Computerlegende Die Auferstehung des Apple 1
Cleveland - In Vince Briels Garage wird schon seit einiger Zeit kräftig gebastelt. Der Computertechniker aus Cleveland (Ohio) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Ab dem 11. Oktober will er die ersten "Replica"-Modelle ausliefern, fast originalgetreue Kopien des Apple 1.
Auf seiner Internetseite nimmt Briel bereits erste Bestellungen für 199 Dollar entgegen. "20 Aufträge habe ich schon bekommen und jeden Tag werden es mehr", teilte Briel SPIEGEL-ONLINE mit.
Den Startschuss hat das Vorhaben laut eines Berichts des amerikanischen Fachmagazins "Wired News" zuletzt durch den Apple-1-Erfinder höchstpersönlich bekommen. Steven "Woz" Wozniak erlaubte Briel per E-Mail, seine Pläne für den ROM-Speicher zu benutzen.
"Woz", der 1985 bei Apple ausgestiegen war, wollte aber nicht ausschließen, dass das Unternehmen die Pläne mittlerweile rechtlich geschützt hat. Er gab seinem emsigen Nachahmer deshalb folgenden Tipp: "Am besten sagt man, dass die Pläne mir gehören und dass ich sie öffentlich gemacht habe."
Für Briel war es das Signal, auf das er gewartet hatte. Zuvor hatte er sich vergeblich bei Apple um eine Genehmigung bemüht. Das Unternehmen hatte alle Anfragen nicht beantwortet.
Sein Engagement begründet Briel denkber einfach: "Der Apple 1 ist der König unter den alten Rechnern. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mir nie einen leisten kann. Da habe ich beschlossen, eine Kopie zu entwerfen."
Voriges Jahr war in München beim "Vintage Computer Festival" ein Apple 1 für 14.000 Dollar versteigert worden. Zu Zeiten des New Economy Booms zahlte ein Liebhaber sogar 50.000 Dollar.
Briel geht es nach eigener Aussage aber nicht ums Geld. Er wolle durch seine Arbeit vielmehr Interesse für die Geschichte der Computer wecken und das 8-Bit-Zeitalter aufs Neue erfahrbar machen.
Das war nicht immer einfach. "Ich habe viel Zeit darauf verwendet, die Funktionen meiner Kopie komplett denen des Apple 1 anzugleichen", sagt Briel. Dabei musste er viele neue Bauteile "entschärfen", indem er Funktionen außer Kraft setzte, die das Original nicht besaß.
So habe es die Kopie zunächst erlaubt, einzelne Buchstaben auf dem Bildschirm per Tastatur zu löschen. Weil das beim Original nicht möglich ist, hat Briel wochenlang daran gearbeitet, die Backspace-Funktion unmöglich zu machen.
Damit ist man auch schon bei den Extras. Eine Tastatur gehörte nämlich nicht zum Umfang des Apple 1 und wird deshalb auch bei der Kopie nicht mitgeliefert. Sie muss sich der Benutzer selbst besorgen, genau wie die passende Software.
Der Apple 1 war 1976 für 666 Dollar auf den Markt gekommen. Wozniak und Apple-Mitbegründer Steven Jobs, der heute den Konzern führt, konnten insgesamt nur 180 Exemplare verkaufen. Alle Bemühungen, Hewlett-Packard und Atari von einer Massenproduktion des Geräts zu überzeugen, schlugen fehl. Der Durchbruch gelang den beiden Computerpionieren erst ein Jahr später mit dem Apple 2.
Manuel Bödiker