Digitale Bildbearbeitung Wie man das Optimum aus Bildern kitzelt

Verwaschene Fotos, maue Farben, schräge Perspektiven? Kein Grund zur Verzweiflung, wenn die Kamera daran gescheitert ist, den Zauber des Augenblicks einzufangen: Spätestens am Rechner lässt sich viel verbessern - mit einfachen Filtern. Bildbearbeitungs-Guru Doc Baumann erklärt, wie das geht.

Histogramme, Tonwertkorrekturen und zahlreiche Anpassungen des Bildes über Manipulationen von Farbe, Kontrast und Helligkeit gehören neben zahlreichen Filtern zu der Grundausstattung jeder guten Bildbearbeitungs-Software. Doc Baumann beschreibt im folgenden Artikel die wichtigsten auch automatisch einzusetzenden Bildoptimierungswerkzeuge unter Photoshop.

Zu finden sind diese Möglichkeiten aber auch in anderen Programmen, nur sind sie dort mitunter etwas anders benannt oder in anderen Menüs zu finden. Hier sämtliche Varianten aufzählen zu wollen, würde den Rahmen jedes Artikels sprengen: Baumann konzentriert sich darum auf das Programm, das in diesem Bereich die Standards vorgegeben hat. Die meisten Entwickler von Fotosoftware orientieren sich in der Benennung ihrer Programmfunktionen an Photoshop. Baumanns Tipps sind darum mit wenig Aufwand auch auf die meisten anderen Programme übertragbar.

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Diesiger Strand

Foto: Doc Baumann

Dunst und Nebel können durchaus zur Atmosphäre einer Szene beitragen, dennoch sind sie nicht immer willkommen. Dieses Foto vom Strand von Daytona Beach in Florida zeigt eine solche Situation. Nach ein paar hundert Metern ist von Hotels und Menschen kaum noch etwas zu erkennen.

Das Diagramm unten rechts heißt "Histogramm"; Sie finden es zum Beispiel im Einstellungsfeld von "Tonwertkorrektur". Es zeigt die Verteilung und Häufigkeit aller Pixel bestimmter Helligkeit von Schwarz (links) bis Weiß (rechts). In diesem Fall kommen fast nur mittlere Helligkeitswerte vor und keine sehr hellen und dunklen.

Auto-Tonwertkorrektur

Tonwerte, die in einem Digitalfoto nicht vorhanden sind, kann auch ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop nicht herbeizaubern. Aber es kann die vorhandenen so verändern, dass Farben und Helligkeitswerte zu einem klareren Gesamteindruck beitragen.

Dazu gibt es drei einfache Automatikfunktionen, die Sie im Menü "Bild > Anpassungen" finden (links oben die entsprechende Tastenkombination für Windows und Mac): Die erste ist die automatische Tonwertkorrektur, deren Ergebnis Sie hier sehen. Die vorhandenen Tonwerte im Histogramm werden damit gleichmäßig über die ganze Breite verteilt.

Foto: Doc Baumann

Auto-Kontrast

Zu einem etwas anderen Ergebnis kommen Sie, wenn Sie unter "Bild > Anpassungen" die Automatikfunktion "Auto-Kontrast" wählen. Sie erkennen, dass Foto und Histogramm nun ein wenig anders aussehen.

Sehr viel deutlicher wird der Unterschied, wenn Sie unter "Tonwertkorrektur" nicht nur die Gesamthelligkeit der kombinierten RGB-Kanäle - also der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau - betrachten, sondern nach einem Klick auf das Menü "Kanal" einen Blick auf die einzelnen Farbkanäle und deren Histogramm-Verteilung werfen.

Foto: Doc Baumann

Auto-Farbe

An derselben Stelle im Bild-Menü finden Sie den Eintrag "Auto-Farbe". Wiederum sieht das Resultat ein wenig anders aus. Sie müssen selbst entscheiden, welche Variante Sie bevorzugen.

"Auto-Farbe" eignet sich in manchen Fällen auch dazu, den Farbstich eines Fotos zu entfernen. Wenn Sie sich mit den Möglichkeiten des Programms vertraut gemacht haben, können Sie differenziertere Eingriffe durch manuelles Verschieben der diversen Regler erzielen.

Foto: Doc Baumann

Den Horizont waagerecht ausrichten

Foto: Doc Baumann

Bleiben wir noch einen Augenblick am Strand von Daytona. Vor allem bei überraschend auftauchenden Motiven, wo man schnell auf den Auslöser drücken muss, passiert es leicht, dass man nicht auf einen gerade ausgerichteten Horizont achtet. Gehen Sie in einem solchen Fall in der Werkzeugpalette von Photoshop zum Feld der Pipette; klicken Sie dort auf das kleine Dreieck, so öffnet sich ein Menü, in dem unter anderem das Maßstab-Symbol zu finden ist.

Klicken Sie mit dem Werkzeug an eine Stelle des Horizonts, halten Sie die Maustaste gedrückt, ziehen Sie zu einem zweiten Punkt und lassen Sie los. Anfangs- und Endpunkt sind nun mit einem Strich verbunden. Unter "Bild > Arbeitsfläche drehen > Per Eingabe" finden Sie den von der Waagerechten abweichenden Winkelwert nun automatisch eingetragen. Bestätigen Sie mit OK.

