Bildbearbeitung Photoshop-Mops trägt Majorsuniform

Ein paar vergilbte Fotos aus der Kaiserzeit, Photoshop und die Tipps eines Profis - so wird aus Familienfotos ein surreales Erzählprojekt, in dem Schafe predigen, Hunde Flotten kommandieren und eine Ziege mit Pickelhaube posiert.

Ein Bild muss für sich stehen können. Doch ist es oftmals interessanter, wenn man seinen Bildern durch Texte eine zusätzliche Bedeutung gibt. Die meisten Fotografen beschränken sich in dieser Hinsicht maximal auf einen Bildtitel. Rike Mahlberg erzählt dagegen in ihren Arbeiten gerne lange Geschichten, bestehend aus mehreren Bildern und Texten. Oder sie geht noch einen Schritt weiter und liefert – wie in diesem Fall – dem Betrachter die Ausstattung, um eigene Geschichten aus einer Szene heraus weiterzuentwickeln.

Also eine Art Gesellschaftsspiel mit selbstgestalteten Spielkarten aus Photoshop. Das Projekt "Ahhhhhnen" zeigt exemplarisch, wie man mit collagierten Bildern eine virtuelle Welt erschaffen kann, die Raum für die eigene Fantasie lässt.

Zunächst hatte die Künstlerin Vintageprints aus dem Familienalbum gescannt und diese anschließend mit Tierköpfen verfremdet. Als die Ahnengalerie bildlich fertiggestellt war, erhielten die Charaktere eine erzählerische Grundausstattung. Also einen Namen, Beziehungen zueinander und ein paar verbindende Handlungselemente, die eine kleine, szenische Geschichte ergaben.

Stilistisch bedient sich Mahlberg dabei bild- wie textlich der Ästhetik der Kaiserzeit. Um die Grundzutaten von interessierten Betrachtern weiter ausgestalten zu lassen, lud Rike Mahlberg die fünf Bilder einzeln mit entsprechender sprachlicher Verlinkung in die Fotocommunity, wo sich mittels der Kommentarfunktion bald eine ganze Reihe von mehr oder weniger geistreichen Weiterentwicklungen fanden.

Was dabei herauskam, kann jeder selbst nachlesen . Wir wollen uns hier auf die Photoshop-technische Seite des Projekts konzentrieren und am Beispiel des Dr. Eselsohr zeigen, wie solche Mischwesen entstehen. Was genau dafür zu tun war, erklärt Rike Mahlberg in eigenen Worten. (ck)

Originalscan

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Die Vorlage aus den 1870er Jahren war im familiären Fotoalbum eingeklebt und konnte dank eines handelsüblichen Flachbettscanners dort auch bleiben. Wichtig ist nur, die zeittypischen Elemente wie die Verfärbungen, Ausbleichungen und die abgegriffenen Ränder zu erhalten. Beim Scannen schalten Sie also alle Bildoptimierungen ab und behalten die spätere Ausgabegröße im Auge.

Der Esel

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Da es bei solchen Projekten nicht um höchste Auflösungsqualität geht, sondern um eine authentische Anmutung, kann man meist mit Ausschnitten von heutigen Fotografien arbeiten, um zu Collageelementen zu kommen. Der Eselskopf wird zunächst freigestellt und dann in einem Durchgang skaliert und gedreht, bis er zur Haltung des Originals passt. Was danach vom Originalkopf noch übersteht, wird einfach weggestempelt.

Farbumwandlung

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Bei bromierten Bildern wie diesem muss nun das Farbbild an den Bromton angeglichen werden – zumindest ein wenig. Dazu wird der Eselskopf entsättigt und im nächsten Schritt mit dem Dialog "Farbbalance" getont. In der Regel reicht es aus, den Bromton über eine Verschiebung der Mitteltonregler in Richtung Gelb und Rot hervorzurufen. Ganz präzise muss die Anpassung nicht erfolgen, da später weitere Maßnahmen zur Tonwertkorrektur die Unterschiede ausgleichen.

Details anpassen

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

In diesem Bild spiegelte ich zunächst den Eselskopf, damit die Blickrichtung stimmt. Danach habe ich die Mütze ausgewählt, auf eine eigene Ebene kopiert und mit passenden Löchern für die Eselsohren versehen. Bis sie auf den Kopf passte, musste ich sie allerdings noch erheblich transformieren. Damit der Esel eine richtige Frisur bekam, habe ich ihm noch ein paar Ponyfransen von der rechten Stirnseite kopiert, die nun unter der Mütze hervorlugen.

Kontrast vertiefen

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Die Wirkung eines Bildes hängt maßgeblich am Kontrast. Hier ist er noch etwas zu flau, aber mit einem kleinen Trick lässt er sich subtil verstärken: Fassen Sie alle bisher erzeugten Ebenen auf einer neuen Ebene mit dem Befehl "Befehl-/Strg-,Alt-, Umschalt und E-Taste" zusammen, erzeugen eine Ebenenkopie und wandeln Sie die untere Ebene in Graustufen um. Ändern Sie den Verrechnungsmodus der Ebenenkopie in "Weiches Licht". Wenn Ihnen das Ergebnis zu hart erscheint, können Sie die Graustufenebene wieder leicht einfärben oder die Deckkraft zurücknehmen.

Strukturebene

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Noch passen der digital fotografierte Kopf und der Körper aus dem alten Foto ästhetisch nicht so recht zusammen. Legen Sie eine schwarzweiße Struktur darüber und verrechnen Sie diese Ebene im Modus "Weiches Licht" mit reduzierter Deckkraft. Dadurch entsteht eine optische Einheit. Ich habe hier übrigens eine Steinplatte als Struktur gewählt, die zwar inhaltlich nicht zum Thema passt, ihre Aufgabe dennoch glänzend erfüllt.

Optionales Teilbleichen

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Mir erschien das Ergebnis an dieser Stelle noch immer etwas zu glatt, weshalb ich mich entschied, das Bild punktuell noch ein wenig auszubleichen. Dazu erzeugte ich wiederum eine Ebenenkopie des zusammengefassten Bildes, wählte den Dialog "Beleuchtungseffekte" und setzte dort drei Spots auf die entsprechenden Stellen. Mit dem Ebenenmodus "Aufhellen" und einer Deckkraftreduktion auf 13 Prozent bleiben die Eingriffe subtil. Dies muss jedoch von Bild zu Bild variiert werden.

Finetuning

Foto: Rike Mahlberg / DOCMA

Zum Abschluss habe ich erneut ein zusammengefasstes Ebenenduplikat erzeugt, dieses mit dem "Gaußschen Weichzeichner" leicht angepasst und dann die Ebenenbereiche ausgeblendet, die den Kopf betreffen. Somit tritt der Kopf fast unmerklich etwas klarer hervor. Damit das Hemd nicht so strukturlos leuchtet, wurde ihm mit dem Nachbelichter noch ein wenig Kontur aufgemalt. Dieses Werkzeug haben ich auch noch für einige weitere eher malerische Eingriffe genutzt, mit denen ich der Oberfläche der einzelnen Bildelemente mehr Tiefe verliehen habe.