E-Commerce Alles außer Soldatenschweiß

...findet sich im E-Shop des Schweizer-Armee-Shop-Vereins. "Military" ist in, der E-Commerce boomt: 200.000 Fränkli berappten die Kunden im letzten Jahr.


Hat gedient: Ernst Gerschwiler war Soldat, jetzt ist er Präsident des Schweizer Armee-Shop-Vereins
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Hat gedient: Ernst Gerschwiler war Soldat, jetzt ist er Präsident des Schweizer Armee-Shop-Vereins

Bern - Stardesigner John Galliano von Dior hat es brandaktuell für diesen Modesommer entdeckt, Jean-Charles de Castelbajac verziert sogar Accessoires und Tassen damit - der Tarnfarben-Look ist in, und der Schweizer Armee-Shop-Verein darf sich zur Avantgarde der neuen Moderichtung zählen.

Die Mitarbeiter haben einen schwunghaften Internethandel mit allem Möglichen auf die Beine gestellt, was sich unter dem Armee- Label verkaufen lässt. Rund 200.000 Franken (gut 250.000 Mark) Umsatz bringt er im Jahr. Im Funkerhaus auf dem Kasernenhof in Bern wird in Kürze der erste Laden eröffnet.

Im Angebot sind Schweizer Taschenmesser, Uhren, Schützenmützen, Gefechtsmappen und Sonnenbrillen. Kasernenhof-Flair versprechen aber auch andere Kreationen: die Bettwäsche-Garnitur "Military" etwa, oder der Armee-Tarnbleistift mit Gummi, das tarnfarbene Etui für Handy und Sonnenbrille, der Taschenaschenbecher mit Spezialverschluss und das "Army Eau de Toilette in schwarzem Stoffsäckli".

Was für ein Angebot: Für den Notfall Risotto-Rezepte für 100 Leute
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Was für ein Angebot: Für den Notfall Risotto-Rezepte für 100 Leute

"Das riecht natürlich nicht nach Soldatenschweiß", sagt Vereinspräsident Ernst Gerschwiler, und sprüht Besuchern zum Beweis den zitronig-herben Duftstoff auf den Arm. 35 Franken (rund 45 Mark) kostet die Flasche. Das Army-Duschgel ist dagegen schon für 17 Franken zu haben, der Army-Deostick sogar für schlappe 14 Franken.

Betrieben wird der Shop von ehemaligen Soldaten und Angestellten des Verteidigungsministeriums, die ehrenamtlich mitmachen. Mit dem Gewinn werden sportliche Aktivitäten der Armee unterstützt.

"Die Armee erteilt privaten Firmen die Erlaubnis, das Label Swiss Army zu nutzen", sagt Gerschwiler. Die Ware wird auf Qualität und Robustheit geprüft - was aber keine Garantie für Schweizer Wertarbeit ist. Die Swiss Army-Uhren werden beispielsweise seit vielen Jahren von der US-Gesellschaft Swiss Army Brands Inc. hergestellt, die jedoch ein Tochterunternehmen im schweizerischen Biel hat.

Die Messer liefern die Schweizer Firmen Victorinox und Wenger, die auch das echte Soldatenmesser für alle Schweizer Rekruten herstellen. Das verkauft Gerschwiler auch, doch nimmt sich das Schneidegerät mit vier Optionen - Hauptklinge, Schraubenzieher, Büchsenöffner, Dosenbohrer - in der Vitrine zwischen Edelmodellen wie "Matterhorn" und "Mountain", "Swiss Champ" und "Edelweiß" eher bescheiden aus.

Weil der Handel mit den Armee-Labeln privater Firmen so gut läuft, bietet die Armee inzwischen auch eigene Produkte an: eine CD- Rom mit Lehrgang zum Kartenlesen etwa oder den interaktiven Atlas der Schweiz. Zur Entspannung gibt es die CD "Gala der Marschmusik", zum Zeitvertreib "Jet-Quiz und Panzer-Quiz".

Renner unter den eigenen Produkten ist aber eine Kreation der Küchenchefs: Die CD "50 Rezepte aus der Militärküche" wurde innerhalb weniger Wochen schon 1000 Mal verkauft. Darauf gibt es neben Haushaltstipps und Quiz interessante Rezepte für Großanlässe: Risotto für 100 Leute, mit Kochanleitung und Zutatenliste, für insgesamt 160 Franken (rund 200 Mark), Punschkugeln für 50 Leute mit vier Dezilitern alkoholfreiem Rumpunsch zu 55 Franken, aber auch "Fleischvögel Herisauer Art" für vier Personen zu insgesamt 14 Franken sind im Angebot.

Christiane Oelrich, dpa



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