Bild freistellen

Der Horizont ist jetzt gerade ausgerichtet. Sie können das ähnlich mit senkrechten Gebäudekanten machen. Allerdings erweitert Photoshop danach die Arbeitsfläche und füllt neu entstandene Bereiche mit der aktuellen Hintergrundfarbe. Wählen Sie - am schnellsten mit der C-Taste - das Freistellungswerkzeug und ziehen Sie einen Rahmen auf, der das unerwünschte Umfeld ausblendet. Bei Bedarf geben Sie in der Optionenleiste gewünschte Werte für Höhe, Breite und Auflösung des resultierenden Bildes ein.

Sie können aber auch einfach das Auswahlrechteck verwenden und im "Bild"-Menü "Freistellen" aktivieren. Alternativ lassen sich die beschriebenen Schritte zusammengefaßt unter "Filter > Verzerrungsfilter > Objektivkorrektur" ausführen; dort können Sie zusätzlich kissen- und tonnenförmige Verzerrungen und Vignettierungen an den Bildecken entfernen.

Foto: Doc Baumann

Neuen Himmel einfügen

Diese Aufnahme stammt aus Rom und zeigt den über dem Tiber aufragenden Aventinhügel. Der Himmel ist leider denkbar langweilig. Nun bietet digitale Bildbearbeitung bekanntlich nicht nur die Möglichkeit, Fotos hinsichtlich Helligkeit, Farbe oder Schärfe zu optimieren, sondern Sie können mit Montagen auch Elemente unterschiedlicher Bilder zusammenfügen.

Dabei müssen Sie sich allerdings immer bewusst machen, dass der dokumentarische Charakter Ihrer Aufnahme dabei verloren geht. Solche Eingriffe reichen vom harmlosen Einsatz des Stempelwerkzeugs, um eine durch die Szene summende Fliege zu löschen, bis hin zu üblen Fälschungen.

Foto: Doc Baumann

Farbauswahl

Um den Himmel in unserem Rom-Foto gegen einen neuen ersetzen zu können, muss der vorhandene zunächst einmal exakt ausgewählt werden. Der "Zauberstab" ist dazu weniger geeignet, da er immer Auswahlen mit harten Pixelkanten erzeugt. Die bessere Lösung: Umranden Sie mit dem Lasso-Werkzeug zunächst den kompletten Himmel und schließen Sie auch Bereiche in diese Auswahl mit ein, die durch Bäume oder Gebäudeteile hindurch sichtbar sind.

Dann öffnen Sie den Dialog "Auswahl > Farbbereich", klicken im kleinen Vorschaufenster auf eine typische Stelle des Himmels und legen durch Verschieben des "Toleranz"-Reglers fest, wie stark ähnliche Farben in die neue Auswahl einbezogen werden sollen. Diese werden in der Vorschau weiß beziehungsweise hell angezeigt.

Foto: Doc Baumann

Himmel einfügen

Da Sie zuvor bereits eine manuelle Lasso-Auswahl aufgezogen hatten, betrifft die folgende Farbauswahl nur Bereiche innerhalb davon. Unsaubere Stellen korrigieren Sie anschließend.

Nun suchen Sie ein Foto mit passendem Himmel, wählen ihn in der entsprechenden Bilddatei aus ("Auswahl > Alles auswählen", danach "Bearbeiten > Kopieren") und gehen im Rom-Foto zu "Bearbeiten > In die Auswahl einfügen". Der Himmel wird als neue Ebene eingefügt und erhält eine Ebenenmaske (die schwarzweiße Darstellung rechts in der Zeile der Ebenenpalette; Maskiertes wird dort schwarz angezeigt, Sichtbares weiß).

Da in diesem Fall Maske und Bild nicht verkettet sind, können Sie den Himmel frei verschieben, in der Größe ändern und so beliebig anlassen. Achten Sie bei der Wahl des Himmels-Fotos nicht nur auf übereinstimmende Beleuchtungsrichtung und Tageszeit, sondern auch auf eine identische Horizonthöhe, damit die beiden Fotos wirklich zusammen passen.

Foto: Doc Baumann

Vordergrund verstärken

Da der Himmel des Originalbildes eher diesig war, erschienen auch Gebäude und Vegetation ziemlich flau. Also versuchen Sie es für diese Ebene mit einer automatischen Kontrast- oder Tonwertkorrektur, damit der Vordergrund besser zur Beleuchtungssituation der Wolken passt.

Am Rande: Ist Ihnen aufgefallen, dass der Himmel in dieser Version gegenüber dem letzten Bild horizontal gespiegelt wurde? Nur so passt er zur Lichtrichtung des Hügels, bei dem die Sonne offensichtlich von rechts kommt, wie man an den Schatten ablesen kann. Die Spiegelungsfunktion finden Sie unter "Bearbeiten > Transformieren".

Foto: Doc Baumann

Farben anpassen

Mitunter finden Sie vielleicht das Foto eines sehr eindrucksvollen Himmels, das Sie gern in Ihrer Montage als neuen Hintergrund verwenden möchten. Bedenken Sie dabei aber, dass die zusammengefügten Elemente eine glaubwürdige Einheit ergeben müssen. Bleiben die Farben des Vordergrundes so wie im Original (links), dann sieht das Ergebnis nur wie eine schlechte Montage aus.

Setzen Sie also die diversen Farb- und Helligkeitsregler von Photoshop ein, um diese Ebene dunkler zu machen und die Rot- und Gelbanteile zu verstärken. Dabei hilft Ihnen zum Beispiel "Bild > Anpassungen > Farbbalance" (rechts).

Foto: Doc Baumann
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