-Angeboten steigern, ohne bei mangelnder Bandbreite die Geduld der Kunden zu strapazieren. Die Client-Software ist für die Anwender am PC kostenlos. Für die Integration der Jaccelerator-Technologie muss der professionelle Dienste-Anbieter allerdings 2500 bis 290.000 Euro investieren.

Mit dem Jaccelerator/mobile bieten die Erfinder der neuen Java-Kompression die Möglichkeit für Highspeed-Java auf nahezu allen Mobil- und Kleingeräten, die MicroJava unterstützen. Unabhängig davon, ob diese das Palm Operating System (Palm OS), Epoc-32 (Symbian-Standard von Psion, Nokia, Ericsson, Motorola und andere) oder andere Betriebssysteme nutzen.

...und im Detail: Kernstück des technischen Tricks ist die Codierung der Java-Daten in einen "teilungsfähigen" Datenstrom

...und im Detail: Kernstück des technischen Tricks ist die Codierung der Java-Daten in einen "teilungsfähigen" Datenstrom

"Gerade bei den kleinen Mobilen ist der Speicherplatz noch begrenzt, und Übertragungswege sind teuer", erklärt Markus Batscheider und fährt fort: "Vorteile bringt die Datenreduktion aber für alle Beteiligten. Die Hersteller können den Speicherbedarf vorinstallierter Java-Applikationen um über 50 Prozent reduzieren und die Endkunden sparen sich ebenfalls mehr als die Hälfte der Übertragungskosten, weil die Nutzung der Java-Sourcen weniger Bandbreite und Zeit verschlingt." Bisher wird die Übertragung von Multimedia-Daten via GPRS nach Volumen abgerechnet.

Neuen Anwendungen wie interaktiven Spielen, Auktionen, mobilen Banking-Lösungen oder sogar Shops sollte nun eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Aber eine Voraussetzung bleibt: Anbieter und Mobilgeräte müssen die neue Technologie unterstützen. Voraussichtlich zum Jahresende sollen die ersten Mobilgeräte auf dem Markt zu finden sein. Namen will man bei Syntion derzeit aber noch nicht nennen.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.