DOCMA-Fotowettbewerb Die besten Fälscher haben die dicksten Kartoffeln

Preise für die Fälscher, harte Recherchearbeit für Forensiker: Bildbearbeitungsguru Doc Baumann ruft einen Wettbewerb für Bildmanipulation aus. Experten beurteilen die kreativen Montagen - und das Bundeskriminalamt kann mit einigen Einsendungen seine Prüfverfahren testen.


Da hat Bauer Heinrich Wambach aus Elstertal gut lachen - eine so große Kartoffel hatte er noch nie auf seinem Acker geerntet. Das musste sofort für die Nachwelt dokumentiert werden. Nur - welches von den dreien ist das Originalfoto?

Beim DOCMA-Award für digitale Bildbearbeitung 2009 wird es die Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer sein, eigene Fotos digital durch Montagen und Retuschen möglichst überzeugend zu verfälschen.

Denken Sie sich eine kurze Geschichte aus, schreiben Sie sie in wenigen Zeilen auf und belegen Sie den Höhepunkt durch den visuellen "Beweis" eines gefakten Fotos.

Das kann eine ganz alltägliche Geschichte sein, aber durchaus auch etwas Weltbewegendes.

Bei gelandeten Ufos oder Godzilla im Hamburger Hafenbecken werden die Gutachter allerdings nicht lange rätseln müssen, was da montiert worden sein könnte.

Zunächst sollen Sie sich eine kleine Geschichte ausdenken, die etwa den Umfang einer ausführliche Bildunterschrift haben sollte.

Dicke Kartoffeln und kaputte Autos

Da kann es um die dicke Kartoffel von Bauer Wambach gehen, einen Blechschaden an Ihrem Auto, gelandete Außerirdische oder einen uneigennützigen Investmentbanker.

Das Problem bei der Sache: Je spektakulärer die Story wird, um so spannender wird wahrscheinlich die Montage – aber um so leichter wird es auch, das angebliche Foto als Fälschung zu entlarven und festzustellen: Dieses Element wurde hineingemogelt.

So gern "DOCMA" den Einsendern mit Workshops und Tipps dabei helfen, visuell überzeugende Montagen ohne offensichtliche Brüche und Widersprüche anzufertigen, so wenig möchte die Redaktion Fälscher unterstützen, die Bilder manipulieren, um bei den Betrachtern ein unzutreffendes Weltbild zu erzeugen und um für sich oder ihre Auftraggeber ungerechtfertige Vorteile zu erreichen (siehe Doc Baumanns Essay zum Thema Bildmanipulaton).

Mathematische Verfahren, die jenseits der Sichtkontrolle von Beleuchtung, Perspektive, Schärfe und exakter Kontur herausfinden können, wo etwas zusammengewachsen ist, das eigentlich nicht zusammengehörte, kommen da gerade recht.

Deswegen wird es beim Award 2009 neben der Jury, die die Bilder hinsichtlich ihrer Montagequalitäten und überzeugenden Bildideen bewertet, einen ergänzenden Arbeitskreis geben, der mit den Methoden der Bildforensik versuchen wird, Gefälschtes herauszufiltern.

Den wird das verwendete Montagematerial erst später zugänglich gemacht, so dass diese überprüfen können, wo ihre Verfahren zu falschen Ergebnissen gekommen und daher in der Praxis unzuverlässig wären.

Mit gelandeten Ufos, Godzilla im Hamburger Hafenbecken oder einer 27-Kilo-Kartoffel machen Einsender es den Gutachtern leicht; da müssen sie nicht lange suchen. Andererseits, zugegeben - wenn sie einem Mann nur eine Armbanduhr dran- oder abmontieren, ist das keine so sonderlich preisverdächtige Bildidee. Aber als ergänzendes Element kann es durchaus spannend werden und den Fachleuten ein wenig das Leben schwer machen.

Bildbearbeiter haben bis zum Sommer Zeit

Zusammenarbeiten werden wird "DOCMA" bei diesem Wettbewerb unter anderen mit dem Lehrstuhl Datenschutz und Datensicherheit der TU Dresden, der Fachabteilung beim Bundeskriminalamt, den Gutachtern Gerald Huber und Anders Uschold, SPIEGEL ONLINE sowie den Zeitschriften "Photographie" und "c't".

Weitere interessierte Fachleute sind eingeladen, sich zu melden. Die eingereichten Montagen werden den genannten Institutionen und Personen zur Verfügung gestellt - falls Einsender das nicht wollen, können sie es selbstverständlich bei der Anmeldung ausschließen. Die Zusammenarbeit mit dem BKA beschränkt sich ausschließlich auf die bildforensischen Analyse - die Entwicklung automatisierter Gesichtserkennung zum Beispiel wird ausdrücklich nicht unterstützt.

Teilnehmer können bis zu fünf Montagen einsenden. Um es noch spannender zu machen, sollten sie zusätzlich echte Fotos mitschicken, die irgendetwas Ungewöhnliches zeigen – damit bleibt offen, ob ein Bild überhaupt eine Fälschung ist oder nicht.

Die Jurierung der Werke findet im Sommer 2009 statt. Es gibt die drei Gruppen Profis, Semiprofis und Ausbildung. Wie in jedem Jahr warten auf die Preisträger Gewinnprämien im Gesamtwert von etwa 20.000 Euro sowie die Präsentation der besten Werke - den Originalen gegenübergestellt - in Ausstellung und Medien ( weitere Informationen auf der Webseite des Wettbewerbs).

Aber auf jeden Fall können Sie nun schon mal mit den Vorbereitungen beginnen.

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