AMD-Chips für mobile PCs Kaum einer mag den Duron tragen

Im PC-Segment ist AMD längst eine feste Größe, im Markt der mobilen Rechner muss es das erst werden: Nur eine Minderheit der Hersteller bieten bisher tragbare Computer auf Basis von Duron und Athlon an - noch ist der Markt fest in Intel-Hand. Zur Cebit will AMD eine neue Offensive starten.

Von Thomas Jungbluth


Dauer-Clinch: AMD attackiert Intel mittlerweile auf (fast) allen Märkten
[M] DPA

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Hartmut Schneider steht vor einer schwierigen Entscheidung: Er will ein Notebook kaufen - aber nicht irgendeines. Der angehende Wirtschaftswissenschaftler braucht einen leistungsfähigen PC, der zugleich sparsam mit Strom umgeht. Das Gerät soll nicht nur Berechnungen und Statistiken bewältigen, sondern auch längere Zeit mit einer Akku-Ladung durchhalten - schließlich will der Student auch zwei Stunden ohne Steckdose die Notizen einer Marketing-Vorlesung aufnehmen.

Er schaut sich nach Notebooks mit AMD-Prozessoren um. Denn was bei normalen Computern für günstige Preise sorgt, müsste das doch auch bei Notebooks schaffen.

Doch viele Angebote gibt es hier nicht. Der Markt für tragbare Computer ist anders. Der Prozessor im Notebook muss genügsam sein: Sein Hunger nach Strom bestimmt, wie lange der tragbare Computer mit einer Ladung des Akkus auskommt. Weil für normale PCs ("Desktops") der Strom immer noch aus der Steckdose kommt, sind Prozessoren hierfür nicht unbedingt besonders genügsam mit der Lebensenergie.

Für Notebooks dagegen hat zuerst Intel verschiedene Systeme entwickelt, um den "Saft" besonders effizient einzusetzen. Die Prozessoren mit "Speedstep"-Technologie fahren bei weniger hoher Belastung automatisch die Taktfrequenz herunter. Im Ruhezustand wird der Prozessor gar in einen "Tiefschlaf" (Original-Intel-Terminologie: Deeper Sleep) versetzt.

Späte Antwort: "PowerNow!"

AMD hatte lange Zeit keine Prozessoren im Angebot, die speziell auf die Bedürfnisse von mobilen Computern zugeschnitten waren. Doch der Hersteller möchte aufholen und bietet Athlon und Duron auch mit eigens entwickelter Technologie (PowerNow!) an.

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PowerNow!-Prozessoren reagieren automatisch auf die Anforderungen und reduzieren bei weniger hungrigen Applikationen wie Textverarbeitung die Taktfrequenz. Sobald anspruchsvollere Programme gestartet werden, steht sofort die volle Leistung zur Verfügung. AMD liefert einen speziellen Treiber für Windows, damit das Betriebssystem diese Funktion optimal unterstützt. In Windows XP ist dieser Treiber sogar direkt integriert. Die PowerNow-Technologie ist zwar schon älter, doch spezielle Notebook-Prozessoren gab es von AMD lange Zeit nicht.

Die Notebook-Hersteller reagieren jedoch bis jetzt eher zurückhaltend auf das AMD-Angebot an mobilen Prozessoren. Ein Anbieter verriet uns hinter vorgehaltener Hand: Die Marktnische sei für AMD einfach zu klein, um genügend Vertrauen in den Hersteller zu haben. Hintergrund für diese Skepsis: Bei Desktop-Computern kann schnell eine andere Hauptplatine eingesetzt werden, sollte es zu Lieferschwierigkeiten seitens des CPU-Lieferanten kommen. Die Hauptplatine in einem Notebook muss dagegen speziell auf das Gerät und den Prozessor angepasst werden. Hier lohnt sich der Aufwand nur bei großen Stückzahlen.

AMD sieht das anders: Der Notebook-Markt sei keine Nische, sondern gehöre für den Hersteller zu den wichtigsten Segmenten. Lieferschwierigkeiten weist AMD von sich.

Im Engagement der Firmen spiegelt sich dieser Optimismus zur Zeit noch nicht wieder. Zwar kann AMD eine lange Liste mit Anbietern vorlegen. In den Katalogen und Prospekten sind solche Geräte trotzdem nur vereinzelt zu finden.

Breitere Unterstützung bekommt AMD vor allem durch größere Hersteller wie Sony, die aktuell zur CeBIT sechs Notebooks auf AMD-Basis präsentieren. Compaq baut die Prozessoren vor allem in seiner Preiswert-Linie "Presario" ein und zeigt ein erstes Evo-Notebook mit AMD Athlon 4 auf der CeBIT. Vobis und Gericom planen auch AMD-Notebooks, setzen aber wie Toshiba ansonsten für das Massenpublikum eher auf den Pentium 4. Der bietet zwar Leistung satt, ist aber nicht in einer mobilen Variante erhältlich.

Fazit

Die Preise für tragbare Computer auf AMD-Basis sind günstig. Trotzdem kann der Hersteller nur gewinnen, wenn das Angebot an Notebooks mit seinem Prozessor auf breiter Basis wächst.

Hartmut Schneider kommt all das trotzdem gerade recht. Er wird zu einem Gerät mit AMD-Prozessor greifen: Sein Studenten-Budget erlaubt keine großen Sprünge, und für die Statistik-Berechnungen reicht die Leistung vollkommen aus. Ihm ist ein langer Atem wichtiger als ein "Pentium 4 inside"-Aufkleber.

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