Cebit-Protest Greenpeace ist die IT nicht grün genug

Green IT ist das große Thema der Cebit, was lobenswert sei - meint Greenpeace. Und das, obwohl es eigentlich Hochstapelei ist, denn die größten Probleme würden kaum angesprochen. 50 Millionen Tonnen E-Schrott zum Beispiel. Auf der Cebit schwang Greenpeace Zuckerbrot und Peitsche.


Hannover - "Green IT" - kein Thema wird in diesem Jahr von Cebit-Messeleitung wie Aussteller-Unternehmen so forciert in die Öffentlichkeit gebracht, wie das angeblich wachsende Engagement der IT-Branche für Umwelt und Klimaschutz. Gut sei das, lobt die Umweltschutzorganisation Greenpeace, aber leider bildeten die öffentlichkeitswirksamen Kampagnen nur einen Teil der Realität ab. Ein Bemühen um geringeren Stromverbrauch mache noch keine grüne IT, da seien weitere Schritte nötig, forderte Greenpeace am Mittwoch auf der Cebit in Hannover.

Haufenweise Schrott: Auf der Cebit warb Greenpeace mit einer Ausstellung eher älterer IT-Geräte für mehr Umweltbewusstsein
AFP

Haufenweise Schrott: Auf der Cebit warb Greenpeace mit einer Ausstellung eher älterer IT-Geräte für mehr Umweltbewusstsein

Tatsächlich gibt es wenige Branchen, die mehr Schrott produzieren und sich bei der Fertigung ihrer Waren in so hohem Maße auf giftige Stoffe stützen wie die IT- und Elektronik-Industrie.

"Hinter dem strahlenden Hochglanz-Image der IT-Branche verbirgt sich eine traurige Realität", sagte Greenpeace-Aktivistin Zeina Al Hajj aus Amsterdam. Jährlich gebe es nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 50 Millionen Tonnen Elektroschrott. Damit könnte alle sieben Stunden ein Eiffelturm gebaut werden, sagte Al Hajj. "Und wir haben nicht die geringsten Informationen, wo 75 Prozent des in der EU anfallenden Elektroschrotts hingehen."

Es werde vermutet, dass ein großer Teil davon nach China, Indien, Thailand oder in andere Entwicklungsländer verschifft werde und dort nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Menschen belaste.

Greenpeace stellte die Ergebnisse einer Studie vor, bei der 37 Computer, Handys und PDAs (mobile Kleincomputer) von 14 Unternehmen untersucht wurden. Kriterien waren Energieverbrauch, Lebensdauer und Verwendung umweltschädlicher Materialien. Kein einziges Gerät habe dabei zehn von zehn möglichen Bewertungspunkten erreicht, teilte Greenpeace mit.

Immerhin fünf Punkte erreichten ein Notebook und ein PDA von Sony sowie ein Handy von Sony Ericsson. Elektronische Bauteile ohne giftige Stoffe wie Antimon und Beryllium gab es der Studie zufolge in den Geräten von Sony, Toshiba, Nokia, Fujitsu-Siemens, Samsung und LG Electronics. Bei der Energieeffizienz erzielten die Computer von Dell und die Ladegeräte von Motorola und Hewlett-Packard die besten Ergebnisse.

Greenpeace forderte die IT-Hersteller zu einer umfassenden CO2-Bilanz aller Produkte auf. Außerdem sollte die Lebensdauer der Geräte erhöht und bereits bei der Entwicklung neuer Produkte auf die Recycling-Möglichkeiten geachtet werden. Bei der Herstellung elektronischer Geräte sollten weder PVC noch bromierte Flammschutzmittel (BFR) verwendet werden, verlangten die Umweltschützer.

pat/AP



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