Auf Wiedersehen DRM Microsofts Musik-Kopierschutz geknackt

Musikstücke, die über Napster oder den Abo-Dienst von Yahoo heruntergeladen werden, sind eigentlich mit einem Verfallsdatum versehen: Wenn der Abonnent nicht mehr weiterzahlt, lassen sich die Songs nicht mehr abspielen. Dieses Microsoft-System ist jetzt geknackt worden.


Für die Abo-Dienste ist das ein großes Problem: Denn die Musik-Flatrate, die Napster oder Yahoo Music anbieten, bietet für eine monatliche Gebühr alles, was Onlineshops wie iTunes auch bieten - nur für eine begrenzte Summe. Yahoo Music zum Beispiel gibt es schon für 5 Dollar im Monat. Dafür kann der Abonnent unbegrenzt Musik herunterladen - die aber nur so lange abspielbar bleibt, wie auch weiter gezahlt wird. Wer kündigt, verliert seine gesamte Musikbibliothek.

Yahoo Music: Abonnieren und behalten?

Yahoo Music: Abonnieren und behalten?

Dieses sogenannte Digital Rights Management (DRM) funktioniert ohnehin nur leidlich - beispielsweise lassen sich die Songs von Yahoo nicht auf iPods abspielen, weil sie mit einem DRM-Schutz aus dem Hause Microsoft versehen sind. Der Apple-Player aber kann mit dieser Kodierung nichts anfangen. Ganz generell sorgt DRM für Kompatibilitätsprobleme und ständigen Ärger und hat deshalb einen schlechten Ruf.

Damit soll es nach den Vorstellungen einiger findiger Hacker nun vorbei sein. Wie beispielsweise das US-Blog "Engadget" berichtet, sorgt eine Software namens FairUse4WM dafür, dass die Songs aus den Abodiensten, die Microsofts Windows-Media-DRM benutzen, sich mit wenig Aufwand aus den Fesseln des Kopierschutzes befreien lassen. Für Nutzer der Abodienste würde das heißen: Ein einmal so befreiter Song bleibt für immer auf der heimischen Festplatte - auch wenn das Abo gekündigt wird. Und: Er lässt sich auch auf beliebig viele andere Abspielplattformen übertragen, limitierte Kopienzahlen und andere Schikanen durch das DRM entfallen.

Natürlich soll die Kopierbeschränkung in erster Linie dem Urheberrechtsschutz dienen - den Plattenfirmen ist nicht daran gelegen, Kunden für 5 Dollar im Monat unbegrenzte Mengen Musik zur Verfügung zu stellen. In der Netz-Gemeinde werden deshalb schon Wetten abgeschlossen, wie lange es wohl dauern wird, bis Microsoft das Loch wieder schließt.

"Engadget" macht sich unterdessen für die befreiten Files stark. In einem offenen Brief an Microsoft bitten die Tech-Blogger, man möge sich doch bitte nicht weiter um FairUse4WM kümmern - schließlich bringe es den Abo-Diensten vermutlich neue Kunden ein: "Kurz nachdem wir die Neuigkeit online gestellt hatten, bekamen wir haufenweise Nachrichten von Lesern und Freunden die uns sagten, dass sie sich jetzt für einen PlaysForSure Anbieter angemeldet hätten, weil sie jetzt endlich keine Sorge mehr hätten dass sie heruntergeladene Stücke auch tatsächlich auf ihrem MP3-Player würden abspielen können."

Das Blog "Techdirt" ergänzt: "Obwohl einige Nutzer zweifellos einfach für einen Monat ein Abonnement bezahlen werden und dann alles herunterladen, was sie in dieser Zeit schaffen, sollte das niemandem Sorge bereiten. Diese Nutzer haben ohnehin kein Interesse daran, für Musik zu bezahlen - wenn sie diese nicht von Napster oder Yahoo bekommen, werden sie sich wieder einem Filesharing-Netzwerk zuwenden."

Microsoft sei vielleicht die einzige Firma, die die Branche zur Einsicht bewegen könne, so "Engadget": "Die Musikindustrie muss akzeptieren, dass es immer eine gewisse Menge an Piraterie geben wird, und einfach damit weitermachen, Musik digital zu verkaufen. Sollen sie doch das DRM behalten, wenn sie wollen - wir können alle so tun, als ob es noch funktioniert - aber macht es doch möglich, es loszuwerden - für alle, die diesen zusätzlichen Schritt machen wollen."

