Digitale Fotos Volle Farbkraft voraus

Ein bisschen bunter bitte: Wenn ein Bild ausgedruckt anders aussieht als auf dem Bildschirm, stimmt mit dem Farbmanagement etwas nicht. "ColorFoto" erklärt, wie man das Maximum an Qualität aus seinen Bildern herausholen kann.
Von Florian Mihaljevic

Fotografieren ist so einfach wie nie: aufnehmen, am Rechner bearbeiten und dann ... ist die Überraschung groß: Das Foto hat im Ausdruck einen Farbstich und am Rechner des Kollegen nur wenig Sättigung. Verantwortlich ist das Farbmanagement, respektive das Fehlen eines korrekten Farbmanagements, und unter Umständen der falsche Farbraum.

Tatsächlich kommt immer ein Farbmanagement zum Einsatz, wenn auch oft nicht das optimale: Ganz ohne Zutun des Anwenders verwaltet das Betriebssystem die angeschlossenen Geräte und die dazugehörigen Farbprofile.

Ist kein Farbprofil vorhanden, verwendet es grundsätzlich den kleinsten gemeinsamen Nenner, den "sRGB"-Farbraum. Eine durchaus akzeptable Lösung für diejenigen, die ohnehin nur im JPEG-Format fotografieren und allenfalls rote Augen oder einen schiefen Horizont korrigieren. Wer jedoch auf maximale Qualität und bestmögliche Farbdarstellung Wert legt, sollte sich damit nicht zufriedengeben.

Hintergrund: Farbprofile

Von der Aufnahme des Fotos bis zum Druck kommen viele Geräte mit ebenso vielen unterschiedlichen Farbeigenschaften zum Einsatz. Abhilfe sollen Farbprofile schaffen, die den Farbumfang jedes Geräts definieren und die Wandlung in unabhängige Zwischenfarbräume erledigen. Dabei kommen Profile dem Standard des ICC (International Color Consortium) entsprechend zum Einsatz – ICC-Profile genannt. Das Betriebssystem muss für jedes Gerät in der Verarbeitungskette ein solches Profil verwenden, damit eine reproduzierbare Farbwiedergabe zu Stande kommen kann.

Zwei solcher Profile hat jeder gesehen, der schon einmal in den Tiefen seiner Kameraeinstellungen gegraben hat: sRGB, kurz für Standard-RGB, und AdobeRGB, der größere Farbraum, der mehr Farben darstellen kann. Bei beiden handelt es sich um so genannte geräteunabhängige Farbräume. Sie beschreiben also nicht den Farbumfang einer Digitalkamera oder eines Monitors, sondern sind für den Austausch zwischen Geräten mit unterschiedlichem Farbumfang gedacht. Wie der Name schon verrät, setzen beide Farbräume auf die Farbmischung mit den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Zusammengemischt ergeben alle drei Farben Weiß.

sRGB - Der kleinste gemeinsame Nenner

Die Vielfalt von Geräten mit ihrem jeweiligen Farbumfang macht Kompromisse unumgänglich. Der sRGB-Farbraum macht für das Gros der Computer-Anwender am wenigsten Probleme. Er beinhaltet alle Farben, die jeder Monitor darstellen können sollte. Außerdem ist auch jeder Farbdrucker in der Lage, sämtliche von sRGB definierten Farben aufs Papier zu bringen.

Das Problem dabei: Fotodrucker können in der Regel erheblich mehr Farben darstellen. Und so gut wie alle aktuellen Monitore übertreffen den Farbumfang von sRGB bei Weitem. Digitalkameras zeichnen in der Theorie noch einmal deutlich mehr Farben auf als Monitor und Drucker darstellen können. Einzig Apples Safari-Browser beherrscht den Umgang mit anderen Farbprofilen schon länger. Der Open-Source-Browser Mozilla Firefox kann es in der neuen Version ebenfalls – allerdings müssen Anwender das Farbmanagement explizit in einer unübersichtlichen Konfigurationsoberfläche einschalten. Im besten Fall sehen Bilder mit größerem Farbraum in Programmen ohne Farbmanagement einfach zu wenig gesättigt aus. Im schlimmsten Fall stimmt die Farbwiedergabe überhaupt nicht mehr mit dem Soll überein. Wer sich daher nicht bewusst mit Farbmanagement beschäftigt, bekommt bei der Verwendung von anderen Farbräumen als sRGB früher oder später Schwierigkeiten.

