Dateiformat So minimieren Fotografen den JPEG-Qualitätsverlust

Kameras, PCs, DVD-Player, Handys oder Navigationsgeräte – sie alle zeigen Bilddateien im JPEG-Format an. Doch Vorsicht: JPEGs haben einen eingebauten Qualitätsverlust. Das Fachmagazin "ColorFoto" erklärt, was Sie beachten müssen.
Von Heico Neumeyer

Kein Dateiformat ist so beliebt wie JPEG: Nicht nur Kameras und PCs zeigen JPEG-Bilddateien, auch DVD-Player, Handys oder Navigationsgeräte eignen sich. Freilich: Weit verbreitet ist vor allem die JPEG-Variante mit Qualitätsverlust. Wenn Sie das Bild mit geringer Qualität speichern, sparen Sie zwar Festplattenplatz und Übertragungszeit – doch feine Bilddetails sind auf immer verloren.

Qualitätsstufen, Stapelverarbeitung, Vorschau - "ColorFoto" nennt die Probleme beim beliebten JPEG-Dateiformat und zeigt, wie man sie vermeiden kann.

Qualitätsstufen


Sie entscheiden selbst, wie stark Ihre Datei im JPEG-Dateiformat schrumpft: Im üblichen JPEG-Dialog bieten Photoshop und Photoshop Elements zwölf Qualitätsstufen. 0 steht für schlechte Qualität und wenig Speicherbedarf. Stufe 12 ist höchste Qualität und höchster Festplattenverbrauch.

Die Qualitätsstufen 9,5 und 0 nebeneinander - der Qualitätsverlust wird erst bei Stufe 0 deutlicher

Die Qualitätsstufen 9,5 und 0 nebeneinander - der Qualitätsverlust wird erst bei Stufe 0 deutlicher

Foto: Colorfoto

In der Praxis nimmt man Stufe 9 oder 10 für hohe Bildqualität: Die Fehler sieht man allenfalls in einer Vergrößerung am Monitor, aber nicht in normalen Zoomstufen oder im Druck.

Wer massiv Platz oder Übertragungszeit sparen will, senkt die Qualitätsstufe auf 5. Nun werden kleinere Mängel sichtbar, doch die Dateigröße verringert sich um mindestens die Hälfte.

Übertriebene JPEG-Komprimierung erkennen Sie leicht an Geisterschatten um harte Konturen herum. Homogene Flächen zeigen Farbklötze. Dabei verhält sich jedes Motiv anders: Eine filigran strukturierte 12-Megapixel-Datei – etwa Architektur oder Laubwerk – braucht bei gleicher Qualitätsstufe weit mehr Speicherplatz als ein Bild mit viel diffusem Himmel. Ein scharfgezeichnetes Motiv beansprucht mehr Festplatte als das ungeschärfte Pendant.

Qualitätsstufen im Vergleich

Qualitätsstufe in JPEG-Optionen entspricht Qualitätsstufe in "Für Web und Geräte speichern"* Dateigröße in Mbyte (ca.) relative Größe gg.über Arbeitsspeicherbedarf
10 75 5,7 17 %
9 63 4,2 12 %
5 27 2,0 6 %
0 0 1,0 3 %
*in Photoshop CS3; Metadaten werden entfernt

Tipp: Nutzen Sie JPEG nicht zum Zwischensichern bei einer längeren Bearbeitung, denn jedes Mal könnten neue Verluste auftreten. Korrigieren Sie zunächst TIFF- oder Photoshop-PSD-Dateien, erst zum Schluss wechseln Sie zu JPEG.

JPEG-Optionen

In den JPEG-Optionen nutzen Sie die Vorgabe "Baseline (Standard)". Zwar spart die Alternative "Grundlinie optimiert" minimal Speicherplatz, doch in älteren Programmen oder auf DVD-Playern lässt sich die Datei vielleicht nicht mehr anzeigen.

Probleme bereitet manch älterem Gerät auch die Vorgabe "Progressiv" oder "Mehrere Durchgänge": Dann erscheint die JPEG-Datei auf einer Internet-Seite nicht Zeile für Zeile. Stattdessen präsentiert sich das Bild sofort in voller Größe und wird in mehreren Durchgängen schärfer.

Verzichten Sie in der Regel sowohl auf "Grundlinie optimiert" und auf "Progressiv".

