E-Mail nach Gmail Konkurrenz unter Zugzwang

Google ist groß, Google ist mächtig, wo Google sich reinhängt, wird die Luft dünn für Konkurrenten. Der Google-Maildienst "Gmail" mag umstritten sein, doch er bietet seinen Nutzern viel. Jetzt müssen die kommerziellen Anbieter aufstocken, um ihre Angebote attraktiv zu halten. Gut für die Kunden.

Die Nachricht hat die IT-Welt aufgerüttelt: Google startet einen eigenen E-Mail-Dienst. Abgesehen von der Marktmacht, die der Suchmaschinen-Betreiber aus dem kalifornischen Silicon-Valley sowieso schon hat, läutet das Unternehmen möglicherweise die nächste Generation der E-Mail-Angebote ein.

Google verspricht seinen Nutzern ein Gigabyte (GB) Datenspeicher, 200-mal mehr als T-Online seinen Kunden standardmäßig zur Verfügung stellt. Finanzieren soll sich der Dienst über nutzerspezifische Werbung, indem Interessenprofile anhand der gespeicherten E-Mails erstellt werden.

Als erster E-Mail-Anbieter in Europa hat jetzt Lycos nachgezogen. Auch der Portalbetreiber aus dem westfälischen Gütersloh stellt seinen Nutzern ein GB Speicherplatz für ihre elektronischen Nachrichten bereit. Gleichzeitig grenzt sich Lycos jedoch von Google ab: Es werde keine Werbung geben, auch Nutzerprofile würden nicht erstellt. Dafür kostet der Dienst knapp fünf Euro im Monat. Bei Arcor gibt es für 2,99 Euro immerhin 900 Megabyte (MB) Speicherplatz.

Auch wenn der Speicherbedarf für E-Mails aufgrund immer üppigerer Anhänge - darunter Fotos ebenso wie Musikdateien - deutlich wächst: Ein GB dürften die wenigsten Anwender tatsächlich benötigen, selbst wenn sie Nachrichten lange in ihrem Postfach aufbewahren und nicht auf den eigenen Rechner herunterladen wollen. Bei der Wahl des E-Mail-Anbieters sollten deshalb auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Die Dienstleister bauen ihren Service auf der Suche nach der Alleinstellung im engen Markt ständig aus.

Nur wer was zu bieten hat, hält mit

Auf den Digitalfoto-Trend sind inzwischen fast alle Anbieter aufgesprungen. GMX, Web.de, Arcor und freenet bieten ihren Nutzern Online-Fotoalben an. Bilder lassen sich per Mausklick auf den Server laden und zum Teil mit einer integrierten Bearbeitungssoftware nachbessern. Ist das virtuelle Fotoalbum fertig, kann der Nutzer es für Freunde freigeben. Sie erhalten eine separate Zugangskennung, mit der sie sich die Bilder vom letzten Urlaub oder dem Nachwuchs ansehen können. Der Rest des Postfachs bleibt ihnen verschlossen.

Vom Speicherplatz für Bilder ist es technisch nicht mehr weit bis zur virtuellen Festplatte. Im MediaCenter von GMX können Nutzer nicht nur Fotos, sondern Dateien jeder Art ablegen. Einzelne Ordner lassen sich freigeben - entweder damit Freunde die dort gespeicherten Fotos ansehen können oder zum Tauschen von Dateien. Ähnlich funktioniert der Online-Speicher bei Web.de.

Auch Termine lassen sich bei GMX, Web.de und freenet verwalten. Nutzer, die darauf Wert legen, sollten bei der Wahl des Anbieters auch darauf achten, ob sie die Daten mit ihrem Outlook- oder PDA-Kalender abgleichen können.

Nachdem es SMS kaum noch kostenlos gibt im Netz, bietet der Versand über den E-Mail-Anbieter trotzdem noch einige Vorteile. Die Kurznachrichten lassen sich auf der Tastatur schneller tippen, und die Preise liegen meistens unter denen der Mobilfunkgesellschaften. Außerdem haben einige Anbieter SMS-Freikontingente in ihre kostenpflichtigen Tarife integiert. Bei GMX sind das je nach Tarif bis zu 100 Kurznachrichten pro Monat inklusive. Der Münchner Dienstleister hat außerdem in den Komfort investiert und eine eigene Software für den Nachrichtenversand entwickelt.

Da es den perfekten E-Mail-Anbieter nicht gibt, sollten Internet-Anwender erst einmal ihre Bedürfnisse analysieren, bevor sie sich festlegen. Alle Betreiber offerieren nach wie vor eine kostenlose Version ihres Dienstes. Es spricht deshalb nichts dagegen, die Funktionen erst einmal zu testen - auch um den eigenen Bedarf zu definieren.

Björn Sievers, ddp