Domains Tuvalu macht TV-Dollars

Der Inselstaat Tuvalu im Pazifik ist zwar nicht gerade ein reiches Land - aber er ist mit der Endung ".tv" auf viel sagende Weise im Internet vertreten. Nun scheint sich das zum ersten Mal für die Insulaner auszuzahlen.


Als finanzieller Segen für Tuvalu könnte sich ein Abkommen mit der US-Firma DotTV erweisen: Das Internet-Unternehmen will dem Inselstaat in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Dollar an Lizenzgebühren zahlen, um die Domain-Endung ".tv" nutzen und weiterverkaufen zu dürfen.

Staatswappen von Tuvalu: "Wir waren sehr, sehr, sehr arm"

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"Das ist das einprägsamste Zweibuchstaben-Symbol der Welt", begründete DotTV-Chef Lou Kerner die Investition. Kerner setzt darauf, dass die im Internetbusiness übliche Adress-Endung ".com" vielen Unternehmen nicht mehr ausreicht. In Zukunft, so die Hoffnung des DotTV-Chefs, könnten Fernsehsender ihrem Surfpublikum schon mit ihrer Internetadresse signalisieren, was sie erwartet.

Mit Adress-Auktionen auf seiner Website testet das Unternehmen schon einmal das Interesse der Kundschaft: Domains wie "Coke.tv" oder "Beatles.tv" werden derzeit allerdings gerade erst mit 4000 und 5100 Dollar gehandelt. Immerhin: Das eher kryptische "I.tv" steht mit 32.000 Dollar in der Gebotsliste. Insgesamt will das Unternehmen bei einem Testdurchlauf in der vergangenen Woche bereits 200 Internet-Domains für 300.000 Dollar verkauft haben.

Dem Abkommen zufolge soll DotTV im Vierteljahr mindestens eine Million Dollar an Tuvalu zahlen - für den aus neun Atollen bestehenden Inselstaat mit gut 10.000 Einwohnern wäre das der größte Einkommensposten im Staatshaushalt. "Wir waren sehr, sehr, sehr arm", erklärt Parlamentsmitglied Koloa Talake, "doch nun verdienen wir etwas Geld mit der Vermarktung unserer '.tv'-Endung'"

Dabei hätte das Geld eigentlich schon früher kommen sollen: Bereits vor über einem Jahr hatte eine kanadische Firma - ebenfalls für 50 Millionen Dollar - den Zuschlag für das aussagekräftige Kürzel bekommen. Doch das Geschäft platzte, und die erhoffte Finanzspritze für den Staatshaushalt blieb aus.

Ob sich die ".tv"-Endung als wirkliche Alternative zur herkömmlichen ".com" erweist, wird noch von manchen bezweifelt. "Die Leute haben sich daran gewöhnt, '.com' zu hören, zu sagen und in ihren Computer einzutippen", meint etwa James Korris vom Entertainment Technology Center der University of Southern California. "Bei allem Respekt für die Bevölkerung von Tuvalu - ich bin mir nicht sicher, ob sich die Idee durchsetzt."



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