Downloads aufs Handy Musiklabels testen Bluetooth

Um dem geneigten Hörer die Lieblingssongs aufs Mobiltelefon zu bringen, erproben Handyhersteller und Musiklabels den Funkstandard Bluetooth. Die Musik soll in Coffee Shops und Läden angeboten werden - der teure Datentransfer über das Handynetz entfällt.


Lange Zeit sah es gar nicht danach aus, als würde sich Bluetooth tatsächlich durchsetzen. Der Funkstandard für Entfernungen von wenigen Metern war zwar irgendwie praktisch, blieb mangels damit ausgerüsteter Geräte aber ein Nischenprodukt. Mittlerweile beherrschen jedoch immer mehr Mobiltelefone Bluetooth - und an Zusatzgeräten herrscht kein Mangel mehr: Headsets, Freisprecheinrichtungen fürs Auto oder GPS-Empfänger - sie alle funken über den Standard.

Frau mit Musikhandy: Downloads im Coffeeshop

Frau mit Musikhandy: Downloads im Coffeeshop

Der Handyhersteller Nokia und das Musiklabel Emi wollen die Verbindungstechnik jetzt für Musikdowloads einsetzen. In sechs Coffeeshops und Musikläden im finnischen Helsinki sollen Kunden das neue Angebot mit dem Namen CoolZone testen können - in der Anfangsphase gratis. Auch die Übertragung von Klingeltönen, Bildern und Videos via Bluetooth ist geplant.

Kunden, die einen der Testläden betreten, können Songs aus einer Liste auswählen und auf ihr Handy übertragen. Funktionieren wird das Ganze allerdings nur auf Symbian-Handys der Serie 60, etwa Siemens SX1, und auf Nokia-Handys der Serie 40, zum Beispiel 6060 und 8800.

Der Test in Helsinki dürfte bei den Betreibern der Mobilfunknetze kaum Begeisterung auslösen. Schließlich hoffen sie ja mit kostenpflichtigen Downloads eines Tages ihr teuer aufgebautes UMTS-Netz refinanzieren zu können. Die Bluetooth-Übertragung ist hingegen vergleichsweise billig - weder teure Lizenzen noch ein landesweites Netz sind nötig; auch Verbindungsgebühren fallen nicht an. Es genügen ein paar Bluetooth-Spots in Cafés und Kneipen - ähnlich wie WLAN-Hotspots.

Was die Übertragungsgeschwindigkeit betrifft, ist Bluetooth sogar schneller als der Mobilfunkstandard UMTS - zumindest theoretisch. Der Kurzstreckenfunk bringt es auf bis zu 732 kBit/s, UMTS hingegen nur auf 384 kBit/s. Für einen zwei Megabyte großen Song muss man mit Bluetooth mindestens 22 Sekunden warten, bei UMTS sind es unter Idealbedingungen 42 Sekunden.

Es bleibt aber abzuwarten, ob sich die jugendliche Zielgruppe tatsächlich für den Download via Bluetooth erwärmt. Solange er nur bei einer Handvoll Geräte funktioniert, ist das eher unwahrscheinlich. Erschwerend kommt hinzu, dass zuvor eine Software auf das Handy heruntergeladen werden muss.

Bei Musikdownloads aufs Handy gehen Anbieter derzeit verschiedene Wege. Die Netzbetreiber haben eigene Shops und nutzen zur Übertragung ihr eigenes Netz. Das iTunes-Handy von Motorola kann nur über den PC mit heruntergeladener Musik gefüttert werden. Viele Telefone besitzen mittlerweile aber auch einen MP3-Player und einen großen Speicher, der mit der eigenen Musiksammlung vom PC aus befüllt werden kann.



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