Corel Painter X Der digitale Borstenpinsel

Für die neue Version des Malprogramms Painter verspricht Corel "ein organisches Mal- und Illustrationserlebnis". Zumindest für die digitalen Pinsel trifft das zu: Deren Farbauftrag trocknet erst nach vorgewählter Wartezeit. Da ist die digitale Schmiererei garantiert.


Frankfurt/Main - Dick gleitet der Pinsel über die Leinwand, hinterlässt an den Borstenrändern dünne Farbstreifen, die sich mit bereits aufgetragener Farbe vermischen. Was wie eine Szene aus dem Atelier eines expressionistischen Künstlers wirkt, spielt sich nur auf dem Bildschirm ab. Für Staffelei und Pinsel sorgt die Software Corel Painter, die nach gut zwei Jahren jetzt mit der Versionsnummer zehn neu aufgelegt wird.

Malsoftware Corel Painter X: Fotovorlagen in künstlerisch wirkende Bilderumwandeln
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Malsoftware Corel Painter X: Fotovorlagen in künstlerisch wirkende Bilderumwandeln

Die Entwickler des kanadischen Unternehmens haben das Zusammenspiel von Pinsel, Farbe und Leinwand auf ein neues realistisch wirkendes Niveau gebracht. Beim Painter IX lag der Schwerpunkt auf der Farbe. Bei der "digitalen Wasserfarbe" kann man selbst entscheiden, wann die Farbe trocknen und wie lange sie flüssig bleiben soll. Der Painter X bietet nun einen neuen Kasten mit unterschiedlichen Borstenpinseln, deren Fähigkeiten allerdings erst bei Verwendung eines Grafiktabletts anstelle der Maus zum Tragen kommen. Je stärker der Druck auf den Pinsel, desto breiter der Farbauftrag.

Für das Gestalten der Leinwand bietet das Programm nun ein neues Werkzeug für den Goldenen Schnitt - jenes perfekte Verhältnis von 1:1,61803, das vermutlich schon von Leonardo da Vinci bewusst eingesetzt wurde. Das Programm legt dazu Linien über die Leinwand, die dabei helfen, die besonders wichtigen Motivelemente eines Bildes zu platzieren.

Wenn den digitalen Künstler das Grauen vor der noch leeren Leinwandfläche packt, kann er auch ein Foto als Ausgangspunkt für sein Werk verwenden. Mit Hilfe der "Underpainting"-Palette wird das digitale Bild auf die Umwandlung in ein Gemälde vorbereitet. Je nach Absicht können dabei Stilrichtungen wie impressionistisch, klassisch oder modern vorgegeben werden. Regler für Kontrast oder Weichzeichner passen die Pixel an das gewünschte Ergebnis an. Außerdem können Farbtöne und Sättigung nach dem Muster eines anderen geöffneten Bildes angepasst werden. "Auto-Painting" gibt dem Digitalmaler einen Pinsel in die Hand, der dem Konturenverlauf der Fotovorlage folgt. Entfernt sich die Malerei zu sehr vom fotografischen Vorbild, können mit der "Restaurationspalette" bestimmte Motivelemente wieder der Vorlage angepasst werden.

Beim Umgang mit verschiedenen Ebenen orientiert sich der neue Painter am Bildbearbeitungsprogramm Photoshop von Adobe. Auch können mit diesem Programm erstellte PSD-Dateien in ihren verschiedenen Ebenen geöffnet und bearbeitet werden. Mit den Werkzeugen "Abwedler" und "Nachbelichter" lassen sich Bildbereiche aufhellen oder abdunkeln, womit der Painter weitere Funktionen von Bildbearbeitungsprogrammen übernimmt.

Zielgruppe von Corel Painter sind Grafiker, Fotografen und Künstler. Das ebenso für Windows (ab 2000) wie für Mac (OS X ab 10.3.9) geeignete Programm erwartet einen Prozessor ab 700 Megahertz und mindestens 256 MB RAM. Bislang ist nur die englische Version erschienen. Eine deutschsprachige Ausgabe ist für die nächsten Wochen angekündigt und kann zu einem Preis von 410 Euro (Upgrade 210 Euro) bezogen werden.

Peter Zschunke/AP



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