Edel-Kompaktkameras G10 und LX3 Die Gernegroß-Knipsen

Spiegelreflex-Funktionen im Taschenformat: Die Digitalkameras Canon G10 und Lumix LX3 lassen sich so variabel einstellen wie große Kameras und fotografieren für Immerdabei-Kameras in erstaunlich hoher Bildqualität.

Diese kompakten Digitalkameras fallen aus dem Rahmen: Die Canon G10 und die Lumix LX3 kosten mehr als manche Einsteiger-Spiegelreflexkamera (Straßenpreis derzeit ab 380 / 440 Euro), bieten aber keines der bei Kompaktkameras so gern beworbenen Extras - kein GPS-Modul zur Verortung der Fotos per Satellit, kein Stereo-Videoton, keine Touchscreen-Bedienung, keine aberwitzigen Megapixel-Rekorde.

Stattdessen zwei Versprechen: Hohe Bildqualität und eine Vielfalt ein Einstellmöglichkeiten zur Bildgestaltung, wie man sie von Spiegelreflexkameras kennt. Die Qualität einiger Aufnahmen seiner Canon G10 hat schon den Fotografen Michael Reichmann zu einem vieldiskutierten Vergleich gebracht: Auf Ausdrucken im A3-Format sind seine Naturaufnahmen der G10 nicht von denen einer fast hundertmal so teuren digitalen Mittelformat-Kamera zu unterscheiden.

Nutzbarkeit, Gestaltungsfreiraum, Bildqualität – SPIEGEL ONLINE vergleicht die Canon G10 und die Lumix LX3.

Bedienung

Der Canon-Kamera G10 sieht man die Vielfalt an Einstellungsmöglichkeiten an: Als kompakt kann man das schwarze, klobige, etwa 400 Gramm schwere Gerät kaum bezeichnen. Aber die Größe ermöglicht ein vorteilhafte Bedienung der G10 auch gegenüber der deutlich kleineren und leichteren LX3: Statt sich mit Hilfe winziger Knöpfe durch Menüs auf dem Display zu hangeln, um Details wie die Lichtempfindlichkeit einzustellen, dreht man bei der G10 an eigens dafür vorgesehenen Wahlrädchen.

Konkret hat die G10 im Gegensatz zur LX3 und fast allen Kompaktkameras diese Bedienelemente:

  • Wahlrad zum Einstellen der ISO-Empfindlichkeit
  • Wahlrad zum Einstellen der Belichtungskorrektur
  • Rechts neben dem Display an der Rückseite der Kamera ein Wahlrad, an dem man mit dem Daumen Blendenzahl, Belichtungszeit und Autofokus-Messverfahren einstellt (siehe Kasten unten).

All das lässt sich auch an der LX3 einstellen – nur geht das hier etwas mühsamer: Im manuellen Modus lassen sich Blendenzahl und Belichtungszeit über eine Art Mini-Joystick an der Kamerarückseite einstellen. Das funktioniert ganz gut, schneller und angenehmer ist aber das Drehrad der G10. Für Änderungen bei ISO-Empfindlichkeit und Belichtungskorrektur aber muss bei der LX3 erst das Hauptmenü aufgerufen und dann die entsprechende Option gesucht werden – deutlich umständlicher.

Komfortable Bedienung per Drehrad

Diese Einstellmöglichkeiten sind ein wesentlicher Unterschied der beiden Gernegroß-Kameras zu normalen Draufhalt-Knipsen.

Wofür das gut ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Wer bei Nachtaufnahmen die Scheinwerfer-Lichter von Autos zu roten und weißen Streifen verschwimmen lassen will, stellt (Stativ oder feste Unterlage für die Kamera vorausgesetzt) eine recht lange Belichtungszeit und eine entsprechend kleinere ISO-Empfindlichkeit und Blendenöffnung ein, damit das Foto nicht überbelichtet wird. Mit Draufhalt-Knipsen funktioniert das nicht – mit der G10 und LX3 kann sehr einfach mit den verschiedenen Einstellungen experimentieren.

Und bei solchen Experimenten ist die Bedienung der Canon G10 eben angenehmer. Der Preis dafür: Die Kamera ist höher, dicker und schwerer (fast 200 Gramm) als die LX3. Für die G10 braucht man schon eine große Jackentasche, ansonsten liegen beide Kameras gut in der Hand und lassen sich auch mit der rechten Hand allein ordentlich bedienen.

Fototechnik-Fachbegriffe

Ein echtes Manko bei der Bedienung ist der Objektivdeckel der LX3: Anders als bei der G10 und Kompaktkameras überhaupt hat die kleine Lumix-Kamera einen Draufklemm-Schutz, den man vorm Einschalten abnehmen muss. Bei der Canon G10 öffnet sich der Objektivschutz beim Einschalten von selbst.

Bei Spiegelreflex-Objektiven sind solche Draufklemm-Deckel Standard, bei einer so kleinen Kamera wie der LX3 stört der an einem Faden herabbaumelnde Deckel aber viel mehr. Und vor allem: Durch diese kleine Extra-Hürde vergeht mehr Zeit zwischen Rausholen und Fotografieren als bei der G10 – und die LX3 wirkt bei der Einschaltzeit ohnehin schon recht träge, Schnappschüsse im Vorübergehen sind nur schwer möglich.

