Digitalradio Mit Wlan auf Weltempfang

Das Radio wird digital. Um allerdings dem analogen UKW-Radio den Garaus zu machen, braucht es mehr als nur eine bessere Klanqualität. Auf unterschiedlichen Wegen suchen Hersteller nach überzeugenden Mehrwert-Funktionen.

Von Mario Gongolsky


"Gerade beim neuen Evoke-3 können wir uns über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Es ist so, als hätten die begeisterten Radiohörer lange auf ein solches Gerät gewartet", freut sich Ralf Reynolds von der Firma Pure über seinen augenblicklichen Liefer-Engpass für das mit 349 Euro alles andere als preiswerte Digitalradio.

Nachfrage für ein DAB-Digitalradio, und das in Deutschland? Das ist neu, galten DAB-Radios bislang als schwer verkäuflich.

Das große Kofferradio Evoke-3 sieht zwar aus wie Omas Küchenschrank, ist aber ein digitaler Alleskönner. So lässt sich die digitale Radiowiedergabe per Knopfdruck anhalten - zum Beispiel, um einen Telefonanruf entgegen zu nehmen und danach einfach an der unterbrochenen Stelle weiterzuhören. Ebenso kann man DAB-Radiosendungen auf eine SD-Karte aufzeichnen. DAB sendet seine Audiodaten als MPEG-1 Layer 2 aus. Das ist der unmittelbare Vorläufer von MP3. So lassen sich derartige MP2-Aufnahmen auf einem MP3-Player abspielen. Umgekehrt kann eine SD-Karte mit MP3-Files über das Radio wiedergegeben werden.

Radiozeitung ab Ende 2006

Zum Jahresende 2006 wird man eine weitere Annehmlichkeit des Evoke-3 genießen können: DAB kann nämlich eine Elektronische Programmzeitung (EPG) abstrahlen. Die Programme vom Deutschlandradio Kultur lassen sich dann zum Beispiel bis zu sieben Tage im Voraus einsehen. Hat man anhand des Beschreibungstextes eine interessante Sendung gefunden, genügt ein einziger Knopfdruck, und die Sendung wird später automatisch aufgezeichnet. Diese Funktion macht aus dem Radio plötzlich eine Art "Podcatcher".

Digitalradio Set-Top-Box

Innovationen kündigten sich beim Fernsehen traditionell über Zusatzboxen an: ZDF-Empfänger, Kabelband-Tuner und Set-Top-Box. Wer DAB eine Chance auf Bewährung geben möchte, ohne all zu tief in die Tasche zu greifen, der kann sich eine Set-Top-Box für das Digitalradio zulegen. Das schicke Albrecht DR-500 sieht aus wie ein kleines Zusatzdisplay, beherbergt aber einen vollwertigen UKW-/DAB-Tuner in seinem Inneren. Zur reibungslosen Bedienung wird auf eine kleine Scheckkarten-große Fernbedienung zurückgegriffen. Auf der Rückseite steht ein gewöhnlicher Cinch-Ausgang zur Verbindung mit der Stereoanlage zur Verfügung. Der digitale Radiospaß für die Stereoanlage kostet dabei gerade einmal 115 Euro.

MP3 mit DAB-Radio

Die Verbindung von MP3-Player und DAB-Radio ist nicht mehr neu. Doch die MP3-Player-Eigenschaften der bisherigen Kombigeräte kommen bislang vergleichsweise unterbelichtet daher. Die Firma A-Max-Technology präsentiert auf der Funkausstellung nun einen MP3-Player für WMA und MP3 mit voller DRM-10-Unterstützung für gekaufte Musikfiles. Das integrierte DAB-Radio beherrscht beide in Deutschland verwendeten Frequenzabschnitte: das Band III und das L-Band mit seinen zusätzlichen Programmen in Ballungsgebieten. Die Preise beginnen bei 149 Euro.

Mobiltelefone mit Radio- und TV-Funktion

Mobiltelefone für TV-Empfang sind ebenfalls Thema auf der Funkausstellung 2006. Debitel ist mit seinem ersten Handy-TV-Paket "Watcha" schon in fünf deutschen Städten auf Sendung. Die neuen DMB-Telefonmodelle von Samsung und LG, die vor Weihnachten angeboten werden sollen, sind nebenbei auch vollwertige DAB-Digitalradios. Der TV-Standard basiert auf DAB und demnach ist es für diese Handys ein Leichtes, digitales Radio zu empfangen. Das LG V9000 beherrscht zum Beispiel neben dem L-Band, in dem die TV-Programme senden, auch das Band III, das überall in Deutschland für DAB-Digitalradio verwendet wird.

Webradio: WLan macht's nützlich

Das Webradio erlebt über spezielle Endgeräte einen zweiten Frühling. Eigentlich gelten solche Tech-Gadgets eher als etwas, das man auf der Cebit präsentieren muss. Doch die Konvergenz lässt solch starre Abgrenzungen kaum noch zu. Neben der Philips-Streamium-Serie für das vernetzte Heim, ist da vor allem die Firma Terratec mit seinem Noxon iRadio zu nennen. Das Gerät sieht so richtig nach einem Tischradio aus, und es hat auch eine Funkantenne.

Per WLan geht das Radio online und steuert selbständig die Webradio-Senderdatenbank vTuner an. Dort stehen rund tausend Radiosender aus aller Welt zur Wahl. Der PC kann bei alledem ausbleiben. Webradio kann mit Bitraten zwischen 96 und 128 Kilobit ganz ordentlich klingen. Manche ARD-Anstalt präsentiert sich allerdings mit schmalen 32-Kilobit-Streams in einer Qualität, die eher mit indischen Lokalradios konkurriert.

Wer seinen PC mit einschaltet, kann über die mitgelieferte Media-Server-Software übrigens alle WMA- und MP3-Bestände der Festplatte per WLan für das iRadio zur Verfügung stellen. Auch DRM-geschütze Files lassen sich damit abspielen. Das iRadio von Terratec kostet 199 Euro. Nicht die Welt, für die ganze Welt.

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