Consumer Electronics Show Beam me up, Intel!

Intel inszeniert ein Sci-Fi-Spektakel: Chef Paul Otellini erklärte in Las Vegas Fax, Videokassette und CD für tot und rief das Zeitalter des Netzes aus. Ein Universalübersetzer im Handyformat und eine virtuelle Rockband sollten zeigen, wofür man Chips in Zukunft braucht.

Intel-Chef Paul Otellini blickte weit nach vorn. Auf der Bühne in Las Vegas präsentierte der Chip-Manager ein Gerät, dass der Menschheit einmal das Leben erleichtern soll. Beispielsweise, indem es gesprochene Sprache übersetzt - so wie man es vom Universaltranslator aus Star Trek seit Jahrzehnten kennt. Wie das funktionieren soll, ließ Otellini zwei Mitarbeiter demonstrieren: Einer fragt auf Englisch als US-Tourist in Peking, wo er denn zum Arbeiterstadion kommt, lässt das Gerät seine Worte aufzeichnen.

Ein paar Sekunden später rattert die Maschine die Frage in bestem Chinesisch herunter, übersetzt die chinesische Antwort ins Englische. Zudem soll das kleine Wundergerät Straßenschilder und Speisekarten übersetzen - noch allerdings ist es Science Fiction.

Die Rechenkraft für die Demonstration lieferten einige Hochleistungsprozessoren hinter der Bühne. Aber - so Otellini - in drei bis fünf Jahren werden die Chips klein, schnell und sparsam genug sein, um eine derartige Rechenleistung in Mobiltelefone und -computer zu stecken. Selbst wenn das in den versprochenen drei bis fünf Jahren Wirklichkeit würde, käme es aber auf jeden Fall zu spät für die Olympischen Spiele. Vielleicht ganz gut so - denn Fehlübersetzungen könnten in Peking durchaus zu Verhaftungen führen.

Virtualisierte Band, über den Globus verteilt

Deutlich näher an der Realität war die folgende Show, die aktuell verfügbare und zukünftige Technologien geschickt miteinander verwob. Als Stargast betrat Sänger Steve Harwell von der Band Smash Mouth die Bühne. Über die Online-Musiksoftware eJamming Audio wurde er mit seinen Bandkollegen zusammengeschaltet, die an verschiedenen Orten mit ihren Instrumenten am PC saßen. Gemeinsam spielte die via Web virtualisierte Combo die ersten Takte ihres Hits "Walking on the Sun". Derart vernetzt miteinander zu musizieren sei eine großartige Möglichkeit, mit Musikern auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, kommentierte Harwell das Experiment.

Entlassen war er damit jedoch noch nicht. Stattdessen wurde er per Digicam fotografiert und das Bild über den noch in der Entwicklung befindlichen Service Bigstage in einen Avatar verwandelt. Das Ergebnis war erstaunlich. Ohne jegliche Nachbearbeitung erzeugte das System eine relativ realistisch wirkende 3D-Version des Sängers. Um diese 3D-Figur zu animieren, wurde wiederum das System einer Firma namens Organic Motion verwendet. Von 14 Kameras wurden die Bewegungen des Sängers aufgezeichnet, in Bewegungsdaten umgewandelt und fast in Echtzeit auf seinen Avatar übertragen.

Ein Geschäft mit Zukunft

Zum krönenden Abschluss wurden Avatare der anderen Bandmitglieder samt des Harwell-Avatars in eine virtuelle Garage verfrachtet und gaben einen weiteren Song zum Besten. Der Saal tobte, Otellini war sichtlich zufrieden, gestand aber ein, dass es eines erheblichen Aufwands bedurft habe, alle Systeme so miteinander zu verknüpfen, dass am Ende ein virtuelles Konzert echter Musiker herauskam.

Noch, daran ließ Otellini keinen Zweifel, wäre es mit normalen Computern unmöglich, eine solche Veranstaltung durchzuführen. Aber genau das ist es ja schließlich, was ein Chiphersteller wie Intel braucht: Neue anspruchsvolle Anwendungen, die nur mit den neuesten Chips rund laufen und so neue Nachfrage erzeugen.

Von den Mikrochips, von denen der Hersteller lebt, war bei der Präsentation stets nur am Rande die Rede. Den größten Teil von Otellinis gut einstündiger Präsentation nahmen das Internet und neue Anwendungen für mobile Geräte ein. Wie sehr das Internet schon jetzt die Unterhaltungsindustrie prägt, demonstrierte ein Video, mit dem der Intel-Boss seine Show einleitete. Zur Musik des Achtzigerjahrehits "Video Killed the Radio Star" wurden die CD, das Fax, die Videokassette und allerlei andere Technologien für tot und durch das Internet ersetzt erklärt.

Schließlich, so erklärte es Otellini, werde das Internet die ganze Branche verändern. Intel selbst bemüht sich nach Kräften, an dieser Umwandlung teilzuhaben. Um sie zu forcieren, hat die Firma einen Chip namens Canmore entwickelt und auf der CES vorgestellt. Er vereint Computer-, Video- und Audiofunktionen und soll den Bau einer neuen Gattung webtauglicher Unterhaltungselektronik ermöglichen.

Bis die Vision vom allgegenwärtigen Web Wirklichkeit wird, gebe es jedoch noch einige Probleme zu meistern, schränkte Otellini ein. So müssten die Prozessoren noch an Leistung zulegen, schnellere drahtlose Netze installiert, neue Software und neue Benutzeroberflächen und Bedienkonzepte entwickelt werden. Mit Technologien wie etwa Hafnium-basierten Prozessoren und Wimax sieht er Intel gerüstet - und will kräftig mitverdienen.

Schon jetzt spucken Intels Fabriken zwei Milliarden auf Mikrochips gebannte Transistoren pro Sekunde aus. Und künftig werden es noch weit mehr werden - in China baut das Unternehmen gerade für 2,5 Milliarden Dollar seine nächste Fabrik. Die Geschäfte mit der Zukunft scheinen gut zu laufen.

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