Fazit: Beide Kameras haben eine durchdachte Bedienung, deren Prinzip man auch ohne Handbuch intuitiv versteht. Beide Kameras bieten hilfreiche Extra-Programme wie zum Beispiel eine Zeit- und Blendenautomatik (der Fotograf stellt einen Wert ein, die Kamera berechnet den anderen), Langzeitbelichtungen und einen ordentlich bedienbaren manuellen Fokus. Allerdings macht die G10 die vielen Einstellmöglichkeiten besser zugänglich – dafür ist die Kamera auch deutlich größer.

Ausstattung

Ärgerlich, aber gängig ist, dass beide Kameras ausschließlich mit gedruckten Kurzanleitungen geliefert werden. Das komplette Handbuch gibt es nur digital als PDF – dumm, wenn man unterwegs nachlesen will, wie eine selten genutzte Einstellung funktioniert. Gerade bei Kameras, die mit dem Funktionsumfang protzen (und entsprechend mehr kosten) wäre ein gedrucktes Handbuch wünschenswert.

Bei den Objektiven unterscheiden sich die Kameras deutlich: Panasonic verzichtet bei der LX3 auf einen starken Zoom, bietet aber einen etwas größeren (für Kompaktkameras außergewöhnlich großen) Weitwinkelbereich als die Canon G10. Die vergleichbare Kleinbild-Brennweite der LX3 (24-60 mm) bietet weniger Gestaltungsspielraum als die der G10 (28-140 mm) mit ihrem doppelt so großen Zoom-Bereich (5-fach statt 2,5-fach).

Sprich: Mit der LX3 bekommt man in engen Gassen bei wenig Abstand zum Motiv mehr aufs Bild (Bauwerke, Menschengruppen), kommt aber andererseits nicht ganz so nah an Details heran wie mit der G10.

Lichtstarke Lumix mit wenig Telebrennweite

Weiterer Unterschied: Gerade bei Innenaufnahmen mit mäßiger Beleuchtung merkt man, dass das Objektiv der LX3 lichtstärker (1:2,0 bis 1:2,8 ) ist als das der G10 (1:2,8 bis 1:4,5) und aller Weitwinkel-Kompaktknipsen. Das bedeutet: Bei gleicher Beleuchtung sind mit der LX3 ohne Blitz kürzere Belichtungszeiten (weniger Verwacklungsgefahr) oder geringere ISO-Empfindlichkeiten (weniger Bildrauschen) möglich.

Einzigartig ist die Auswahl möglicher Bildformate bei der LX3: Man kann zwischen Aufnahmen im echten 4:3-, 3:2- und 16:9-Format wählen – mehr Gestaltungsfreiheit.

Fototechnik-Fachbegriffe

Abgesehen davon nehmen sich die Kameras bei der Ausstattung nicht viel – die G10 hat einen Sucher (hilfreich, um den Akku zu schonen oder bei sehr starkem Licht den Bildausschnitt zu wählen), bei der LX3 ist man auf das Display angewiesen. Das ist ebenso groß wie bei der G10, bietet eine hohe Auflösung und helle, scharfe Darstellung, wobei in manchen Aufnahmesituationen das Bild des G10-Displays etwas näher am Original (und späteren Foto) wirkte. Das sind allerdings kleine Unterschiede.

Ansonsten können beide Kameras in ihrem jeweiligen Rohdatenformat RAW aufnehmen (wichtig, um möglichst viel Freiheit bei der Bildbearbeitung zu haben), beide haben einen Bildstabilisator und Blitzschuh.

Fazit: Wer auf einen starken Zoom verzichten kann, bekommt bei der LX3 mehr Weitwinkel, mehr Lichtstärke und mehr Spielraum bei der Format- und Bildgestaltung als bei der G10.

Bildqualität

Ein Voraussetzung für eine hohe Bildqualität ist die Fläche des Sensors und die Anzahl der dort untergebrachten Fotodioden, die aus dem einströmenden Licht das digitale Bild ermitteln: Je mehr Dioden auf gleichem Raum untergebracht sind, umso größer ist das sogenannte Bildrauschen durch verstärkte Störungen (siehe Kasten unten). Weil das so ist, kann man von Kameras in der Größe der G10 und LX3 auch keine Bildqualität wie bei digitalen Spiegelreflexkameras mit ihren weit größeren Bildsensoren erwarten.

Allerdings überreffen sowohl die G10 als auch die LX3 die Sensorgröße so mancher digitalen Kompaktkamera – hier der Vergleich:

  • Kompaktkamera Nikon Coolpix S60: 10 Megapixel über Sensor mit 0,28 cm2
  • Canon G10: 14,7 Megapixel über Sensor mit 0,43 cm2
  • Lumix LX3: zwischen 8,8 und 10 Megapixel über Sensor mit 0,36 bis 0,4 cm2
  • Spiegelreflex-Kamera Nikon D40: 6 Megapixel über Sensor mit 3,67 cm2

Der Vergleich zeigt: Konstruktionsbedingt können G10 und LX3 zwar Draufhalt-Knipsen bei der Bildqualität übertreffen, aber nicht mit Spiegelreflexkameras mithalten. Da die Lumix LX3 allerdings mit bei einem lichtstärkeren Objektiv weniger Pixel auf einem ähnlich großen Sensor wie die G10 erzeugt, sind hier theoretisch bei schlechter Beleuchtung geringere ISO-Empfindlichkeiten nötig und weniger Probleme durch das Bildrauschen zu erwarten (siehe Kasten unten).

