Appaяatschik Duell der Wollmilchhandys

PalmOnes neuer Treo 650 und Nokias Communicator 9300 sind zwei der vielseitigsten Smartphones, die es derzeit gibt. Aber welches ist besser? SPIEGEL ONLINE hat die beiden Profi-Handys getestet und verglichen.


Schön ist er nicht. Nokias neuer Communicator ist ein ziemlich hässliches, viel zu lang geratenes Handy. Erst im aufgeklappten Zustand macht das Gerät mehr her und offenbart eine komplette Tastatur und einen großen Bildschirm. Der Treo 650 sieht besser aus, ist allerdings deutlich breiter als ein normales Mobiltelefon. Unterhalb des Bildschirms befindet sich ein Keyboard mit kleinen runden Tasten. Was Gewicht und Klobigkeit angeht, schenken sich die Kontrahenten nichts. Eine dicke Beule in der Tasche ist dem Benutzer auf jeden Fall sicher.

Nokia Communicator 9300: Schöner, wenn er aufgeklappt ist

Nokia Communicator 9300: Schöner, wenn er aufgeklappt ist

Telefonieren funktioniert mit beiden Handys erwartungsgemäß reibungslos - interessanter ist da schon die Texteingabe. Ähnlich wie bei einem Blackberry konnte ich auf beiden Testgeräten am besten mit den Daumen tippen. Der aufgeklappte Communicator lässt sich zum Schreiben zwar theoretisch auch wie ein Laptop auf den Tisch stellen - dazu müsste der Bildschirm aber weit nach hinten geklappt werden. Sobald man jedoch die Finger vom Keyboard nimmt, kippt der Communicator immer nach hinten weg.

Nichts für Bierkutscher

Beim Verfassen von Texten ist das 9300 dem Treo ganz eindeutig überlegen. Die Nokia-Tastatur ist viermal so groß wie die des Palm. Die knubbeligen kleinen Treo-Tasten liegen zudem sehr eng beieinander - wer Hände wie ein Bierkutscher hat, vertippt sich andauernd. Auf dem Nokia-Keyboard sind alle wichtigen Sonderzeichen aufgeführt, der Treo bietet hingegen nur das Notwendigste. Die Suche nach dem - für E-Mails nicht ganz unwichtigen - Unterstrich gab ich beispielsweise nach einigen Minuten entnervt auf.

PalmOne Treo 650. Kreuzung aus PalmPilot, Blackberry und Telefon

PalmOne Treo 650. Kreuzung aus PalmPilot, Blackberry und Telefon

Besser weg kommt der Treo beim E-Mail-Programm. Das mitgelieferte VersaMail hat eine übersichtlichere Mailbox als die (namenlose) Software des Communicators. Beim Treo lässt sich außerdem wesentlich genauer einstellen, welche E-Mail-Konten (maximal acht) wann abgerufen werden sollen. Für viele Anbieter (Yahoo, Hotmail, Dotmac) existieren Voreinstellungen, sodass es sehr einfach ist, ein neues Konto einzurichten. Nur eines ist bei beiden Telefonen ärgerlich: Wieso kommen SMS/MMS und Mails in zwei verschiedenen Postfächern an? Eine Box für alles (wie beim Blackberry) wäre praktischer.

Endlich unzerhäckselte Webseiten

Die neben Telefon und E-Mail wohl wichtigste Smartphone-Anwendung dürfte der Webbrowser sein. Hier kann der Treo mit dem Communicator nicht mithalten. Das liegt vor allem am zehn Zentimeter breiten Panoramadisplay des Nokia-Handys. Während der schmalere Treo-Bildschirm Webseiten notgedrungen zerlegen muss (was häufig misslingt), kann der Communicator die Webausgabe der "New York Times" oder SPIEGEL ONLINE unverändert darstellen. Zudem ist die Auflösung des Bildschirms großartig. Selbst kleine Schriften zeigt das Display gestochen scharf an.

Der große Bildschirm kommt dem Nutzer auch bei der Navigation durch die Menüs zugute. Das Nokia-Gerät hat zur Steuerung außer einem kleinen Joystick vier Kontextbuttons neben dem Bildschirm. Auf der Tastatur gibt es zudem eine Leiste mit acht Knöpfen für den Schnellzugriff auf die wichtigsten Anwendungen. Auf dem Nokia fand ich mich von Anfang an zurecht; in den Treo-Menüs habe ich mich hingegen mehrmals verlaufen. Außerdem stellt das PalmOne-Handy mitunter kryptische Fragen. Ein Beispiel: "Sollen die Änderungen wirklich nicht übernommen werden?" Ja, äh .. nein!?

Innen hui, außen pfui

Nokia-Display: Webseiten lassen sich vernüftig darstellen

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Unerfreulich wird die Bedienung des Communicator allerdings, sobald das Gerät zugeklappt ist. Während Nokias Designer für das Innenleben des Telefons viel Zeit und Liebe investiert haben, wirken das kleine Außendisplay und der Tastenblock lieblos hingeklatscht.

Die Navigation bei geschlossenem Handy ist eine Qual. Wer nicht nur telefonieren möchte, muss den Communicator aufklappen. Klingt nach einer Bagatelle, ist aber keine: Wer im Laufschritt, behängt mit Laptop und Aktentasche schnell mal einen Kalendereintrag nachgucken will, hat in der Regel nur eine Hand frei.

Unterwegs kann einem der Communicator, für den man eigentlich immer zwei Hände benötigt, schnell auf den Nerv fallen. Der Treo hingegen ist durch und durch als Einhänder konstruiert. Bereits nach kurzer Zeit reichten mir die Navigationsbuttons in der Mitte des Geräts, die Grundfunktionen des Handys flott anzusteuern. Auch einen Kontakt zu suchen und direkt für ein Telefongespräch auszuwählen, ist viel einfacher als beim (zugeklappten) Communicator. Notfalls lässt sich die Treo-Tastatur auch eindaumig bedienen.

Fazit: Vorteil Nokia

Für alle, die viel im Internet surfen und längere Mails schreiben wollen, ist der Communicator mit seiner großen Tastatur und dem hervorragenden Display die bessere Wahl. Auch die Benutzeroberfläche des Nokia 9300 ist intuitiver und übersichtlicher als die des Treo. Erst wenn man den Communicator zuklappt, überholt ihn der Treo 650 in Sachen Handling deutlich. Außerdem hat der Treo noch etwas, was dem Communicator fehlt: Einen Vibrationsalarm. Eigentlich ist dieses Feature inzwischen selbst bei Ein-Euro-Handys eine Selbstverständlichkeit. Bei ihrem 700-Euro-Gerät haben die Finnen es aber schlichtweg vergessen.

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