Digitale Bildbearbeitung Panoramaansichten und Straßenfeger

Ist die Landschaft zu gewaltig, um auf einem einzigen Schnappschuss zu passen? Laufen zu viele Leute durch das Stadt-Bild? Kein Problem: Bildbearbeitunsprofi Doc Baumann erklärt, wie man Fotoserien zu Panoramen zusammensetzt und aus Touristentreffpunkten menschenleere Gassen macht.

Panoramapostkarten kann man auch selber machen. Eine sündhafte teure Spezialkamera braucht man dafür nicht, jede Standard-Digicam reicht aus. Nur ein wenig Augenmaß und eine Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop sind gefordert, um mehrere Schnappschüsse zu einem XXL-Breitbild zusammenzufügen. Welche Schritte eine solche Montage erfordert erklärt Fotoguru Doc Baumann im folgenden Text.

Für Urlauber hat er außerdem einen Tipp parat, wie man von Touristenscharen bevölkerte Plätze am Computer per Photoshop entvölkert und wie schlichte Fotos zu kleinen Kunstwerken werden.

Zu finden sind diese Möglichkeiten aber auch in anderen Programmen, nur sind sie dort mitunter etwas anders benannt oder in anderen Menüs zu finden. Hier sämtliche Varianten aufzählen zu wollen, würde den Rahmen jedes Artikels sprengen: Baumann konzentriert sich darum auf das Programm, das in diesem Bereich die Standards vorgegeben hat. Die meisten Entwickler von Fotosoftware orientieren sich in der Benennung ihrer Programmfunktionen an Photoshop. Baumanns Tipps sind darum mit wenig Aufwand auch auf die meisten anderen Programme übertragbar.

mak/pat

Einzelaufnahmen

Foto: Doc Baumann

Sie kennen das sicherlich aus Ihrer eigenen Fotopraxis: Sie stehen vor einer überwältigenden Szenerie - aber das Foto fängt davon kaum etwas ein; es fehlt die großartige Weite. Auch ein Weitwinkelobjektiv führt in solchen Fällen nicht unbedingt weiter, weil es die visuell interessanten Elemente zusammenschrumpfen lässt.

Experimentieren Sie doch einmal mit einer Panoramamontage. Photoshop verhilft da inzwischen zu nahezu perfekten Ergebnissen. Beginnen Sie damit, dass Sie alle Aufnahmen, die Sie im Panorama verwenden wollen, öffnen. Hier sind das vier Ansichten des sogenannten Hafens des Paulus auf Rhodos. Achten Sie bereits beim Fotografieren darauf, dass sich die Einzelbilder um etwa ein Viertel überlappen.

Panorama-Bilder auswählen

Foto: Doc Baumann

Gehen Sie in Photoshop zu "Datei > Automatisieren > Photomerge". Klicken Sie auf das Feld "Geöffnete Dateien hinzufügen"; diese erscheinen dann in der Dateienliste in der Mitte. Links wählen Sie das Layout, mit dem die Einzelbilder aneinandergesetzt werden sollen. In vielen Fällen reicht "Auto" aus; in diesem Falle liegt eine zylindrische Verteilung nahe.

Panorama montieren

Photoshop fügt nicht nur die Einzelbilder exakt aneinander, sondern sorgt in seiner aktuellen Version CS3 auch dafür, dass Farb- und Helligkeitsunterschiede zwischen ihnen ausgeglichen werden. Dem fertigen Panorama ist nicht mehr anzusehen, dass es aus vier Komponenten montiert wurde.

Zum Schluss beschneiden Sie die Datei so, dass die hinzugerechneten weißen Hintergrundbereiche wegfallen. Ist Ihnen das verbleibende Bild zu klein, können Sie den Beschneidungsrahmen auch größer ziehen und Details mit dem Stempelwerkzeug ergänzen.

Foto: Doc Baumann

Rahmeneffekte

Mit dem folgenden Eingriff sollten Sie vorsichtig umgehen, da dabei allzu oft Resultate entstehen, welche die Wirkung des bearbeiteten Fotos nicht verbessern, sondern es ziemlich kitschig wirken lassen. Es geht darum, Bilder nicht mit den üblichen hart begrenzten rechteckigen Kanten zu präsentieren, sondern die Rahmenform selbst zu gestalten. Probieren wir das an dieser Aufnahme des französischen Klosters Fontenay aus.

Foto: Doc Baumann

Gemalter Rand

Hier sieht es zum Beispiel so aus, als sei das Motiv mit auslaufenden Rändern manuell auf Leinwand gemalt. Das ist nicht so aufwendig, wie es scheint, sondern in kurzer Zeit erledigt.

