Amazon Nur eine kleine Störung?

Schon wieder Probleme bei Amazon: Zum zweiten Mal in dieser Woche brach die Internet-Seite des weltgrößten Online-Händlers zusammen. Und das ausgerechnet in der heißesten Zeit des Jahres.


"Nur eine kleine Störung", sagte Amazon-Sprecherin Patty Smith und meinte damit einen Totalausfall der Internet-Site. "Nichts Besonderes." Ganze 15 Minuten lang ging am Donnerstagnachmittag rein gar nichts mehr: Wer Bücher oder CDs bestellen wollte, wurde mit dem Hinweis getröstet, dass zumindest die Auktions-Seite funktioniere: Auch dort könne man sich ja tolle Dinge anschaffen.

"Nichts Besonderes" - irgendwie hat Patty Smith sogar Recht. Denn beim weltgrößten Online-Händler geht zurzeit einiges schief. Zum Einen brach die Internet-Seite innerhalb von nur einer Woche gleich zweimal total zusammen - das erste Mal wohl deswegen, weil Amazon von Tausenden Spiele-Freaks belagert wurde, die auf der Jagd nach den begehrten neuen Playstations waren. Amazon ließ allerdings mitteilen, dass nicht der starke Verkehr, sondern nur ein kleines technisches Problem im eigenen Haus der Grund für den Absturz gewesen sein.

Hinzu kommt der Ärger mit den Angestellten. Weil Amazon ihrer Meinung nach viel zu niedrige Löhne zahlt, wollen sie sich gewerkschaftlich organisieren und Firmen-Chef Jeff Bezos in die Mangel nehmen. Angetrieben werden sie auch von der Angst um ihre Arbeitsplätze: Schon im vergangenen Jahr waren nach dem Weihnachtsgeschäft etwa 150 Kollegen entlassen worden.

Das Weihnachtsgeschäft ist eine Bewährungsprobe für Amazon: Pannen kommen da sehr ungelegen.
AP

Das Weihnachtsgeschäft ist eine Bewährungsprobe für Amazon: Pannen kommen da sehr ungelegen.

Probleme mit den Angestellten und technische Pannen: Ereignisse, die für Amazon jetzt besonders ungelegen kommen. Denn die Vorweihnachtszeit ist eine Art Bewährungsprobe für Online-Händler: Wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen, werden sie an der Börse noch weiter abgestraft. Schon jetzt haben viele Online-Händler mehr als 50 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt, weil es unter anderem immer wieder zu Pannen gekommen ist.

Dabei sind die Aussichten auf stattliche Kundenzahlen eigentlich gut. Laut einer Studie des Investmenthauses Goldman Sachs planen die amerikanischen Internet-Nutzer, rund ein Drittel ihrer Weihnachtsgeschenke online zu kaufen. Für Amazon eine Riesenchance, um das bei Analysten und Investoren ramponierte Image aufzupolieren - vorausgesetzt, dass es keine technischen Probleme mehr gibt.



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