Blackout in New York Computer sollen genaue Chronik errechnen

Ingenieure, Mathematiker und Computerexperten in den USA stehen vor einer Sisyphus-Aufgabe. Aus einer gigantischen Menge von Daten sollen sie den Grund für den Black-Out in und um New York finden. Eine genaue Chronik der Ereignisse soll Stromausfälle in Zukunft verhindern.

New York - Die Computerexperten setzen bei ihren Recherchen auf Ermittlungstechniken, die auch nach Flugzeugabstürzen zum Einsatz kommen. Computer erproben dann mögliche Szenarien und vergleichen sie mit den vorliegenden Daten. "Wir werden uns jede Sekunde ansehen, um festzustellen, wie diese Schockwelle über uns hereinbrach und warum wir sie nicht stoppen konnten", sagt Stephen Allen, der Sprecher des Northeast Power Coordinating Council. "Innerhalb von sieben bis zehn Tagen wird uns eine sehr genaue Chronik vorliegen, fast Sekunde für Sekunde", so der Experte.

Der Koordinierungsrat fungiert als Kontrollgremium der Stromversorger im Nordosten der USA und in Kanada. Er und neun weitere Räte wurden nach dem Stromausfall von 1965 gegründet, als sieben US-Staaten und zwei kanadische Provinzen von der Versorgung abgeschnitten waren. Bis Donnerstag kümmerten sich die Koordinierungsräte um die gleichmäßige Verteilung des Stroms und ausreichende Reservekapazitäten.

Jetzt stellen der Northeast Power Coordinating Council und der Mid-Atlantic Area Council Expertenteams zusammen, die ermitteln sollen, wie innerhalb einer Stunde hunderte Elektrizitätswerke und tausende Kilometer Leitungen ausfallen konnten. Die Antwort liegt möglicherweise in der zunehmenden Komplexität des nationalen Stromnetzes, die gleichzeitig auch die Ermittlungen erschwert. Doch auch die elektronischen Gehirne haben ihre Grenzen. "Nicht einmal der beste Computer kann das ganze System überblicken und alle Schwachpunkte feststellen", erklärt der Physiker Phillip Schewe, der gerade ein Buch über den Blackout von 1965 schreibt. "Komplizierte, stark verwobene Systeme wie dieses bewegen sich ständig auf einen kritischen Zustand zu."

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Koordinierungsräte auf Bundesebene (NERC), Michehl Gent, hat sich der Stromausfall so schnell ausgebreitet, dass einige wichtigen Momente möglicherweise nicht aufgezeichnet worden sind. Spezialisten begannen bereits mit der Sammlung der Daten aus Stromkreisunterbrechern und Sensoren. Aufzeichnungen der Stimmenrekorder in den Kontrollräumen sollen den Ermittlern Hinweise auf mögliche Fehler der Mitarbeiter liefern. "Ein Flugzeug hat eine Black Box", sagt Allen. "Wir haben hunderte."

Die Räte wollen auch Wetterdaten in ihre Überlegungen einbeziehen, um zu prüfen, ob möglicherweise doch ein Blitzeinschlag als Ursache für den Stromausfall in Frage kommt.

Die gesamten Daten werden dann in Computer eingegeben, die die Stunden des Stromausfalls immer wieder rekonstruieren und die Informationen mit den Hypothesen vergleichen sollen. "Wir können einen Computer nehmen und ihn das System zeigen lassen, wie es um 15.00 Uhr am Donnerstag existierte. Dann können wir Minute für Minute sehen, wie sich die Daten veränderten", erklärt der Manager des Mid-Atlatic Area Council.

Anhand der gesammelten Informationen der Versorger werden die eingerichteten Untersuchungsausschüsse ihre Arbeit verrichten und schließlich eine Empfehlung an die Regierungen in den USA und Kanada abgeben können. "Was geschah, liegt auf den Computern zahlreicher Unternehmen", sagt NERC-Sprecher Ellen Vancko. "Die endgültige Analyse wird sehr komplex sein."

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