DVD-Brenner Hollywood wird doppelschichtig geröstet

Die Filmindustrie sieht's mit Grausen: Neue Double-Layer-Brenner können Film-DVDs verlustfrei kopieren. Die Geräte sind bald da - es fehlt nur noch an Rohlingen. Die Hersteller basteln derweil schon am DVD-Nachfolger, können sich aber wie üblich nicht auf einen Standard einigen.

Von Joachim Sauer


Rohlinge im Labor: Hohe Umsätze zum Leidwesen der Filmbranche

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DVD-Brenner - das sind derzeit die Verkaufshits der Computerbranche. Sie sorgen bei den Rechnern für Absatz und sind dank einfacher Installation auch für Laien leicht nachzurüsten. Die Video-DVD, Kazaa & Co sorgen zudem für reichlich Nachfrage. Wer sich mit Mühe und Geduld aus dem Peer-to-Peer-Netzwerk einen Film gezogen hat, will diesen schließlich nicht zwangsläufig auf dem Rechner anschauen, sondern einfach in den DVD-Player einwerfen. Ebenso sinkt auch die Hemmschwelle beim Kopieren von DVDs aus der Videothek - auch wenn das inzwischen verboten ist, weil dabei der DVD-Kopierschutz ausgehebelt wird.

Des einen Leid ist des anderen Freud - die Hersteller von Brennern frohlocken über den endlich so richtig in Schwung gekommenen Markt. Doch wie so häufig in der Computerbrache: Kaum bringt der Markt die notwendigen Absatzzahlen, nimmt der Wettbewerb zu und die Preise purzeln. Entsprechend heißt es für die Hersteller schneller sein mit neuen Innovationen. Letztes Jahr hat der Schub von Dual-DVD-Brennern für hohe Verkaufszahlen gesorgt. Doch nachdem nun die meisten Brenner die beiden konkurrierenden Standards DVD-R und DVD+R brennen können, drücken die Hersteller jetzt aufs Tempo. Die neuen DVD-Brenner können die Scheiben mit achtfacher Geschwindigkeit beschreiben.

Doch ganz nahtlos und wirklich verkaufsfördernd ist der Start in die 8x-Ära nicht verlaufen. Plextor feierte mit dem Laufwerk "PX 708 A" bereits im Oktober mit gut drei Monaten Vorsprung Premiere - die passenden Medien gibt es erst jetzt. Inzwischen gibt es 8x-Brenner von vielen Herstellern, doch die Ergebnisse sind erschreckend: Die Fehlerrate liegt deutlich über dem, was die DVD-Norm erlaubt. Viel zu viele der relativ teuren Scheiben landen im Mülleimer. Zudem schaffen viele Modelle nicht die vorhergesagte Brenngeschwindigkeit - das 8x auf der Verpackung ist eine glatte Lüge.

Wettlauf zu "Double-Layer"

8x-Brenner (von Teac): Hohe Fehlerraten bei fast allen Herstellern

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Trotzdem machen sich die Hersteller bereits zu neuen Ufern auf: Die übernächste DVD-Brennergeneration soll doppelschichtige Rohlinge beschreiben können (Double Layer) und damit die auf Film-DVDs übliche Speicherkapazität von 8,5 Gigabyte erreichen (DVD-9). Filmfans wird's freuen: Gegen Eins-zu-Eins-Kopien von Blockbustern spricht dann allerhöchstens noch das neue Urheberrecht.

Philips wird bereits zur Cebit einen Double-Layer-Brenner für den PC vorstellen. "Der DVDRW 885K brennt den ersten Layer mit bis zu achtfacher und den zweiten immerhin noch mit 2,4facher Geschwindigkeit", so Georg Wilde Pressesprecher bei Philips. Der Wettlauf um das erste Laufwerk ist also eröffnet: Auch Sony will zur Cebit ein eigenes Laufwerk präsentieren und bereits einen Monat später ausliefern.

"Wer sich die Vergangenheit anschaut, kann sich ausrechnen, dass auch diesmal die passenden Medien erst mit Verzögerung erhältlich sind", gibt Sony-Pressesprecher Nils Seib zu. "Bei den Medien ist aus Kompatibilitätsgründen eine hohe Qualitätssicherung notwendig und das kostet eben Zeit."

Kritisch dürften vor allem die Reflektionseigenschaften der Medien sein. Kleine Abweichungen führen wegen der hohen Speicherdichte und der zwei unterschiedlichen Fokussierebenen schnell zu verbrannten Rohlingen. Mit den ersten Medien rechnet Sony deshalb erst im Juli, also gut drei Monate später. Bedenkt man, dass in dieser Zeit häufig bereits ein Modellwechsel stattfindet, fragt man sich, warum der Kunde die erste Generation überhaupt kaufen soll, wenn er die neue Funktion aus Mangel an Medien überhaupt nicht nutzen kann.

Plus oder Minus, HD-DVD oder Blu-Ray?

Double-Layer-Aufbau: Eins-zu-Eins-Kopien von Film-DVDs möglich

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Double-Layer-Brenner markieren keinesfalls das Ende der Entwicklung. Die Branche diskutiert bereits jetzt den nächsten Technologiewechsel. Blu-Ray und die HD-DVD - ehemals Advanced Optical Disc (AOD) - spuken seit gut eineinhalb Jahren durch die Presselandschaft. Verwunderlich, dass die Hersteller aus dem zögerlichen DVD-Brenner-Start nicht gelernt haben und sich wieder nicht auf ein Format einigen konnten. Statt Plus oder Minus heißt es wohl bald Blu-Ray oder HD-DVD.

Allerdings scheint die Blu-Ray-Allianz mit Sony, Panasonic, Philips, Pioneer, Samsung und Sharp deutlich gewichtiger. Die HD-DVD Befürworter sind mit NEC und Toshiba als namhafte Triebfedern deutlich schwächer besetzt. Doch immerhin schreibt man sich dort die Kompatibilität zur DVD auf die Fahnen.

Blu-Ray macht einen wesentlich härteren Schnitt und ist nicht abwärts kompatibel. Erst mit dem Einbau eines zweiten Lasers würden die neuen Rekorder auch aktuelle DVDs verstehen - eine deutlich teurere und aufwändigere Technologie.

Doch als Nachfolger für die DVD wollen die Hersteller Blu-Ray ohnehin nicht verstanden wissen. Panasonic-Sprecher Peter Wagner betont, dass die Blu-Ray-Scheibe auf den professionellen Speicherbedarf ausgerichtet ist und in Europa frühestens mit dem in ferner Zukunft liegenden hochauflösenden Fernsehen (High Definition) Sinn macht. Für die Datenraten des derzeitigen Fernsehstandards reicht auch die normale DVD.

Dabei schwingt aber auch mit: Niemand will sich die aktuellen Geschäfte mit DVD-Brennern und Rekordern vermiesen.

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