Im Profi-Bildbearbeitungsprogramm Photoshop empfiehlt Adobe sRGB sowohl für "Web/Internet" als auch in der Einstellung "Universelle Anwendungen". Zu AdobeRGB rät der Hersteller dagegen nur bei der Druckvorstufe – gemeint ist damit der professionelle, farbverbindliche Druck. Wer, wie die meisten Anwender, nicht in der Druckvorstufe arbeitet, wird von Adobe damit mehr oder weniger auf sRGB als Arbeitsfarbraum verwiesen. Das ist allerdings nicht in jedem Fall optimal, denn die wenigen Farben des kleinen Farbraums lassen kaum Spiel für Korrekturen und schneiden viele Farben, die sowohl im Druck als auch am Monitor sichtbar wären, einfach ab.

Weniger Kompatibilität, mehr Qualität

Wer JPEGs mit seiner Kamera aufnimmt, verwirft von vornherein schon einen Großteil der Farbinformationen: Während aktuelle Kameras je Farbkanal zwischen 4096 (12 Bit) und 16384 (14 Bit) Helligkeitswerte auf- lösen, beherrscht das Dateiformat JPEG nur 256 Abstufungen (8 Bit) je Farbkanal. Auch wenn man den Unterschied zwischen einer Aufnahme in JPEG und einer in RAW zunächst nicht unbedingt sieht – spätestens bei der Nachbearbeitung macht sich die fehlende Farbauflösung bemerkbar. Denn bei Belichtungs- oder Farbkorrektur entstehen durch Rundung Lücken in der Helligkeitsverteilung, dem Histogramm. Besonders deutlich werden solche Lücken im Himmel oder an flächigen, feinen Farbverläufen. Störende Farbsprünge, im Fachjargon "Banding" genannt, sind die Folge.

Wenn ein Fotograf die volle Qualität seiner Digitalkamera auch über die Nachbearbeitung hinaus retten will, muss er daher zwangsläufig zum RAW-Format greifen. Die Farbeinstellung in der Kamera ist dann egal, da die Wandlung der rohen Sensordaten in ein RGB-Bild erst im RAW-Konverter, respektive im Bildbearbeitungsprogramm stattfindet. In Adobes Konverter "Camera RAW" hat der Anwender beispielsweise die Wahl zwischen sRGB und ColorMatchRGB sowie den größeren Farbräumen AdobeRGB und ProphotoRGB. Obwohl einige Druckereien mit ColorMatch-RGB arbeiten, hat dieser mit sRGB vergleichbare Farbraum in der Praxis keine Bedeutung.

AdobeRGB (1998)

Der von Adobe vorgeschlagene Standardfarbraum für die Druckvorstufe beinhaltet den kompletten Farbumfang von sRGB, bietet aber insbesondere bei sehr satten Farben, beispielsweise bei Haut- (Rot/Orange) sowie Blau- und Grüntönen, erheblich mehr Spielraum. Ein sRGB-Bild zeigt an solchen Stellen im direkten Vergleich deutlich sichtbare Farbabweichungen. Solche Farbabweichungen muss der Anwender beim Einsatz von AdobeRGB in der Praxis nur sehr selten befürchten. Zwar stellt auch der Adobe-Farbraum nicht alle sichtbaren Farben dar, er kommt der Realität aber schon deutlich näher als sRGB.

AdobeRGB lässt sich auch in 8 Bit problemlos verwenden, solange man auf eine weitreichende Nachbearbeitung verzichtet. Wenn man die Bilder anschließend veröffentlichen will, ist allerdings Vorsicht angesagt. Denn der Großteil der Welt erwartet nun einmal sRGB. Für die Veröffentlichung im Internet – auch bei Fotobörsen wie Flickr oder Fotolia – muss das Bild zwingend in sRGB vorliegen. Ebenso verlangen günstige Drucker Bilder in sRGB. Am Ende der Bildverarbeitung steht daher trotz AdobeRGB-Arbeitsablauf in den meisten Fällen ein JPEG-Bild im kleinen sRGB-Farbraum. Einzig teure Fotodrucker bringen eigene Farbprofile mit, über die der Anwender mithilfe eines Programms wie Photoshop das volle Spektrum des Druckers ausnutzen kann.

