Betrugsvorwurf Apple schummelt bei iMac-Daten

Nicht Millionen, sondern nur Tausende Farben kann der Bildschirm des 20-Zoll-iMac darstellen. In der Werbung verspricht Apple etwas anderes - und wird deshalb verklagt.


Apple hat's geschafft: Die Firma mit dem angebissenen Apfel im Logo hat die erfolgreichste Marke der Welt kreiert. So lautet das Ergebnis einer Studie mit 2000 Teilnehmern. Gelobt wurden vor allem Apples Innovationskraft, das hübsche Design und die Konzentration auf das Wesentliche. Manchmal allerdings scheint es Apple mit der Reduktion etwas zu übertreiben - zum Beispiel wenn es darum geht, technische Daten zu veröffentlichen.

Apple iMac: Der Hersteller verspricht beim 20-Zoll-Modell mehr Farben, als das Gerät darstellen kann
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Apple iMac: Der Hersteller verspricht beim 20-Zoll-Modell mehr Farben, als das Gerät darstellen kann

So lassen Apples " Technische Spezifikationen" zum aktuellen iMac keine Zweifel aufkommen. Klar und deutlich ist dort zu lesen, der Bildschirm würde "Millionen von Farben bei allen Auflösungen" darstellen. Das sei jedoch eine "trügerische Übertreibung", sagt das Anwaltsbüro Kabateck Brown Kellner. Tatsächlich könne der Bildschirm nur weit weniger Farben darstellen, sei dadurch beispielsweise zum Bearbeiten von Fotos ungeeignet.

Tatsächlich setzt Apple bei seinen iMacs auf unterschiedliche Bildschirmtechnologien. Im 24-Zoll-Modell wird ein Display auf Basis der sogenannten In-Plane-Switching-Technologie (IPS) verwendet. Solche Displays können tatsächlich mehr als 16-Millionen Farben darstellen, zeichnen sich zudem durch hohe Farbtreue aus, auch wenn man den Bildschirm schräg von der Seite betrachtet. Diese Eigenschaften sind gerade bei großen Bilddiagonalen wichtig, da sich der Blickwinkel des Betrachters vom Zentrum des Bildschirms zu dessen Seiten hin schon verändert, wenn man nur den Kopf dreht.

Im billigeren 20-Zoll-iMac hingegen verbaut Apple ein sogenanntes Twisted Nematic-Display (TN). Dessen Farbdarstellung ist deutlich stärker vom Blickwinkel abhängig. Vor allem aber kann es weit weniger Farben darstellen als das IPS-Display des größeren iMac. Nur rund 260.000 unterschiedliche Schattierungen bringt es zustande - das sind nur 1,6 Prozent der versprochenen "Millionen Farben". Weitere Farbtöne werden mit technischen Tricks erzeugt. So kann dem Auge eine physikalisch nicht darstellbare Farbe vorgegaukelt werden, indem in schneller Folge der fehlenden Farbe nahe liegende Schattierungen angezeigt werden.

Der Unterschied zwischen den beiden Panel-Typen war Testern schon früh aufgefallen. So attestierte die Computerzeitschrift "c't" dem 20-Zoll-iMac zwar sehr gute Werte für Kontrast und Leuchdichte, bemängelte jedoch deutliche Schwächen bei der Darstellung von Grauverläufen.

Die Klägerin, Chandra Sanders aus Texas, will ihr Anliegen gegen Apple nun zur Massenklage ausweiten. Diesem Ansinnen schließt sich auch ihre Anwaltskanzlei an. In solchen Prozessen werden in den USA oft Streitwerte in vielstelliger Millionenhöhe verhandelt. Ums liebe Geld gehe es dabei aber nicht, behauptet Anwalt Brian Kabateck gegenüber " The Register". Vielmehr wolle man mit den Verfahren den betrogenen Apple-Kunden helfen und dafür sorgen, "dass Apple in Zukunft die Wahrheit sagt".

Wie üblich hat es Apple auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE abgelehnt, eine Stellungnahme zum laufenden Verfahren abzugeben.

mak



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