Bei Tageslicht wunderbar, nachts mau

Im Test lieferten G10 und LX3 bei Aufnahmen mit schlechter Beleuchtung Fotos mit deutlich weniger Bildrauschen als Draufhalt-Knipsen, selbst hochwertige wie die Lumix FX-100. Mit den Fotos einer Spiegelreflex-Kamera, selbst einer günstigen wie der Nikon D40 (Straßenpreise deutlich unter denen von G10 und LX3) können die Kompaktkameras bei höheren ISO-Empfindlichkeiten allerdings nicht mithalten. Sowohl die G10 als auch die LX3 liefern ab ISO-Empfindlichkeiten über 400 Fotos mit erkennbarem Bildrauschen und verschwimmenden Details infolge der Software-Routine zur Rauschminderung.

Bei guter Beleuchtung (und entsprechenden ISO-Werten um die 100) sind die Aufnahmen beider Kameras erstaunlich gut - auch wenn man sie in Original-Auflösung betrachtet: kein sichtbares Rauschen, gleichmäßige Schärfe auch zum Bildrand hin, natürliche Farben. Entsprechende Leistungen bestätigten auch Labortests – das Fachmagazin " Colorfoto " etwa bescheinigt der LX3 beim Rauschen bei ISO 100 einen der besten Werte bei Kompaktkameras überhaupt bislang, ähnlich beurteilt Fotograf Michael Reichmann die G10.

Fazit: Wer bei Tageslicht fotografiert, ist mit der Bildqualität der G10 und der LX3 gleichermaßen überdurchschnittlich gut bedient. Nachts, bei Dämmerung, ohne Blitz in geschlossenen, schlecht beleuchteten Räumen sieht das aber oft anders aus.

Fototechnik-Fachbegriffe

Fazit

Die G10 und die LX3 bieten für ihre Größe überdurchschnittlich gute Bildqualität – Universalkameras sind aber beide nicht. Wer oft bei schlechter Beleuchtung fotografiert, findet hier keine Alternative zur digitalen Spiegelreflex.

Die Gernegroß-Kompakten sind aber eine gute Ergänzung zu Spiegelreflex-Immerdabei-Kameras, mit denen man sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Bildbearbeitung experimentieren kann, weil sie viele Einstellmöglichkeiten bieten.

Die Lumix LX3 ist viel handlicher, dafür bei der manuellen Einstellung von Verschlusszeiten, Blenden und derlei weniger komfortabler und beim Einschalten behäbiger als die G10. Das Experimentieren macht mit den Bedienelementen der Canon-Kamera mehr Spaß – wer sich anhand von harten Kriterien wie der Telebrennweite nicht entscheiden kann, sollte die Bedienung ausprobieren.

Datenblatt

Kameravergleich: Canon G10 und Lumix LX3 im Überblick

Kameravergleich: Canon G10 und Lumix LX3 im Überblick Canon G10 Lumix LX3
günstigster Preis im Online-Handel
(laut geizhals.at, Stand 31.10.2008)
439 Euro 378 Euro
Maße,
Gewicht (mit Akku und Speicherkarte)
10,9 x 7,8 x 4,6 cm
ca. 400 Gramm
11,7 x 6,2 x 4,6 cm
ca. 260 Gramm
Auflösung 4416 x 3312 Pixel 3648 x 2736 Pixel
Sensorgröße 1/1,7-Zoll 1/1,6 Zoll
Dateiformat JPG, RAW JPG, RAW
vergleichbare Kleinbild-Brennweite 28-140 mm 24-60 mm
Verschlusszeiten 1/4000 - 15 Sek. 1/2000 - 60 Sek.
Aufnahmesteuerung Vollautomatik, Programmautomatik, Manuell, zwei selbst zu programmierende Voreinstellungen, Verschlusszeiten- und Blendenpriorität Vollautomatik, Programmautomatik, Manuell, vier selbst zu programmierende Voreinstellungen, Verschlusszeiten- und Blendenpriorität
Display 3-Zoll TFT-Monitor, 3-Zoll TFT-Monitor,
Sucher Optischer Zoomsucher kein Sucher
Speicherkarten SD, SDHC, MMC SD, SDHC, MMC
Schnittstellen USB 2.0 (Standard-Mikro-USB), TV USB 2.0 (Standard-Mikro-USB), TV
Blitz int. Blitz / Blitzschuh int. Blitz / Blitzschuh
Lieferumfang Akku, Ladegerät, USB-Kabel, TV-Kabel Akku, Ladegerät, USB-Kabel, TV-Kabel