Bluetooth sei Dank BlueTags legt Kinder an die Leine

Kinder, Eltern wissen das, haben Hummeln im Hintern. Ein, zwei Sekunden nicht aufgepasst, und die lieben Kleinen sind verschwunden. Das will BlueTags ändern: mit einer Art "elektronischen Fußfessel" für Kinder.


"Komm, lass uns abhauen!" - "Keine Chance, ich bin verwanzt!"
DPA

"Komm, lass uns abhauen!" - "Keine Chance, ich bin verwanzt!"

Hannover - Anfang der Neunziger erlebten "Geschirre" für Kinder ein Revival, mit Lederriemen verbundene kleine Korsette für Kinder - und fanden ein sehr geteiltes Echo. "Praktisch", meinten die einen, "seelische Grausamkeit", entgegneten die anderen. Manche Eltern schworen und schwören bis heute auf die "Hundeleine für Kinder", die den Filius zwar am Fortkommen hindert, allerdings auch effektiv verhindert, dass er abhanden kommt.

Das, meint das dänische Unternehmen BlueTags, könnte man doch auch zartfühlender regeln - und macht gestressten Eltern Hoffnung, die "Hundeleinen für Kinder" ablehnen und die sich auch darum immer wieder auf die Suche nach ihren lieben Kleinen machen müssen.

Die Lösung des Problems scheint dem amerikanischen, "teiloffenen" Strafvollzug mit "elektronischen Fußfesseln" entlehnt: Wenn der kleine Ableger entläuft, nützt ihm das vielleicht bald gar nichts mehr - denn BlueTags will Kinder verwanzen. Die elektronischen Anhänger von BlueTags könnten in Zukunft ihre jeweilige Position auf spezielle Handys oder Kleincomputer übermitteln, meint BlueTags-Präsident Carlos Östby.

Dafür müssten die Anhänger aber noch mit der neuen Funktechnologie Bluetooth ausgerüstet werden.

Noch mal im Ernst: Koffer statt Kinder

Mit diesem drastischen Beispiel für eine Nutzanwendung von Bluetooth hat Östby sein Ziel erreicht und erfolgreich auf seine "Finde-Technologie" aufmerksam gemacht. Die findet bald eine weit nahe liegendere Anwendung: An Koffern, die zwar - wie Kinder - gern verloren gehen, selbst aber eher selten Dinge verlieren.

Tatsächlich könnten die BlueTags-Geräte, die Chipkarten ähneln, schon jetzt als Gepäckanhänger eingesetzt werden. Sie könnten Daten des Besitzers und Informationen zum Reiseziel speichern.

Spezielle Empfänger lesen Östby zufolge diese Daten und dirigieren die Koffer dann zur richtigen Maschine. In der zweiten Jahreshälfte 2001 wolle BlueTags gemeinsam mit dem amerikanischen Anbieter von Reservierungssystemen Sabre beginnen, diese ersten Modelle zu vertreiben.

Nach dem zusätzlichen Einbau von Bluetooth in den Anhänger könne beispielsweise ein Koffer auch seine Ankunft auf dem Band der Gepäckabholung signalisieren, sagte Östby. Als Empfänger dienten Bluetooth-Geräte wie Handys oder Mini-Computer. Die Auslieferung dieser weiterentwickelten Anhänger sei für das zweite Quartal 2002 vorgesehen. Neben dem Einsatz zur Überwachung von Kindern könnten diese Anhänger auch als mobile Alarmanlage dienen: Sobald sich der Anhänger beispielsweise an einem Koffer entferne, erhalte der Besitzer eine Nachricht auf seinem Handy.

Der Name BlueTags setzt sich Bluetooth und dem englischen Wort für Anhänger (Tag) zusammen.

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