Begehrte Ware Nasa sucht E-Schrott

Der Weltraum, unendliche, aber lebensfeindliche Weiten: Wer so was erobern will, braucht Technik. Händeringend sucht die Nasa Chips, die Shuttles betriebsbereit halten. Die gibt es fast nur noch in Online-Auktionen.

Die Hightech-Welt ist notorisch schnelllebig: Chipgeneration nach Chipgeneration pumpt die Industrie auf den Markt. Was gestern Stand der Technik war, ist heute angeblich schon von vorgestern.

Wenn das stimmen würde, dann müsste man die Space Shuttles der Nasa umgehend verschrotten. Modernere Launch-Systeme gibt es aber nach wie vor nicht, und darum wird die Nasa nicht müde, sie auf ihrem Stand der Technik zu halten. Daran arbeiten und verdienen zahlreiche Zulieferbetriebe mit - und einer davon ist längst eBay.

Denn zu den Kernstücken der Shuttle-Technik gehören Chips, die seit langem nicht mehr geliefert werden: "8086" heißen die Bausteine - und kamen irgendwann vor den Pentiums, vor den 486ern, den 386ern, den 286ern. Das Space Shuttle, erfährt die staunende Öffentlichkeit, stützt sich auf die gleiche Technik, mit der einst die ersten IBM-kompatiblen Personalcomputer die Vorherrschaft des Commodore C64 bei den Heimanwendern brachen.

Heute arbeiten solche Rechenknechtchen mit ihren mikroskopisch anmutenden Taktfrequenzen gern noch als Second-Hand-verbaute Steuerchips in amerikanischen Waschmaschinen - und eben in den Computern, die die Nasa 1981 entwickelte, um die Shuttles ins All zu hieven. In den Raumfähren selbst, versicherten Nasa-Quellen halb verschämt der "New York Times", kämen modernere Techniken zum Einsatz. Am Boden jedoch, bei den Steuerungssystemen, beim Life-Support, da führe kein Weg vorbei an Intels bewährte Top-Technik 8086. Eine knappe Ware.

Denn zum Verkauf kommen heute allenfalls noch die "Hirnchen" von in Kellern und auf Speichern leider wiedergefundenen Alt-Rechnern: Langsam wird die Suche nach den Chips so mühselig, wie die Entsorgung des E-Schrotts für den Besitzer kostspielig.

Doch zumindest Teile davon lassen sich überraschenderweise ja noch verscherbeln: "Regelmäßig" durchsuchten Nasa-Einkäufer einschlägige Auktionen bei eBay und Yahoo!. Offenbar mit sinkendem Erfolg: Warum sonst sollte die US-Raumfahrtbehörde mit solchen Peinlichkeiten an die Öffentlichkeit gehen?

Die Nasa ist offensichtlich scharf auf den Elektro-Schrott, der noch unentdeckt eingelagert vielerorts auf seinen Raumfahrt-Einsatz wartet. Das, steht zu befürchten, dürfte die Preise für Intels begehrteste Chips noch weiter nach oben treiben.

Denn tatsächlich ist die Suche nach entsprechenden Chips ein erhellendes Erlebnis: Mit Verkaufspreisen bis zu 30 Dollar und mehr liegen die Uralt-Prozessoren (8 Mhz Takt) deutlich über dem Preisniveau ihrer eigenen Nachfolger, die bis zu 15 Jahre später entstanden. Wer nun also im E-Schrott wühlt, sollte tief graben: Während 286, 386 oder 486 selten mehr als 3 Dollar erbringen, kann man sich für den Preis eines Uralt-Knechtes schon ein leckeres Abendessen gönnen - oder die Entsorgung des Rest-Rechners. Raumfahrt-Technik hat halt ihren Preis.

Frank Patalong