Foto: Doc Baumann

Aufbau des Rahmeneffekts

Zunächst duplizieren Sie die Hintergrundebene ("Ebene > Ebene duplizieren"). Blenden Sie die obere Ebene aus, indem Sie in der Ebenenpalette links auf das Augensymbol klicken. Aktivieren Sie die Hintergrundebene und füllen Sie sie mit einem hellen Beige. Wenden Sie "Filter > Strukturierungsfilter > Mit Struktur versehen > Leinwand" an.

Aktivieren Sie nun die obere Ebene und blenden Sie sie wieder ein. Fügen Sie eine Ebenenmaske hinzu ("Ebene > Ebenenmaske > Alle ausblenden"). Die Ebenenmaske ist schwarz, das Bild auf der Ebene daher unsichtbar. Klicken Sie auf das kleine Voransichtsfeld der Ebenenmaske in der Ebenenpalette, um sie zu aktivieren. Malen Sie mit weiß gefülltem Pinsel. In der Bildmitte sollte die Deckkraft des Pinsels 100 Prozent betragen, an den Rändern setzen Sie sie herab. Die Abbildung zeigt den Aufbau der Ebenenpalette und die Ansicht der Ebenenmaske. Das Ergebnis haben Sie in der vorhergehenden Abbildung gesehen.

Foto: Doc Baumann

Weich ausblenden

Wollen Sie das Foto weich in sein Umfeld übergehen lassen, gehen Sie folgendermaßen vor: Füllen Sie die Ebenenmaske wieder mit Schwarz. Ziehen Sie dort mit ausreichend Abstand zum Rand ein Auswahlrechteck auf, dessen Kontur Sie mit "Auswahl > Auswahl verändern > Weiche Kante" stark weichzeichnen. Machen Sie die Pixel innerhalb der Auswahl zum Negativ ("Bild > Anpassungen > Umkehren"). Damit das Foto möglichst weich ausläuft, sollte der Radius für "Weiche Kante" einen hohen Wert haben.

Foto: Doc Baumann

Schwingungen

Sie können diese Variante als Endzustand verwenden, aber auch als Zwischenschritt, um weitere Eingriffe vorzunehmen. Wählen Sie zum Beispiel bei nach wie vor aktivierter Ebenenmaske "Filter > Verzerrungsfilter > Schwingungen" und geben die in der Abbildung sichtbaren Parameter ein, so wird das Bild in dieser faserigen Form in den Hintergrund eingeblendet.

Foto: Doc Baumann

Rasterverlauf

Wenden Sie stattdessen "Filter > Vergröberungsfilter > Farbraster" auf die Ebenenmaske an, sieht das Ergebnis so aus. Je geringer der Wert für "Maximaler Radius", um so kleiner die Rasterpunkte. Achten Sie darauf, dass die Rasterwinkelung in allen vier Kanälen denselben Wert erhält.

Foto: Doc Baumann

Straßenszenen entvölkern

Gewisse Orte wie den Markusplatz in Venedig kann man eigentlich nie fotografieren, ohne zahllose Touristen mit aufs Foto zu bekommen. Da hilft auch langes Warten nichts. Wenn Sie stolzer Besitzer der erweiterten Photoshop-Version CS3 Extended sind, können Sie solche Plätze aber mitunter mit geringem Aufwand räumen. Hier sehen Sie zwölf nacheinander fotografierte Szenen eines Brückenübergangs in Venedig.

Foto: Doc Baumann

Bilder in Smart Objekte umwandeln

Die Vorgehensweise sieht folgendermaßen aus: Kopieren Sie alle zwölf Einzelbilder in eine Datei, die nun also zwölf Ebenen hat (1). Wählen Sie in der Ebenenpalette alle Ebenen - mit gedrückter Umschalttaste - aus und bestimmen Sie "Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten > Auto" (2). Das war hier nötig, da die Fotos ohne Stativ aus der Hand aufgenommen wurden; trotzdem schafft es Photoshop, sie mit dieser Funktion punktgenau übereinander zu stapeln. Machen Sie alle Ebenen zu einem Smart Objekt über "Ebene > Smart Objekte > In Smart Objekt konvertieren" (3); die Ebenenpalette bietet danach den Anblick wie in Schritt 4. Wählen Sie "Ebene > Stapelmodus > Median" (5).

Foto: Doc Baumann

Leergefegte Straße

Nach der Berechnung eliminiert Photoshop bei dieser Vorgabe, die eigentlich aus der medizinischen Bilddatenverarbeitung stammt, alle Elemente, die sich zwischen den verwendeten Einzelbildern unterscheiden, während statische Elemente erhalten bleiben. Da ich offensichtlich nicht genug Einzelfotos aufgenommen hatte, erkennen Sie aber dennoch ein paar Stellen, an denen die vagen Schatten von Passanten erhalten geblieben sind. Bei solch belebten Szenen ist also eine recht große Menge von Ausgangsbildern notwendig.

Foto: Doc Baumann