Brennsoftware für Macs Mit Blu-ray und blauem Rauch

Mit der Software Toast 8 können Mac-Anwender schon jetzt Blu-ray-Scheiben brennen - wenn sie einen passenden Brenner finden. Dem Lowcost-Konkurrenten Disco fehlt diese Option. Dafür brennt er CDs und DVDs, bis der Mac qualmt.


Groß ist die Auswahl nicht, will man sich eine Software zum Brennen von CDs und DVDs für seinen Mac zulegen. Warum auch? Schließlich sind grundlegende Brennfunktionen bereits in das Betriebssystem integriert. Von iTunes aus kann man Musik-CDs brennen, mit iPhoto das Bildarchiv sichern und mit iMovie die Urlaubsfilme auf DVD bannen. Alles Übrige, also Texte, Tabellen und was sonst noch so an un-medialen Materialen am Mac produziert wird, schmeißt man in sogenannte "Brenn-Ordner", die per Mausklick auf rotierende Datenträger gebrannt werden.

Als einzige Alternative gab es bislang die Software "Toast"von Roxio, welche sich bei Windows-Anwendern mit "WinOnCD" einen Namen gemacht haben. Toast ist jüngst in seiner achten Version auf den Markt gekommen und glänzt vor allem durch die Möglichkeit, neben CDs und DVD auch Blu-ray-Disks mit bis zu 50 Gigabyte zu brennen.

Blu-ray für die Minderheit

Diese Funktion ist allerdings noch sehr vorausschauend implementiert. Einen Mac mit eingebautem Blu-ray-Brenner gibt es noch nicht und entsprechende Laufwerke zum Selbsteinbau belasten das Portemonnaie mit Preisen ab 700 Euro. Für die meisten Anwender dürfte diese Funktion also vorerst kaum Bedeutung haben.

Dafür präsentiert sich Toast dem Anwender mit einer ausgesprochen aufgeräumten und optisch ansprechend gestylten Oberfläche. Die einzelnen Abteilungen zum Brennen von Daten- und Musik-CDs, Video-DVDs und anderem sind per Mausklick abrufbar. Wer sich mit den als Standard eingestellten Optionen begnügt, kann die zu brennenden Daten einfach mit der Maus in das entsprechende Programmfenster ziehen und los geht's. Erst wenn man die höherwertigen Funktionen der Software nutzen will, werden diese per Mausklick freigegeben. Dann kann man beispielsweise Video-DVDs von eigenen Filmen erstellen, die mit animierten Menüs den Eindruck professioneller Produktionen erwecken.

Voll integriert

Die Integration in Apples Mac OS X ist vollständig gelungen. So hat man über einen "Media Browser" Zugriff auf die vom Betriebssystem angelegten Ordner, in denen Musik, Filme und Bilder abgelegt werden. Auf diese Weise kann man beispielsweise das Auswahlmenü der selbstgebrannten Video-DVD mit eigenen Fotos und dem Lieblingssong als Hintergrundmusik unterlegen.

Allerdings wurde Toast 8 nicht nur in das Mac OS integriert. Auch so manche externe Applikation arbeitet scheinbar nahtlos mit der Software zusammen. Die Integration mit dem nur in den USA erhältlichen digitalen Videorekorder TiVo mag dabei hierzulande zu vernachlässigen sein. Wichtiger ist die Zusammenarbeit mit der TV-Software der Firma Elgato. Hat man mit deren Hilfe nämlich eine Fernsehsendung aufgezeichnet, lässt sie sich mit einem einzigen Mausklick in Toast transferieren und auf eine Video-CD oder -DVD brennen. So kann man auf einfache Weise ganze Serien archivieren.

Natürlich können auch komplette DVDs kopiert werden - sofern sie nicht kopiergeschützt sind. Handelt es sich dabei um eine doppelseitige Vorlage, komprimiert die Software diese auf Wunsch automatisch so um, dass sie auf einen der preisgünstigen einlagigen Rohlinge passt. Ein weiteres Highlight ist, dass Toast auch Audio-DVDs erzeugen kann. So kann man bis zu 50 Stunden Musik mit Dolby Digital-Sound auf einer DVD unterbringen. Dass die Software darüberhinaus in der Lage ist, Filme in iPod-, PSP- und Handy-konforme Formate umzuwandeln, mag da als willkommene Dreingabe angesehen werden.

Ebenso üppig wie der Funktionsumfang ist allerdings auch der Preis. Knapp 100 Euro werden fällig, wenn man die Software in Roxios Online-Shop erwirbt.

Disco-Schnäppchen

Dass es auch günstiger geht, zeigt ein bisher weithin unbekanntes Team von Programmierern aus den Niederlanden. Deren Brenn-Software "Disco" ging erst vor wenigen Tagen an den Start und lockt mit einem Einführungspreis von 14,95 Euro.

Der Funktionsumfang kann allerdings nicht mit dem von Toast mithalten. Das Highlight ist eindeutig die "Discography" genannte Datenbank. Die führt akribisch Buch über jede Datei, die man jemals mit der Software auf einen Datenträger gebannt hat. Glücklich, wer dann auch noch weiß, in welcher Ecke die vom Programm genannte CD herumliegt. Nett ist auch die "Spanning"-Funktion. Die ermöglicht es, große Dateien oder überbordende Datenmengen auf mehrere Datenträger zu verteilen. Eine feine Sache, die Toast allerdings auch kann.

Die Integration Mac-typischer Features ist den Disco-Machern gut gelungen - zumindest optisch. So erscheinen die Programmfenster in einem halbtransparenten Rauchglas-Look, sofern die Grafikkarte das hergibt. Eine Integration Mac-typischer Datenstrukturen, wie bei Toast, haben die Programmierer leider nicht vorgesehen. Sehr originell ist allerdings, dass Disco auch den Erschütterungssensor der Apple-Notebooks überwacht und bei argen Rüttlern den Brennvorgang unterbricht, um Brennfehler zu vermeiden. Ein charmantes, wenn auch sinnfreies Goodie ist der virtuelle Rauch, den Disco beim Brennen emittiert und der sich durch Pusten in ein Mikrofon wegblasen lässt. Würde das Ende des Brennvorgangs dann noch mit weißem Rauch signalisiert, könnte man sich bei einer Papstwahl wähnen.

Lieber ein Toast als in die Disco

Das Urteil fällt eindeutig aus: Disco kann nur gebrauchen, wer für kleines Geld ein Tool braucht, mit dem sich Datenberge über mehrere Disks verteilt sichern lassen. Toast hingegen wartet mit einer geradezu überbordenden Fülle an Funktionen auf.

Ihm spürt man die Reife seiner langjährigen Entwicklung an. Obwohl das Programm mittlerweile zu einem wahren Funktionsmonster angewachsen ist, gibt es sich nach außen hin ganz bescheiden und übersichtlich. Das lädt dazu ein, sich auch mal an einer Audio-DVD oder einer Photo-CD zu versuchen. Dinge eben, die mit dem Mac OS allein nicht möglich wären.

mak

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