Die Kultmarke krümelt Yahoo's Europa-Chefin geht

Überraschend streicht die Chefin von Yahoo Europa, Fabiola Arredondo, die Segel, um sich künftig "eigenen Geschäften" zu widmen. Analysten sehen darin einen schweren Schlag für Yahoo.


Die Nachricht von Arredondos Abgang kam überraschend: Die amerikanische Managerin wird als Schlüsselfigur in der Erfolgsgeschichte von Yahoo Europa gesehen. Als sie 1997 die Geschäfte übernahm, bestand der europäische Ableger aus einem Büro in London - und dreizehn Angestellten. Heute beschäftigt Yahoo Europa über 500 Angestellte in acht Ländern, und mit rund 114 Millionen Dollar Einnahmen trägt Yahoo Europe rund zehn Prozent zum weltweiten Gesamtumsatz der Marke bei.

Analysten sehen in Arredondos Abschied einen "schweren Schlag" für die Marke. Gerade in Zeiten eines rückläufigen Anzeigengeschäftes seien prominente Köpfe für ein Unternehmen wichtig, kommentiert etwa die "Financial Times". Das amerikanische Finanzblatt zitiert Peter Bradshaw, Analyst bei Merrill Lynch: "Charismatische Köpfe für das Internet-Business gibt es in Europa nicht viele. Es ist nicht leicht, jemanden mit so viel Erfahrung zu ersetzen."

Fabiola Arredondo gibt an, sich künftig "eigenen Geschäften" widmen zu wollen. Doch hinter ihrem Abgang könnte mehr stecken: Ein geplanter Börsengang wurde kürzlich abgesagt, und in der Branche gerüchtelt es zudem, Arredondo sei zunehmend frustriert darüber, ein Unternehmen zu führen, bei dem die maßgeblichen Entscheidungen jenseits des Atlantik gefällt werden - oder auch nicht. So soll es in letzter Zeit zu einigem Zwist über die künftige Strategie von Yahoo Europe gekommen sein.

Arredondo wird dem Unternehmen noch einige Monate verbunden bleiben, bis ein Nachfolger für sie gefunden ist, schreibt die "Financial Times". Mutmaßungen zufolge wird die ehemalige BBC-Managerin danach die Gründung eines Unternehmens "im Bereich der Medien" angehen.

Zur Person

Fabiola Arredondo, 33, wurde in Spanien geboren. Ihre Schulzeit verbrachte sie teils in Frankreich, später in den USA. Sie graduierte in Stanford und Harvard, arbeitete für Bertelsmann in Südamerika, um später als Vertriebsleiterin internationales Geschäft zu BBC Worldwide zu gehen. 1997 kam sie zu Yahoo - und wurde zu einer der prominentesten weiblichen Managerinnen. Das amerikanische Businessmagazin "Fortune" nahm sie im letzten Jahr in die Liste der "einflussreichsten Frauen in der Wirtschaft" auf - in Europa landete sie auf dem zweiten Platz.

Ihre Medienpräsenz pendelte im letzten Jahr genau zwischen diesen Polen: einerseits prominente Wirtschaftsführerin, die es unter anderem im letzten Monat auf die Titelseite von "Newsweek" schaffte, andererseits Wirtschaftskapitänin, die in letzter Zeit vor allem mit Gewinnwarnungen zitiert wurde.

Arredondo steht im Management von Yahoo als Verfechterin einer Umpositionierung des Unternehmens vom Medienunternehmen hin zur stärker dienstleistungsorientierten Marke. Yahoo kommentiert ihre Ausstiegspläne bisher nicht.



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