Andreas Schmidt "Wir machen es den Leuten schwer, legal an Musik zu kommen"

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, besagt das Sprichwort. Bei Bertelsmann scheint diese Weisheit nun auch angekommen zu sein. Der Medienriese will mit MP3 Geld verdienen.


Ex-AOL-Deutschland-Chef Andreas Schmidt
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Ex-AOL-Deutschland-Chef Andreas Schmidt

"Wir machen es den Leuten wirklich schwer, legal an Musik im Netz zu kommen", sagte Andreas Schmidt, Chef der Bertelsmann e-commerce Group. Ergo richtete Bertelsmann-Tochter BMG Entertainment eine Site ein, auf der User testweise 300 Titel gegen Bares herunterladen können.

Doch ob sich das Konzept so durchsetzt ist fraglich. Zum einen schwanken die Preise bei musikdownload24.de zwischen ein paar Groschen und fünf Mark je Lied. Der Konzern stellt den User vor die Wahl, ob er das Stück einmalig hören will (günstiger Preis) oder auf seinen Rechner laden will und dafür mehr zahlen muss. Damit die Musik überhaupt abgespielt werden kann, muss eine Bertelsmann-eigene Software auf dem heimischen Computer installiert werden. Mit dem in den Files mitgekauften Kopierschutz will das Unternehmen das Online-Tauschen der Stücke unterbinden.

Zum anderen stellt sich die Frage, ob mit dem kommerziellen Angebot Tauschbörsen wie Napster, Gnutella und deren Nachfolgern Paroli geboten werden kann. "Der Austausch digitaler Musikstücke ist nicht aufzuhalten", erkannte Schmidt. Die Industrie müsse deshalb mit eigenen attraktiven Angeboten an die Kunden herantreten. Untersuchungen hätten belegt, dass zum Beispiel 76 Prozent der Nutzer der umstrittenen Internettauschbörse Napster für Musikstücke zahlen würden, wenn sie legal und in guter Qualität angeboten werden würde, so der Bertelsmann-Manager.

Der Gütersloher Medienkonzern ist aber nicht mehr der einzige Musikkonzern, der das Internet als Handelsplattform im Visier hat. In der vergangenen Woche hatte die Warner Music Group den Start eines Download-Dienstes für digitale Musik angekündigt. Das Unternehmen will noch in diesem Jahr digitale Kopien aktueller Stücke im Internet vertreiben. Die Unternehmen reagieren damit auf die Kritik, dass sie die neuesten Entwicklungen auf dem digitalen Musikmarkt verschlafen hätten.

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