Billig gehts auch Kostspielige PC-Schnäppchen

Wer einen Wagen für den täglichen Einkauf braucht, kauft selten einen LKW. Beim PC-Einkauf ist das anders: Selbst Anwender, die nicht mehr als Tippen und Surfen wollen, kaufen mit Vorliebe fast Nasa-fähige Kraftpakete. Wozu eigentlich?


Wer wirklich sparen will, sollte nicht "von der Stange" kaufen
mm.de

Wer wirklich sparen will, sollte nicht "von der Stange" kaufen

Wer sich einen Rechner kaufen will, der jeweils auf der Höhe der Zeit ist, zahlt dafür seit Jahren rund 1000 Euro (früher 2000 Mark). Bei gleich bleibendem Preisniveau schraubt sich dabei das Leistungsvermögen der Rechenmaschinen immer höher - was heute bei Aldi, Tschibo oder Lidl über die Kassenbänder rollt, hätte vor wenigen Jahren noch so manchen Nasa-Techniker erfreut.

Vernünftig, meint die "PC Welt" in ihrer aktuellen Ausgabe, ist das nicht gerade. Denn längst schon nutzen die PC-User nur noch einen Bruchteil der Kapazitäten, die solche Kraftpakete bieten: Wer nicht exzessiv und grafisch aufwändig spielt, Videoschnitt sein Hobby nennt oder seinem Rechner echte Rechenaufgaben abverlangt, kommt gut mit weniger aus.

So entpuppt sich so manches "Schnäppchen" letztlich als Über-Investment. Individuell konfigurierte Rechner, rät die "PC Welt" nach einem Test von 13 neuen Komplettsystemen aus dem Fachhandel, sind häufig die bessere und preiswertere Wahl. Damit sich Discounter-PCs von der Stange in hohen Stückzahlen verkaufen, stecke in den Geräten oft mehr Ausstattung, als der Anwender brauche. Folglich gehe durch die ungenutzte Hard- und Software der erwünschte Preisvorteil häufig verloren.

"Aldi-Day" im November 1999: Früher übernachteten Kunden vor den Märkten, um eines der preisbrechenden Angebote zu bekommen
DPA

"Aldi-Day" im November 1999: Früher übernachteten Kunden vor den Märkten, um eines der preisbrechenden Angebote zu bekommen

Statt voreilig zum Discounter-PC zu greifen, sollten sich Anwender im Fachhandel beraten lassen, rät das Magazin. Durch einen individuell abgestimmten PC könne so mancher Euro gespart werden.

Videospezialisten und Digitalkamera-Fans zum Beispiel, die ihre Daten auf den Rechner übertragen und dort bearbeiten wollen, sollten auf eine schnelle Festplatte, viel Speicherleistung und einen so genannten Firewire-Anschluss achten. Dies alles biete beispielsweise der JE-Computer Cool Media für rund 1150 Euro. Zudem sei das Gerät mit einer schnellen Grafikkarte ausgestattet und damit auch für aktuelle PC-Spiele gut geeignet.

Für heimische Schreibarbeiten seien dagegen keine teuren High-End-Grafikkarten oder Arbeitsspeicher mit 512 Megabyte oder mehr notwendig. Für den PC-Arbeitsplatz zu Hause biete der HP Business Desktop DX6050 für rund 750 Euro bereits eine gute Leistung.

Noch preiswerter wird es, wenn man auf Anbieter zurückgreift, die "PC Welt" nicht im Test hatte: Mit den Markenherstellern konkurrieren zahlreiche Assembler und Versandservices, die ihre Produkte in der Regel über die Anzeigenteile von Fachmagazinen bewerben. Pragmatisch bestückte Rechnersysteme mit einem 2-Ghz-Prozessor (Tendenz aufwärts) und einer 40 GB Festplatte sind bei bei ihnen derzeit schon ab etwa 350 Euro aufwärts zu haben, mit vorinstallierter Software ab 400 Euro. Solche Systeme beruhen auf Standard-Bauteilen, die Label-los oder als Handelsmarken zu Komplettpaketen montiert werden. Viele solche Anbieter erlauben eine völlig freie Zusammenstellung diverser Standard-"Zutaten".



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