Der aktuelle Browsermarkt Zwei gegen Microsoft

Die Erfolgsgeschichte von Firefox geht weiter. Am letzten Freitag fiel still und leise die 50-Millionen Marke der Programmdownloads. In Deutschland ist Firefox längst kein Minderheitenprodukt mehr, sondern Browser der Wahl für bald ein Drittel aller Web-Nutzer. Der Druck auf Microsoft wächst.


MSIE: In die Zange genommen

MSIE: In die Zange genommen

Die stolze Zahl 50 Millionen nahm das Mozilla-Team zum Anlass, sich selbst augenzwinkernd mit einer selbst geprägten "Gedenkmünze" zu feiern. Nur fünfzig Stück davon soll es geben, und sie werden den Autoren preiswürdiger Geschichten verliehen. Der Inhalt der einzuschickenden Stücke für den spontan ausgelobten "Schriftsteller-Wettbewerb" ist allerdings vorgegeben: Wie ich erfolgreich Firefox unters Volk brachte.

Da sage noch einer, den Open-Source-Entwicklern fehle es an Geschäftssinn.

Die massive Zahl der Downloads spiegelt sich auch in den Log-Statistiken von SPIEGEL ONLINE, deren Zahlenbasis im April auf rund 270 Millionen Seitenaufrufen beruht. Der statistische Trend der letzten Monate setzte sich dort fort: Microsofts Internet Explorer (MSIE) verliert weiter leicht, aber kontinuierlich Marktanteile, während der von Firefox in vergleichbarem Maße wächst (und erstmals auf knapp über 30 Prozent).

Browser: Marktanteile im April

Browser Februar März April
MSIE 64,05 63,18 62,85
Firefox 28,27 29,49 30,03
Opera 2,92 2,84 2,82
Netscape 2,91 2,68 2,56
AOL 0,98 0,98 0,97
Konqueror 0,46 0,47 0,45

Angaben in Prozent

So ist das seit langem. Firefox' Zuwächse gehen dabei seit den Betaversionen des Browsers direkt zu Lasten aller anderen Programme mit Ausnahme von Apple- und Linux-spezifischer Software.

In einem ziemlich stetigen Gleitflug abwärts befand sich seit rund einem halben Jahr auch Opera. Der Trend ist auch in der Tabelle abzulesen - allerdings auch, dass er sich verlangsamt hat. Das dürfte in den nächsten Monaten noch interessant werden, denn tatsächlich steigt der Anteil der Opera-Browser wieder an, seit das norwegische Unternehmen am 19. April eine neue Programmversion veröffentlichte.

Revitalisiert: Opera

Und zwar schlagartig: Teilt man den Monat in eine Zeit vor und eine Zeit nach dem 19. April, wird das sofort augenfällig. In der Zeit vom 1. bis zum 18. April war Opera bereits auf einen Anteil von 2,76 Prozent abgefallen. In den PI-Statistiken vom 19. April bis zum 1. Mai hingegen taucht der Browser plötzlich mit 2,87 Prozent auf, Tendenz weiter steigend. Der tatsächliche Anteil von Opera ist dabei schwerer zu beziffern als bei den anderen Programmen, denn Opera gibt sich vorzugsweise als Internet Explorer aus, "tarnt" sich aber auch als Browser anderer Marken.

Dass Netscapes Talfahrt weitergeht, hat dagegen mit Operas kleinem Aufschwung nichts zu tun. Der Blick in die Browserversions-Statistik zeigt, dass es hier eher um ein gar nicht so langsames Phase-out der alten Browserversionen geht. Noch immer gibt es Nutzer von Netscape-4-Browsern - aber sie werden eben seltener. Für viele Netscape-Stammkunden ist dann irgendwann der Wechsel zu Mozilla respektive Firefox ein ganz natürlicher Schritt. Daran hat augenscheinlich auch die Veröffentlichung von Netscape 8 (Betaversion) nichts ändern können.

Es scheint also noch immer Marktpotenzial für Browseralternativen zu geben. Jetzt drücken zwei gegen Microsoft, einer ganz mächtig, der andere noch zart. Nirgendwo bekommt das Microsoft so stark zu spüren wie in Deutschland, wo die Bereitschaft zum Umsatteln auf Browseralternativen größer scheint als irgendwo sonst.

Der Trend aber ist ein weltweiter: Neueste Zahlen des Web-Marktforschungsunternehmens Onestat sehen Firefox weltweit mittlerweile bei rund 8,5 Prozent Marktanteil, Tendenz weiter steigend. Gedrückt wird diese Rate vor allem durch die US-Surfer, die nur sehr zögerlich Alternativen zum MSIE erproben.

Mit Ausnahme der Besucher von Webseiten mit Technik-Themen: Dort verbucht Firefox auch in den USA Marktanteile von 20 Prozent und mehr (hierzulande liegt die Zahl doppelt so hoch) - die informierte Weböffentlichkeit wendet sich offensichtlich zunehmend den Browseralternativen zu.

Die Tage des Browsermonopols scheinen jedenfalls -vorerst? - vorbei. Bis zum von Bill Gates angekündigten MSIE-Update im Juli?

Frank Patalong

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