Deregulierung Bundesnetzagentur will DSL-Preise teilweise freigeben

Schluss mit Festpreisen, der Markt soll sich selbst regulieren. Einem Zeitungsbericht zufolge will sich die Bundesnetzagentur zumindest teilweise aus der DSL-Regulierung zurückziehen, hofft auf dadurch sinkende Preise. In einigen Regionen könnte der Netzzugang aber auch teurer werden.


Seit Jahren legt die Bundesnetzagentur fest, welche monatliche Gebühr Leitungseigentümer wie die Telekom für die Nutzung des sogenannten Bitstrom-Zugangs in ihren Netze verlangen können. Diesen Zugang brauchen Telekom-Konkurrenten beispielsweise, um ihren Kunden einen Komplettanschluss für DSL und Telefonie anbieten zu können. Zuletzt wurde die Monatsgebühr auf 20,05 Euro festgesetzt. Die Telekom, die mit jedem solchen Anschluss einen Endkunden verliert, hatte knapp 25 Euro beantragt.

Datenkabel: Die Bundesnetzagentur erwägt, der Telekom mehr Freiheit bei der Preisgestaltung für ihre DSL-Leitungen zu überlassen
DDP

Datenkabel: Die Bundesnetzagentur erwägt, der Telekom mehr Freiheit bei der Preisgestaltung für ihre DSL-Leitungen zu überlassen

Die Bundesnetzagentur erwägt nach Angaben vom Dienstag, diesen Bitstrom-Zugang in bereits hart umkämpften Städten wie Hamburg, Köln oder München künftig dem freien Wettbewerb zu überlassen. Die Deutsche Telekom wäre dann nicht mehr verpflichtet, ihren Konkurrenten diese Leistung zu einem bestimmten Preis zu überlassen, könnte frei agieren, Preise selber festlegen. Bislang gibt es im gesamten Telekommunikationsmarkt nur bundesweit gültige Regulierungsvorschriften.

Am Mittwoch werde zu den Überlegungen ein Positionspapier veröffentlicht, sagte ein Sprecher der Behörde. Bis Ende September könnten die Marktteilnehmer zu den Plänen Stellung nehmen. Die Behörde gehe ohne eine Vorentscheidung in die Diskussion, sagte der Sprecher.

Wiederverkäufer sind von den Netzbetreibern abhängig

"Wo Märkte und der Wettbewerb nachhaltig funktionieren, müssen wir nicht eingreifen", sagte Behördenpräsident Matthias Kurth der Dienstagausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Aber eine solche regionale Differenzierung birgt neben Chancen auch Risiken, so dass vor einer Entscheidung alles Aspekte sehr sorgfältig geprüft werden müssen", sagte Kurth.

Die Telekom ist nicht der einzige Anbieter, der sein Netz Konkurrenten gegen Gebühr zur Verfügung stellt. Auch Firmen wie Telefonica, QSC oder Arcor gehen diesen Weg. Wiederverkäufer wie United Internet und Freenet oder Telekommunikationsunternehmen wie Hansenet, die kein so weit ausgebautes eigenes Netz haben, nutzen diese Möglichkeit. Auch die Telekom-Tochter Congstar will Leitungen über die Konkurrenz schalten.

Auf dem Land könnten die Preise steigen

Nur auf den letzten Meter in die Haushalte müssen die Wettbewerber dann doch auf das Telekom-Netz zurückgreifen, sofern sie dort keine eigene Leitung gelegt haben. Konkurrenz erwächst den DSL-Anbietern zunehmend auch durch TV-Kabelanbieter, die neben Fernsehprogrammen oft auch Telefon und Internet über ihre Infrastruktur anbieten.

Kurth verspricht sich von den Überlegungen Gebührensenkungen. "Der Wettbewerb in den Ballungsräumen würde wahrscheinlich befeuert, die Verbraucherpreise könnten dann sinken." Der Chefregulierer räumt aber ein, dass die Preise in ländlichen Regionen mit weniger Kunden steigen könnten. "Solche Effekte wären schwer zu vermitteln, aber sie können sich einstellen", sagte Kurth der Zeitung.

mak/Reuters



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