In den JPEG-Optionen steuern Sie die Datenstruktur. Manche Vorgaben bringen Probleme bei anderen Programmen und Geräten

In den JPEG-Optionen steuern Sie die Datenstruktur. Manche Vorgaben bringen Probleme bei anderen Programmen und Geräten

Foto: Colorfoto

Tipp: Prüfen Sie auch die JPEG-Optionen Ihrer Kamera. Die beste Qualitätsstufe ist oft übertrieben hoch und verbraucht nur zu viel Platz auf der Speicherkarte. Die zweithöchste Stufe reicht in den meisten Fällen aus.

Vierfach-Vorschau

Wenn Sie es genau wissen wollen, sichern Sie in Photoshop mit dem Befehl "Datei, Für Web und Geräte speichern". Photoshop Elements bietet eine abgespeckte Variante dieses Dialogs, der bis zu vier Fassungen Ihres Fotos in verschiedenen Qualitätsstufen zeigt. Klicken Sie zunächst ein Vorschaufeld an, dann richten Sie die JPEG-Optionen für diese Variante ein.

Bis zu vier Qualitätsstufen gleichzeitig sehen Sie im Dialog "Für Web und Geräte speichern", in älteren Versionen heißt er kürzer "Für Web speichern"

Bis zu vier Qualitätsstufen gleichzeitig sehen Sie im Dialog "Für Web und Geräte speichern", in älteren Versionen heißt er kürzer "Für Web speichern"

Foto: Colorfoto

Verwirrend: "Für Web und Geräte speichern" arbeitet mit einer anderen Qualitätsskala als der übliche JPEG-Dialog. Stufe 10 im JPEG-Dialog entspricht etwa Stufe 75 bei "Für Web und Geräte speichern" (siehe Tabelle). Ein Vorteil jedoch: Das Bild lässt sich hier sofort auf eine kleinere Pixelzahl umrechnen.

Photoshop CS3 und ältere Versionen entfernen im Dialog "Für Web und Geräte speichern" allerdings alle Metadaten – also die Belichtungsinformationen der Digitalkamera wie auch IPTC-Bildtexte und Stichwörter. Erst bei Photoshop CS4 sichert der Dialog Metadaten wahlweise mit.

Tipp: Das Dialogfeld bietet auch den Befehl "Auf Dateigröße optimieren". Hier geben Sie eine Wunsch-Dateigröße vor – allerdings nur bis zwei Megabyte.

Stapelverarbeitung in Photoshop

Sie wollen ganze Serien von Raw- oder TIFF-Dateien ins JPEG-Dateiformat umwandeln? Nutzen Sie in Photoshop-Vollversionen den Befehl "Datei, Skripten, Bildprozessor". Hier verarbeiten Sie wahlweise alle geöffneten Bilder oder einen kompletten Ordner. Auf Wunsch rechnen Sie zudem die Pixelzahl herunter.

Mit dem "Bildprozessor" erzeugt Photoshop JPEG-Dateien, die sich zusätzlich kleinrechnen lassen

Mit dem "Bildprozessor" erzeugt Photoshop JPEG-Dateien, die sich zusätzlich kleinrechnen lassen

Foto: Colorfoto

Tipp: Mit mehr Feinsteuerung wandeln Sie Raw-Dateien aus Bridge in JPEGs um. Sie markieren die gewünschten Bilder und drücken die Eingabetaste. Im Raw-Dialog stellen Sie die Bilder ein, klicken auf "Alles auswählen" und dann auf "Bilder speichern".

Stapelverarbeitung in Elements

Auch Photoshop Elements wandelt Bildserien in JPEG-Dateien um: Sie öffnen die Bildverwaltung und klicken bei gedrückter Strg-Taste (am Mac bei gedrückter Befehlstaste) auf jede Datei, die Sie verarbeiten wollen. Dann folgt der Befehl "Datei, Exportieren, Als neue Dateien". Im Dialogfeld klicken Sie das JPEG-Dateiformat an und geben eine Qualitätsstufe vor, zum Beispiel 9.

Der "Exportieren"-Befehl in Photoshop Elements wandelt ganze Bildserien in JPEG-Dateien um.

Der "Exportieren"-Befehl in Photoshop Elements wandelt ganze Bildserien in JPEG-Dateien um.

Foto: Colorfoto

Tipp: Mit dem Klappmenü "Fotogröße" rechnen Sie zusätzlich die Pixelzahl herunter.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren