Digitales Heimkino Der Fernseher als Schaltzentrale

Interaktive Terminals und digitale Recorder: Auf der Ifa soll der Startschuss für eine schöne neue Fernsehwelt fallen. Die Begeisterung der Zuschauer könnte jedoch durch hohe Preise getrübt werden.

Von Niels Gründel


Die diesjährige Ifa soll der Unterhaltungselektronik-Branche einen deutlichen Umsatzzuwachs bescheren. Der Optimismus der Entwickler beruht vor allem auf den Erfahrungen mit anderen, inzwischen sehr erfolgreich eingeführten Digitalgeräten: DVD-Spieler, MP3-Recorder und digitale Camcorder. Allerdings wird der Markt nur dann weitere positive Impulse erhalten, wenn die Verbraucher vom Zusatznutzen der digitalen Angebote überzeugt werden können - preiswert sind die neuen Geräte nicht.

Home Cinema auf dem Vormarsch

Axcent-PVR der ersten Generation: Aufnehmen und Abspielen zugleich

Axcent-PVR der ersten Generation: Aufnehmen und Abspielen zugleich

Einer der Schwerpunkte der Funkausstellung ist Home Cinema: Die Hersteller präsentieren unter anderem Breitbild-, LCD- und Plasma-Flachbildschirme sowie Projektions-Geräte. Daneben sorgen aber auch digitale Aufzeichnungssysteme für Aufsehen. Erste DVD-Recorder und anwenderfreundliche Persönliche Videorecorder (PVR) sollen für mehr Komfort beim Fernsehen sorgen. Ein PVR verfügt über eine eingebaute Festplatte und ermöglicht das zeitgleiche Aufnehmen und Abspielen eines Fernsehprogramms.

Der Vorteil der digitalen Videorecorder-Generation liegt auf der Hand: Lieblingssendungen sind wie beim PayTV ständig verfügbar, zudem machen die Geräte Wiederholungen und Stopps während einer laufenden Sendung möglich. Unterbrechungen durch minutenlanges Vor- und Zurückspulen gehören dank Digitaltechnik zur Vergangenheit, und auch persönlichen Vorlieben kann man den neuen Videorecordern mit einer eingebauten Agentenfunktion leicht beibringen.

Zwar wurden die ersten Persönlichen Videorecorder schon vor über einem Jahr marktreif entwickelt und verkauft, aber seither sind die Preise für Festplatten drastisch gefallen. Zudem zeigen die Hersteller auf der Ifa, dass sie die Macken der ersten PVR-Generation behoben haben. So präsentiert Panasonic seinen neuen Festplattenreceiver NV-HDB1EC mit einer Fülle von Lösungen, die man in dieser Kombination bei den Mitbewerbern noch vergeblich sucht.

Auch die Axcent Media AG aus Paderborn stellt die zweite PVR-Generation vor. Sie wird mit einem sehr viel größeren Speicher ausgestattet sein, ein Common-Interface soll die Nutzung von verschiedenen Pay-TV-Paketen und Diensten ermöglichen. Beim Betriebssystem setzt man nun auf Linux. "Wir haben bewusst eine Lösung geschaffen, die unabhängig und offen ist", erklärt Reinhard Lüling, Axcent-Vorstand für Forschung und Entwicklung. Die neuen Geräte sollen Ende des Jahres verfügbar sein und erstmals deutlich unter tausend Mark liegen.

Vom Fernseher zum Terminal

Nach Jahrzehnten des Erfolgs verlässt der Fernseher nun den Weg des reinen Empfangsgerätes und entwickelt sich zum zentralen Gerät für Unterhaltung, Information und Kommunikation. Helfen soll dabei vor allem MHP (Multimedia Home Platform). MHP ist der digitale Standard für Free-TV, Pay-TV, Multimedia und interaktive Dienste, durch den das Fernsehen noch konsumentenfreundlicher werden soll.

Nokia Mediaterminal: Werbung im Bedienungsmenü?

Nokia Mediaterminal: Werbung im Bedienungsmenü?

Mit dem internationalen Standard DVB (Digital Video Broadcasting) wurden bereits die Grundlagen eines einheitlichen digitalen Übertragungsweges für Kabel, Satellit und Terrestrik geschaffen. Für weitergehende Zusatzdienste oder interaktive Anwendungen gibt es erst mit der MHP-Plattform eine gemeinsame offene Software-Schnittstelle. Mit einer MHP-tauglichen Set-Top-Box oder einem TV-Gerät mit integrierter MHP-Box, auch integrated Digital TV (iDTV) genannt, soll der Konsument künftig eine Vielfalt multimedialer Angebote nutzen können.

Die ersten MHP-Dienste sollen mit der Ifa starten. Der Umfang soll dabei vom Super-TeleText über umfangreiche neue Elektronische Programmführer (EPG), ergänzende Informationen zum laufenden Programm bis hin zu Börsen-, Nachrichten- und Wettertickern reichen. Manche Sender denken auch an interaktive Spielshows, Meinungsumfragen zu politischen Themen, Shopping-Angebote sowie einen E-Mail- und Internetzugriff.

MHP-Endgeräte werden nach der Ifa in Form von Set-Top-Boxen und iDTV verfügbar sein. Abhängig von der Ausstattung ergibt sich ein Mehrpreis zwischen 600 und 1000 Mark. Um die Preisschwelle zu senken, erwägen die Hersteller besondere Finanzierungsmodelle. So existieren Überlegungen für ein Subventionsmodell für das Nokia Mediaterminal. Partnerunternehmen sollen markante Plätze im Bedienungsmenü bewerben, um den Preis deutlich zu senken. Im Extremfall könnte das Gerät sogar verschenkt werden. Im Verkauf würde die Nokia-Box nämlich 2000 Mark kosten - ganz sicher zu viel für einen erfolgreichen MHP-Start.



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