Angriff auf Paypal Google vor Start eines Bezahlsystems

Heute soll Gbuy, der neue Online-Bezahldienst von Google, starten. Damit dürfte Google nicht nur den eBay-Service Paypal herausfordern - der Suchmaschinengigant will offenbar seine Vormachtstellung im Netz ausbauen.


Sicheres Bezahlen im Internet - dieses Thema beschäftigt Banken, Finanzdienstleister und Webshops schon seit Jahren. Vor allem kleinere Beträge bereiten größere Probleme, weil zu viele verschiedene Bezahlsysteme parallel existieren und hohe Gebühren das Geschäft unattraktiv machen. Auch Einkäufe auf ausländischen Webseiten gestalten sich schwierig, sofern man nicht mit Kreditkarte bezahlen will oder kann.

Google: Von der Suchmaschine zum Bezahlsystem

Google: Von der Suchmaschine zum Bezahlsystem

Der Dienst Paypal, mittlerweile aufgekauft vom Auktionshaus eBay, bot als erster global agierender Anbieter einfaches Bezahlen per E-Mail über Ländergrenzen hinweg. Registrierte Paypal-Nutzer können untereinander sehr schnell Geld transferieren. Paypal holt sich das Geld von den Konten der Kunden oder deren Kreditkarten und überweist es dem Empfänger. Das Ganze funktioniert natürlich auch zwischen Webshops und ihren Kunden, sofern beide ein Paypal-Konto besitzen.

Das Paypal-Geschäft boomt. 12 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen in den USA sollen bereits über den eBay-Dienst abgewickelt werden. Im nächsten Jahr rechnet das Unternehmen mit einem vermittelten Volumen von 30 Milliarden US-Dollar - verdient wird an der Provision in Höhe von ein bis zwei Prozent.

Google will dem Treiben von Paypal nun offenbar nicht länger zusehen und wird heute, sofern die durchgesickerten Informationen stimmen, seinen Bezahlservice Gbuy starten. Die Webadresse Gbuy.com ist bereits seit Juni 2001 über Markmonitor.com, einen auf Unternehmen spezialisierten Domainhändler registriert.

E-Commerce unter Kontrolle

Ein eigener Bezahldienst würde ideal zu Googles Geschäftsmodell passen, das auf der Vermarktung von Anzeigen in seinen Suchmaschinen fußt. Gelänge es beispielsweise, einen Großteil der Webshops und der Online-Shopper für Gbuy zu gewinnen, dann hätte Google einen beachtlichen Teil des Handels im Internet unter seiner Kontrolle.

Die Surfer suchen beispielsweise nach einer Digitalkamera über Google oder Froogle, klicken auf einen bezahlten Link und bezahlen dann im Shop mit Gbuy. Google könnte so auch prüfen, ob die Shops die via Google vermittelten Umsätze auch sauber abrechnen. Schließlich erlaubt Googles Geschäftsmodell nicht nur eine Bezahlung pro vermitteltem Klick, sondern auch über eine Provision der vermittelten Umsätze.

Dienst anfangs wahrscheinlich kostenlos

Um Gbuy schnell wachsen zu lassen, will Google Shops, die Gbuy-Zahlungen akzeptieren, mit einem kleinen Logo in der Trefferliste kennzeichnen. Das System dürfte vor allem für Transaktionen zwischen Kunden und Händlern konzipiert sein, kann wahrscheinlich jedoch ähnlich wie Paypal auch von Privatperson zu Privatperson eingesetzt werden.

Es wird bereits darüber spekuliert, dass Google mit Gbuy ein einheitliches Identifikationssystem etablieren könnte: ein Username und ein Passwort, mit dem sich Google-Nutzer bei allen möglichen Diensten des Anbieters anmelden können.

Analysten glauben, dass der Service in der Einführungsphase kostenlos sein wird. Danach dürften sich die Gebühren zwischen 1,5 bis 2,0 Prozent bewegen, was ungefähr dem Preisniveau bei Paypal entspricht.

Bei Paypal lösen die Google-Aktivitäten einige Unruhe aus. Der Aktienkurs des Mutterunternehmens eBay fiel am Dienstag um fünf Prozent, nachdem die ersten Meldungen über den baldigen Start von Gbuy aufgetaucht waren. Ende Mai hatten eBay und Yahoo eine Allianz verkündet, die sich auch das Bezahlsystem umfasst.

hda/Reuters/Financial Times



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