Ganz so utopisch, wie die "Engadget"-Bitte klingt, ist sie gar nicht: Yahoo etwa hat vor einiger Zeit schon einmal MP3s ohne DRM verkauft - allerdings nur einen einzigen Song, als "Testballon", wie es damals hieß.

cis



insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
berliner_kind_79, 18.05.2006
1.
---Zitat von sysop--- Die Musikindustrie wehrt sich zunehmend aggressiv gegen jede Form der digitalen Kopie, will den "Verkauf" ihrer Waren nur noch als an Bedingungen geknüpfte Lizenzen verstanden wissen. Die Kundschaft reagiert mürrisch bis wütend - aber wo liegen die Alternativen? ---Zitatende--- einfach nur lächerlich ! aus folgendem grund- es gibt eine software namens streamripper - die macht dasselbe mit winamp - keine werbung für beide proggies - einfach mal google´n und schwupps die musi indi´s an die wand gespielt ...übrigens ist das tool nich neu :-) mir unverständlich warum überhaupt noch irgendjemand ne cd kauft ! ich tue dies schon seit jahren nicht mehr... in diesem sinne - burn baby burn - bis zum nächsten thread :-)
stefanth 18.05.2006
2. Musik-Industrie?
Ich finde diese ganze Diskussion einfach lächerlich! Musik ist doch ein Teil der Kunst, und Kunst kann man doch nicht industriell fertigen. Hat diese sogenannte Musik-Industrie überhaupt eine Daseinsberechtigung? Und wenn es sie nicht mehr gäbe, würde Musik dann wieder von Künstlern gemacht? Der Qualität würde es bestimmt nützen!
Northgate, 18.05.2006
3. Boykott!
Ich boykottiere seit einiger Zeit alles was irgendwelche Content-Mafia Konzerne von sich geben. Verarschen lassen kann ich mich auch gratis. ;-)
stoerli, 18.05.2006
4.
Ich persönlich suche Alternativen zuerst, indem ich den "Großen" der Musikindustrie aus dem Weg gehe - es gibt viele sehr gute unbekannte Bands, deren Musik teilweise unter der Creative Commons License veröffentlicht wird und direkt beim Label oder direkt bei der Band in guter Qualität (mp3 192kbit/s) herunterladbar ist. Gefällt die Musik, bestellt man die CD - bei diesem Geschäftsmodell fühle ich mich in gewisser Weise frei ... und bestelle die CD tatsächlich, wenn sie mir gefällt. Zum fairen Preis von meist ca. 6 Euro inklusive Versand. CDs kaufe ich von Major Labels grundsätzlich nicht mehr, da ich sie schlichtweg für überteuert halte. Anders sieht das bereits wieder aus, wenn es sich um eine SACD bzw. DVD-A handelt, die ja mittlerweile nicht mehr viel teurer als CDs sind, dafür aber - meiner Ansicht nach - einen enormen Mehrwert bergen. Online-Musikshops in ihrer momentanen Form sind für mich keine wirkliche Alternative; ich kann mir bei der Vorstellung, Geld für verlustbehaftet komprimierte Musik auszugeben, eigentlich nur an den Kopf greifen ... mal ganz abgesehen von den enormen Einschränkungen des Digital Rights Management. Wenn es doch einmal nach Musik gelüstet, die als CD von Major Labels vertrieben wird, gibt es wesentlich kostensparende Möglichkeiten, an diese zu kommen ... Und an dieser Stelle enden bei mir auch die Gewissensbisse. Für 12 Euro, die ich in eine CD stecken soll, kann ich genausogut zu einem Konzert gehen und mir von der entsprechenden Band direkt eine CD kaufen - je 6 Euro Eintritt und CD. Ein fairer Preis für Musik, die den Mainstream qualitativ weit hinter sich lässt.
DJ Doena 18.05.2006
5.
---Zitat von sysop--- Musikindustrie: Wo ist der Weg aus der Krise? ---Zitatende--- Die Frage ist doch: Wer braucht die Musikindustrie und wofür? Die Plattenindustrie gibt es - Überraschung - seit es Platten gibt. Davor gab es keine Plattenindustrie. Wer hat aber geschrieben, dass ein einmal etablierter Geschäftszweig eine Daseinsberechtigung für die Ewigkeit braucht? Die Welt ist im Wandel und wenn die Welt entscheidet, dass es Zeit für die MI ist, abzudanken, dann wird keine Gesetzesänderung dieses Prozess aufhalten, allerhöchstens verlangsamen können.
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