Kritiker von größeren Farbräumen als sRGB führen bisweilen das Argument an, die Bildbearbeiter hantierten mit Farben, die sie weder am Monitor noch im Ausdruck überhaupt sehen können. Doch bei AdobeRGB greift das Argument schon jetzt nicht mehr. Zum einen entspricht AdobeRGB ziemlich exakt der Farbwiedergabe eines typischen Röhrenmonitors. Zum anderen warten auch immer mehr günstige Flachbildschirme mit erweitertem Farbraum auf. Auch wenn AdobeRGB so noch nicht unbedingt komplett dargestellt wird, gelingt damit dennoch eine erheblich exaktere Farbwiedergabe als mit sRGB. Auch die Überschneidung mit Druckerfarbräumen ist erheblich größer, wodurch vor allem Cyan- und Magentatöne besser abgebildet werden.

Weitgehend deckungsgleich mit AdobeRGB ist der Farbraum der European Color Initiative (ECI), der rund die Hälfte aller sichtbaren Farben erfasst. Im direkten Vergleich kann dieser mehr Orange und Cyan, dafür aber weniger Lila/Magentatöne darstellen. Für Fotografen bietet der Farbraum gegenüber AdobeRGB keine Vorteile. Trotzdem setzen manche Druckereien intern weiterhin auf den europäischen Druckereistandard.

ProPhoto RGB

ProPhoto RGB ist ein noch größerer Farbraum als AdobeRGB. Seit einiger Zeit erfreut er sich gerade unter Fotografen immer größerer Beliebtheit. Und das hat einen ganz bestimmten Grund: Schaut man sich den Farbumfang moderner SLR-Kameras im Vergleich zu sRGB oder AdobeRGB an, wirken die beiden Farbräume klein. Fotos in diesen beiden Farbräumen nutzen also nur einen Bruchteil des von der Kamera erfassten Farbumfangs. ProPhoto RGB wurde von Kodak entwickelt, weil kein anderer geräteunabhängiger Farbraum den Farbumfang digitaler Kameras ausreichend berücksichtigt. Doch der Vorteil, dass ProPhoto RGB so gut wie alle Farben moderner Kameras berücksichtigt, ist zugleich auch sein Nachteil. Denn kein Gerät kann die Farben von ProPhoto RGB wiedergeben – weder Monitor noch Drucker. Die Frage lautet also: Warum größere Farbräume nutzen, die kaum ein Gerät darstellen kann? Zum einen funktioniert das Abbilden größerer Farbräume auf kleinere recht gut. Zum anderen entwickelt sich die Monitorbranche rasant weiter, insbesondere was den darstellbaren Farbumfang betrifft.

Allerdings ist auch diese Entwicklung beschränkt – und zwar auf das menschliche Sehvermögen. Denn ProPhoto RGB stellt zwar im sichtbaren Bereich deutlich mehr Farben dar als AdobeRGB, erstreckt sich zu einem kleinen Prozentsatz aber auch in für Menschen nicht mehr sichtbare Bereiche. Das lässt sich ganz leicht anhand eines Vergleichs zwischen dem C*I*E*Lab-Farbraum, der das menschliche Sehen repräsentiert, mit ProPhoto RGB erkennen. Je nach Rendering Intend (Abbildung des tatsächlichen Farbraums auf den darstellbaren Farbraum) können die nicht sichtbaren Farben zu Fehlern in der Darstellung führen. In der Standardeinstellung sollten sie aber einfach unsichtbar bleiben.

ProPhoto RGB eignet sich nur für die Arbeit mit 16 Bit Farbtiefe je Farbkanal und disqualifiziert sich damit von vornherein beispielsweise für die Veröffentlichung als JPEG im Internet. Auf 8 Bit reduziert treten relativ leicht sichtbare Farbabrisse aufgrund von Rundungsfehlern auf. Als Arbeitsfarbraum ist ProPhoto RGB dennoch eine gute Lösung, da er fast alle Farben der an der Verarbeitung teilnehmenden Geräte beinhaltet und daher erheblich sattere Rot-, Grün- und Blautöne abbildet. Außerdem fallen dabei keine Umrechnungsverluste während der Verarbeitung an. Im Gegenteil: Bei starken Farbkorrekturen kann der Anwender beispielsweise Nuancen aus nicht darstellbaren Bereich in den sichtbaren Bereich holen – wo sonst eine einfarbige Fläche wäre, gibt es noch Struktur. Denn mathematisch kann das Bildbearbeitungsprogramm die unsichtbaren Nuancen selbstverständlich sehen und mit ihnen arbeiten.

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