Computer-Viren Sowjetische Klänge nach Navidad

Zum Jahreswechsel ziehen viele Viren durchs Internet. Wenn beispielsweise die Hymne der Sowjetunion am 1. Januar unverhofft aus dem Computer dröhnt, war W95.Ussrhymn@m am Werk.


W95.Ussrhymn@m verbreitet sich über infizierte Dateien aus dem Internet, Intranets oder Disketten. Besonders hinterhältig: Der virtuelle Schädling wird nicht von allen Anti-Viren-Programmen erkannt. Einmal im Computer aktiviert er sich am 1. Januar, bremst den Rechner, überschreibt wichtige Systemdateien. Zum Hohn spielt er dabei die Hymne der UdSSR. W95.Ussrhymn@m ist verheerend, verbreitet sich jedoch relativ langsam.

Wesentlich schneller greift der E-Mail-Wurm "Navidad" (Spanisch: "Weihnachten") um sich. Der Hersteller von Antiviren-Software, McAfee, vermutet, dass der zweifelhafte Weihnachtsgruß aus Südamerika stammt. Er verbreitet sich genauso wie "I-Love-You" selbstständig über das E-Mail-Programm "Outlook" von Microsoft. "Navidad" kommt als E-Mail-Anhang auf den Rechner, nistet sich ein, verschickt E-Mails an alle im Adressbuch gespeicherten Kontakte und platziert ein Auge in der System-Tray rechts unten in der Task-Leiste.

Doch "Navidad" wird von McAfee nach heutigem Wissenstand als verhältnismäßig harmlos eingestuft. Ein paar Fenster gehen auf, bombardieren den Nutzer mit spanischen Mitteilungen wie etwa "Wir beobachten dich", "Niemals diesen Knopf klicken" und "Fröhliche Weihnachten: Du konntest leider der Versuchung nicht widerstehen, nun ist der Computer verloren". Doch die Drohung entpuppt sich - nach Angaben von Virenexperten - als schlechter Scherz. Der Rechner nimmt keinen Schaden.

"Navidad" kann leicht vom Computer verbannt werden. Man muss einfach nur das Auge im System-Tray anklicken, das sich öffnende Fenster mit einem Klick auf das X in der oberen rechten Ecke schließen. Die folgende Meldung mit "Okay" bestätigen, und der Wurm ist zerstört. "Da wollte sich nur jemand einen Witz erlauben", sagt der Londoner Computer-Experte Ian Murray. "Der Programmierer wollte den Leuten nicht schaden, sondern nur sein Können beweisen."

Doch häufig sind nicht die Viren das Problem, sondern die Warnungen vor ihnen. "Wir haben Tonnen von weitergeleiteten E-Mails von hilfsbereiten Menschen, die im guten Glauben falsche Virus-Warnungen an uns schicken", klagt Dennis McGowan, Administrator bei PicMag. Dadurch werde der eigene Mail-Server häufig an den Rand seiner Leistung gebracht. Besonders schlimm sei es zum Jahreswechsel. McGowan: "Dann häufen sich die Falschmeldungen."

Ein Teil der Warnungen sei durchaus berechtigt, sagt McGowan. So seien in diesem Jahr auch wieder "Baby-New-Year" und "Happy-New-Year", die 1999 aufgetaucht waren, im Umlauf.



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